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Putin-Politiker erhebt Vorwürfe gegen Nato – Drohnen-Flüge Richtung Russland?

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Von: Florian Naumann

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Pskows Gouverneur Michail Wedernikow (re.) im September 2021 bei einem Gespräch mit Wladimir Putin.
Pskows Gouverneur Michail Wedernikow (re.) im September 2021 bei einem Gespräch mit Wladimir Putin. © Alexei Druzhinin/SNA/www.imago-images.de

Einige Akteure in Russland sehen sich im Krieg mit der Nato. Ein Gouverneur erhebt nun Vorwürfe gegen das Bündnis – aus der Zeit vor dem Ukraine-Krieg.

Pskow/Washington, D.C. – Ein russischer Lokal-Politiker hat mitten im Ukraine-Krieg brisante Vorwürfe gegen die Nato erhoben. „Wir haben nie ausführlich darüber gesprochen, aber es gab Versuche, unsere Grenze mit militärischen Drohnen und anderen Fluggeräten zu überqueren“, sagte der Gouverneur der russischen Region Pskow, Michail Wedernikow, laut einem Bericht der US-amerikanischen Newsweek am Wochenende. Pskow liegt nahe der Grenze zu den Nato-Staaten Estland und Lettland.

„Derart ‚friedliche Betätigung‘ war vor dem Start der militärischen Spezialoperation in voller Blüte und die Situation hat sich sogar noch weiter verschärft“, sagte Wedernikow weiter. Der Politiker gehört der „Einiges Russland“-Partei von Präsident Wladimir Putin an – entsprechend bezeichnet er die Invasion der Ukraine gemäß offizieller russischer Sprachregelung als „militärische Spezialoperation“. Die Äußerungen stammen laut Newsweek aus einem Interview mit dem Staatsmedium Sputnik News.

Ukraine-Krieg: Putin-Politiker erhebt Vorwürfe gegen Nato

Wedernikow beklagte sinngemäß, bei der von Nato-Seite erklärtem Ziel der „friedlichen Koexistenz“ mit Russland handle es sich um Lippenbekenntnisse. Pskow sei wiederholt mit der „‘gute Nachbarschafts‘-Politik der Nato“ konfrontiert worden, sagte der Gouverneur mit Blick auf seine Vorwürfe. Details zu den mutmaßlichen Drohnen-Operationen lieferte Wedernikow Newsweek zufolge aber nicht. Auch, ob es sich letztlich nur um „Versuche“ von Flügen auf russisches Territorium oder um tatsächliche Grenzverletzungen gehandelt haben soll, blieb unklar.

Seit Kriegsbeginn hatten russische Politiker und Medien immer wieder davon gesprochen, dass sich Russland eigentlich in einem Krieg mit der Nato befinde. Auf diese Darstellung könnte sich nun auch Wedernikows Klage münzen lassen.

Russland und der westliche Luftraum: Immer wieder Ärger – vor allem in Schweden und Finnland

Allerdings gilt selbst falls die Vorwürfe zutreffen: Operationen im oder am Luftraum der Gegenseite hat auch Russland immer wieder vorgenommen. So teilte die Nato selbst vor Jahresfrist mit, allein im Jahr 2021 seien 290 mal Kampfflugzeuge aufgestiegen, um russische Maschinen nahe Nato-Territorium zu identifizieren oder abzufangen. Nur sehr wenige Flugzeuge seien gleichwohl tatsächlich in den Nato-Luftraum eingedrungen. Öffentlich wurde im November 2021 etwa ein Fall, in dem die belgische Luftwaffe zwei russische Tupolew T-160 aus Nato-Luftraum über der Nordsee heraus eskortierte.

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hatten Medien gleichwohl vermehrt über unliebsame Begegnungen westlicher Länder und Streitkräfte mit Kampfflugzeugen aus Russland berichtet. So hatten sich nach Nato-Angaben erst im November zwei russische Kampfjets in einem gefährlichen Manöver auf der Ostsee operierenden Schiffen des Nordatlantik-Bündnisses genähert - und zwar auf unter hundert Meter Distanz. Im Juni hatte Estland einen russischen Hubschrauber über seinem Gebiet bemerkt. Just in der südöstlichen Region Koidula, nicht weit von Pskow.

Schlagzeilen machten auch mehrfach in den schwedischen Luftraum eingedrungene russische Jets. Das Land gehört allerdings noch nicht der Nato an. Gleiches gilt für Finnland. Helsinki meldete im August ein Eindringen russischer Jets in finnisches Hoheitsgebiet. Viktor Orbáns Ungarn einerseits, vor allem aber die Türkei andererseits zögern noch, das Beitrittsersuchen von Schweden und Finnland zu ratifizieren. (fn)

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