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Russland stellt Propaganda-Fernseher im zerbombten Mariupol auf

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Von: Lukas Zigo

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Die Ruine eines zerstörten Wohngebäudes in Mariupol.
Die Ruine eines zerstörten Wohngebäudes in Mariupol. © Vladimir Gerdo / Imago Images

Russlands Ministerium für Notfallsituationen hat TV-Übertragungswagen nach Mariupol verlegt, um dort russische Staatspropaganda in der zerstörten Stadt zu zeigen.

Mariupol – Die ukrainische Hafenstadt Mariupol ist nicht erst seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine Schauplatz von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und Ukrainern, fragwürdigen Referenden und dergleichen. Nachdem die letzten Verteidiger der Stadt, welche sich im Stahlwerk Azowstal verschanzt hatten, nach monatelangem Beschuss und der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt aufgegeben haben, steht Mariupol nun unter russischer Kontrolle.

Die Regierung in Moskau scheint nun zu versuchen, den Bewohnern von Mariupol ihre Seite der Geschichte näherzubringen. Wie der BBC-Journalist und Experte für russische Propaganda Francis Scarr berichtet, hat Russland mobile Fernsehgerätr nach Mariupol gebracht, um russisches Propagandafernsehen auszustrahlen. Dieses berichte davon, wie das Leben unter der Besatzung „besser“ werde.

Mariupol: Besatzer zeigen Propaganda „vor dem Hintergrund von Ruinen und Massengräbern“

Petro Andriushchenko, ein Berater des Bürgermeisters von Mariupol, berichtete am Dienstagabend (24. Mai) auf seinem Telegram-Kanal ebenfalls davon. Zu dem TV-Übertragungswagen hatte er folgendes zu sagen: „Um die Einwohner von Mariupol an die Behauptung ‚das Leben hat sich verbessert‘ glauben zu lassen, schalten die Besatzer die Propaganda ein. Es gab Zeitungen (die zum Anzünden der Öfen verwendet wurden). Und man braucht Strom, um den Fernseher einzuschalten. Aber die Bastarde haben einen Ausweg gefunden: Mobiles Fernsehen vom russischen Ministerium für Notfallsituationen“.

Laut Andriuschtschenko war dieser Übergang von Zeitungen auf den Übertragungswagen bereits am Montag (23. Mai) vollzogen worden. „Seit gestern ist der erste (TV-Übertragungswagen) in Skhidnyi (Bezirk) in Mariupol in Betrieb. Genau hier, vor dem Hintergrund von Ruinen und Massengräbern, werden Einwohner von Mariupol über die Verbesserungen und die ‚Verbrechen der ukrainischen Armee‘ informiert.“

Mariupol: Bürgermeister spricht von 20.000 getöteten Menschen

Zuvor hatte er dBerater des Präsidialamtes, Mykhailo Podoliak, erklärt, dass die Besatzer allein in Mariupol Zehntausende von Menschen getötet hätten. Mariupols Bürgermeister Vadym Boichenko ging noch weiter. Er sagte, die Russen hätten in der Stadt mehr Einwohner getötet als die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Ihm zufolge staben in Mariupol in zwei Monaten mehr als 20.000 Menschen durch die Hand der Besatzer. (lz)

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