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Warum kämpft Russland in der Ukraine? Staats-TV mit bizarrer Erklärung

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Von: Tim Vincent Dicke

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Margarita Simonyan, Chefredakteurin des staatlich kontrollierten russischen Fernsehsenders RT.
RT-Chefin Margarita Simonjan ist eine große Unterstützerin des russischen Kriegs gegen die Ukraine. © imago-images

Warum kämpft Russland in der Ukraine? Weil man nicht so wie der Westen werden wolle, erklärt RT-Chefin Margarita Simonjan im Staats-TV.

Moskau – Die Debatten im russischen Staatsfernsehen werden im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer bizarrer. Russland sei quasi das Paradies auf Erden, die westliche Hemisphäre stehe dagegen vor dem Untergang, so das Narrativ. Margarita Simonjan, Chefin des staatlichen Auslandssenders RT, hat nun eine harmlose TV-Serie für die ihrer Ansicht nach dramatischen Zustände im Westen verantwortlich gemacht.

Die Fernsehjournalistin diskutierte am Sonntag (30. Oktober) in einer Talkshow über die Bedeutung des Kriegs gegen die Ukraine für die Russische Föderation. Anton Geraschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, treilte einen Ausschnitt der Sendung auf Twitter – mehr als 200.000 Personen haben ihn sich bisher angesehen. Unabhängig prüfen ließ sich die zur Verfügung gestellte Übersetzung nicht.

Russlands Staats-TV sieht Westen als verdorben an

Manche Menschen in Russland würden sagen: „Nun ja, es ist nicht klar, wofür wir kämpfen“, führte Putin-Vertraute Simonjan in der Sendung aus. Diese Frage dürfe man sich jedoch nicht stellen. „Dort beginnt die Niederlage. Sie beginnt immer damit, dass es einen nicht interessiert, ob man gewinnt oder nicht“, kritisierte die TV-Frau.

Doch es sei klar, wofür Russland im Ukraine-Konflikt kämpfe. „Worum geht es in diesem Kampf? In diesem Krieg geht es um unser Recht, dass unsere Kinder so sind wie wir und nicht wie sie“, sagte Simonjan in Bezug auf den Westen, der in russischen Staatsmedien als verdorben und unnatürlich dargestellt wird. „Es gibt eine Kluft zwischen uns und unseren Kindern und ihnen und ihren Kindern – eine mentale, kulturelle Kluft“.

„Kochende ultraliberale Suppe“ in den USA

Dann folgte eine seltsame Erklärung, warum die Kinder im Westen angeblich so anders seien. „Vor dreißig Jahren, als ich selbst in den USA studiert habe, schien es, als seien wir uns so ähnlich. Und wir waren uns wirklich ähnlich“, schilderte sie die Kultur in Russland und den Vereinigten Staaten. Angeblich hätte dann eine progressive Ideologie die USA übernommen. „Damals fing es gerade erst an, das allererste Glucksen der jetzt kochenden ultraliberalen Suppe – damals war es klein, man konnte es kaum wahrnehmen.“

Eine erfolgreiche TV-Sitcom sei für diese Entwicklung maßgeblich verantwortlich, so die eigenwillige Darstellung Simonjans. „Man musste schon sehr gute Augen haben, um das zum Beispiel in der Fernsehserie Friends von 1994 zu bemerken, die wahrscheinlich die beliebteste amerikanische Fernsehserie aller Zeiten ist.“

Sie beschrieb eine Szene, in der ein Mann von seiner Ehefrau verlassen wird. Der Grund: Sie hatte erkannt, dass sie lesbisch ist. Es sei für die US-Amerikaner:innen nicht möglich gewesen, diese „Propaganda“ zu „erkennen, weil es so selten, so frisch, so interessant war. Und jetzt haben wir, was wir haben. Und wir werden nicht über diese Kluft springen“.

Homosexuelle werden in Russland diskriminiert

So bizarr die Äußerungen der RT-Chefin wirken mögen, so gut passen sie in das übliche Narrativ der russischen Propaganda. Schwule, lesbische und transsexuelle Menschen werden in Russland diskriminiert und müssen mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Erst kürzlich hatte sich das russische Parlament, die Staatsduma, dafür ausgesprochen, das Gesetz gegen „LGBT-Propaganda“ zu verschärfen.

Das Votum „über Änderungen an der Gesetzgebung in Bezug auf die Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen“ sei einstimmig ausgefallen, teilte die Duma mit. Künftig soll damit unter anderem auch die „Leugnung familiärer Werte“ unter Strafe stehen. Seit 2013 gilt in Russland ein Gesetz, dass hohe Geldstrafen vorsieht, falls sich Erwachsene im Beisein von Minderjährigen positiv über Homosexuelle äußern. (tvd) 

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