1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Putin „ist ein Psychopath, und es ist ihm egal, was mit uns geschieht“

Erstellt:

Von: Nadja Austel

Kommentare

Putin sei „ein Psychopath, und es ist ihm egal, was mit uns allen, mit unserer Wirtschaft, mit unserer Zukunft geschieht“, doch eine Hoffnung gibt es.

Moskau – Momentan ist es eines der meist gefürchtetsten Szenarien im Ukraine-Krieg: ein Atomschlag von Russland. Am Mittwoch (21. September) hatte Wladimir Putin internationale Besorgnis darüber ausgelöst, dass der Kreml einen Atomangriff starten könnte. Der Krieg in der Ukraine war erneut eskaliert, nachdem Russland eine „Teilmobilisierung“ von rund 300.000 Reservisten angekündigt hatte.

In einer seltenen, vorab aufgezeichneten Ansprache wandte sich Putin an die Nation, warf den westlichen Verbündeten der Ukraine vor, Russland mit Atomwaffen zu erpressen, und warnte, dass sich „der Wind auch in ihre Richtung drehen kann“. Er sagte weiter: „Wenn Russland das Gefühl hat, dass seine territoriale Integrität bedroht ist, werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Verteidigungsmittel einsetzen – und das ist kein Bluff“.

Putin rekrutiert „Kanonenfutter“ für das „neue Nazi-Reich“

Der aus Russland geflohene 38-jährige Anton Schalajew, sagte gegenüber dem Nachrichtenportal The Atlantic in einem Interview: „Ein paar alte Männer und eine Armee von Zombies führen uns in die Hölle.“ Seine Position zur Invasion sei von Beginn an klar gewesen: Dass er in den Kampf zieht, war für ihn ausgeschlossen. Mit der Teilmobilisierung rekrutiere man nun nur „noch mehr Kanonenfutter“.

Russlands Präsident Wladimir Putin
317593292.jpg © Gavriil Grigorov / dpa

„An dem Tag, als Putin den Krieg erklärte, wusste ich, dass ich niemals für dieses neue Nazi-Reich kämpfen würde. Sie sind meine persönlichen Feinde: Söldner, die mir mein Land stehlen, fremde Gebiete besetzen und unschuldige Menschen töten“, sagt Schalajew. Putin und seine Drohungen mit nuklearen Waffen sieht er als ernstzunehmende Gefahr an. Nur ein Grund könnte seiner Ansicht nach verhindern, dass der Präsident bis zum Äußersten geht.

„Als der Einmarsch in die Ukraine begann, wurde mir klar, dass der alte Mann nichts zu verlieren hat. Er ist ein Psychopath, und es ist ihm egal, was mit uns allen, mit unserer Wirtschaft, mit unserer Zukunft geschieht. Meine einzige Hoffnung ist, dass er einen Überlebensinstinkt hat, der ihn davon abhält, uns alle in die Luft zu jagen.“

Ukraine-Krieg: Schuld ist Putin und sein „kleiner Haufen alter Männer an der Spitze“

Schalajew macht sich selbst Vorwürfe: „Ich gebe mir selbst die Schuld für unser sorgloses Leben (…) Wir waren völlig entspannt.“ Er und seine Kollegen hätten ein glückliches und bequemes Jahrzehnt des Moskauer Lebens genossen. „Wir dachten, das ganze Land sei wie wir. Wir kannten unser Land nicht.“ Die größte Schuld an dieser ganzen Tragödie trage jedoch „ein kleiner Haufen alter Männer an der Spitze: KGB-Offiziere.“

Aus dem Exil unterstützt er deshalb etwa ukrainische Flüchtlinge mit finanziellen Mitteln und verbreitet die Haltung gegen den Krieg in russischsprachigen Netzwerken. Er selbst kann sich glücklich schätzen, das Land frühzeitig verlassen zu haben: „Ich hatte mein Ticket kurz vor der Ankündigung [der Teilmobilisierung] gekauft (…), sodass es mich nur etwa 300 Dollar kostete.“ Seine Kollegen hätten ihre Tickets schon am nächsten Tag für mehr als 1000 Dollar kaufen müssen.

Putin: Für ihn wollen viele Russen nicht in den Ukraine-Krieg ziehen

Die Atmosphäre bei der Passkontrolle auf dem Flughafen sei zwar ruhig, aber angespannt gewesen. Die Männer, die um ihn herum auf ihren Flug aus Russland heraus warteten, hätten besorgte Blicke ausgetauscht. „Die Grenzbeamten nahmen jeden meiner Freunde in einem kleinen Raum beiseite, befragten sie, ob sie jemals beim Militär gedient hätten und wenn nicht, warum nicht.“ Sie hätten zudem geprüft, ob die Namen der Männer in der Datenbank für die Mobilisierung enthalten waren, hielten sie jedoch nicht von der Ausreise ab.

Die Reaktion der russischen Öffentlichkeit auf die Entwicklungen dieser Woche hat gezeigt, dass die meisten Bürger nicht bereit sind, für Putin in den Krieg zu ziehen. Als Folge der „Teilmobilisierung“ flohen ganze Wellen von russischen Männern aus dem Land, um der Einberufung in den Ukraine-Krieg zu entgehen. (na)

Auch interessant

Kommentare