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Die Opposition will erreichen, dass alle Kandidaten zur Stadtratswahl in vier Wochen zugelassen werden.

Demo in Russland

„Freiheit, Freiheit“ - Zehntausende Menschen demonstrieren in Moskau

Bei einer Demonstration in Moskau kommt es zu zahlreichen Verhaftungen. Rund 250 Menschen werden in Gewahrsam genommen.

Update, 19.45 Uhr: Nach der friedlichen Demonstration in Moskau mit Zehntausenden Menschen hat es am Samstag erneut Hunderte Festnahmen gegeben. Nach Zahlen des Bürgerrechtsportals OWD-Info nahm die Polizei landesweit bei Solidaritätskundgebungen für die Moskauer Proteste rund 250 Menschen in Gewahrsam. 86 Festnahmen wurden demnach in der nordrussischen Stadt St. Petersburg gezählt. In der Hauptstadt seien es 150 gewesen. Die Polizei sprach von 136 bis zum Abend.

Auf Live-Bildern im Fernsehen war zu sehen, wie Polizisten mit Schlagstöcken im Viertel Kitai-Gorod östlich des Kremls Straßen und Parks abriegelten. Immer wieder war zu sehen, wie Festgenommene abgeführt und in Polizeibusse geschoben wurden. Die Organisatoren sprachen von rund 50.000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 20.000.

„Dopuskaj!“ - auf Deutsch: Zulassen! - riefen die Menschen in Sprechchören. Sie forderten bei der diesmal zugelassenen Demonstration die Registrierung von unabhängigen Kandidaten zur Stadtratswahl am 8. September. „Freiheit für die politischen Gefangenen!“, skandierte zudem die Menge. Gemeint sind jene Oppositionspolitiker, darunter Alexej Nawalny und Ilja Jaschin, die im Arrest sitzen.

„Wir haben hier die Macht!“, riefen die Menschen. Und - ungewöhnlich für Russland - „Freiheit, Freiheit“. Ein Redner rief von der Bühne: „Brauchen wir einen solchen Präsidenten?“ Die Menge antwortete daraufhin im Chor: „Nein!“

Auch Prominente wie die Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja und der Rapper Face traten auf der Protestbühne auf. Teils gab es schwere technische Probleme, so dass Redner nicht zu hören waren. Erneut war der Mobilfunk weitgehend lahmgelegt: Telefonate oder das Nutzen mobilen Internets waren nicht möglich. Die Demonstration verlief friedlich.

Erstmeldung, 16.30 Uhr: Begleitet von einem massiven Aufgebot der Polizei haben in Moskau Zehntausende Menschen gegen Polizeigewalt und für faire und freie Wahlen demonstriert. Erwartet wurden am Samstag zu der von den russischen Behörden genehmigten Kundgebung bis zu 100.000 Teilnehmer. dpa-Reportern zufolge strömten viele Menschen selbst lange Zeit nach dem offiziellen Beginn zu der Kundgebung in der Hauptstadt. Sie folgten trotz Regens dem Aufruf der Opposition.

Sie will erreichen, dass alle Kandidaten zur Stadtratswahl in vier Wochen zugelassen werden. Regierungskritiker sind dort wegen angeblicher Formfehler bei ihren Registrierungsanträgen nicht zugelassen. Viele prominente Oppositionspolitiker sitzen in Haft. Zu den Protesten haben aber auch bekannte Blogger mit Millionen Followern aufgerufen, um ein Zeichen gegen Polizeigewalt zu setzen.

Am Rande der Demonstration zogen Hundertschaften von Uniformierten in Schutzwesten, mit Schlagstöcken und Helmen auf. Vor den Personenkontrollen der Polizei staute es sich. Menschen mussten lange warten, um überhaupt zum Versammlungsort zu gelangen. Gekommen waren viele junge Menschen, aber auch Eltern mit ihren Kindern und Ältere.

Die Demonstranten skandierten mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin „Russland ohne Putin“. Auf Transparenten war etwa zu lesen „Geben Sie Moskau die Wahlen zurück“, „Hier wählen wir“, „Ich habe das Recht auf eine Wahl“ oder „Ich bin wütend“. In anderen Städten Russlands wie St. Petersburg gab es Solidaritätskundgebungen.

Bei nicht erlaubten Protesten waren an den beiden vergangenen Samstagen mehr als 2000 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Sicherheitskräfte gingen massiv gegen friedliche Demonstranten vor. Das stieß international auf Kritik. (dpa)

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