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Russlands Staats-TV: RT-Chefin kann Kindermord-Aussagen verstehen

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Von: Tim Vincent Dicke

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Hin und her in Russlands TV: Nach Skandal-Aussagen über ukrainische Kinder wurde Publizist Krassowski suspendiert. Doch nun klingt das ganz anders.

Moskau – Rolle rückwärts in Russlands Staats-TV? Der Sender RT hatte den Kreml-Propagandisten Anton Krassowski eigentlich nach skandalösen Aussagen entlassen. Hintergrund: Der Publizist rief unter anderem dazu auf, ukrainische Kinder zu ertränken. Doch nun zeigt RT-Chefin Margarita Simonjan Verständnis für die Äußerungen.

„Ich setze mich für Krassowski ein. Man kann einen Mann, der an seiner Stelle (…) so viel für den Donbass getan hat, nicht einfach rausschmeißen“, schrieb Simonjan am Montag (24. Oktober) in ihrem Kanal bei Telegram. Es ist eine bemerkenswerte Wendung: Nur wenige Stunden zuvor hatte die Leiterin von RT Krassowski aus dem Programm entfernen lassen.

Russlands Staats-TV von Aussagen angeblich entsetzt

Ausgelöst hatte den Skandal Krassowskis Forderung in einer Fernsehsendung, ukrainische Kinder, die der Ansicht seien, die Ukraine sei von Russland okkupiert worden, entweder in einen Fluss zu werfen und zu ertränken, oder sie in einer Hütte einzusperren und anzuzünden. Daneben sprach er etwa der Ukraine das Existenzrecht ab, rief zur Erschießung von Ukrainer:innen auf und verharmloste Vergewaltigungen.

RT-Chefin Margarita Simonjan
RT-Chefin Margarita Simonjan unterstützt den Ukraine-Krieg mit vielen Auftritten im Staatsfernsehen. (Archivbild) © Sergei Bobylev/imago

Die Sendung rief international Empörung hervor. „Die Äußerungen Anton Krassowskis sind barbarisch und grässlich“, begründete Simonjan am Sonntag (23. Oktober) auf Telegram zunächst die vorläufige Kündigung. Simonjan ihrerseits sprach von einem „zeitweiligen Wahnsinn“, von dem Krassowski befallen sei. Sie beende die Zusammenarbeit vorerst, damit niemand auf den Gedanken komme, dass sie oder andere RT-Mitarbeiter diese Ansichten teilten, schrieb sie.

RT-Chefin zeigt Verständnis für Ukraine-Äußerungen

Krassowski erklärte später in einem Entschuldigungsvideo, er bedauere, die Grenze überschritten zu haben. Manchmal sei es so, dass er sich in seinen Sendungen zu sehr hinreißen lasse, begründete er seine Entgleisungen. Und diese Entschuldigung nimmt Simonjan offenbar für voll. Zumindest stellt sie es so in der Öffentlichkeit dar. Die ukrainischen Feinde hätten das Schlechteste aus Krassowski hervorgebracht, so ihr Narrativ. „Es ist sehr schwer, sich von ihnen zu unterscheiden, von den Untoten, gegen die wir kämpfen“, schrieb die RT-Chefin wenige Stunden nach dem Rauswurf.

„Es ist schwer, ehrlich und barmherzig zu sein, unsere eigene Verstocktheit zu kontrollieren und sie innerhalb der menschlichen Normen und der Gebote Gottes zu halten. Das ist die Prüfung, die Gott uns auferlegt hat.“ Man dürfe sich nicht auf das Niveau der Menschen in der Ukraine herab begeben, so die Top-Propagandistin von Kreml-Chef Wladimir Putin. Das habe Krassowski mittlerweile auch verstanden.

Wird Krassowski in Russlands Staats-TV rehabilitiert?

Bei Wladimir Solowjow legte die RT-Chefin nach. Solowjow ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten des russischen Staats-TV, er gilt als Vertrauter Putins. „Anton hat mehrmals um Vergebung gebeten, ein Video gedreht, in dem er sich als Narr und Idiot bezeichnet und versucht hat zu erklären, warum er das gesagt hat, was er gesagt hat“, sagte Simonjan in Solowjows Show am Dienstag (25. Oktober). Darüber berichtete die Daily Beast-Journalistin Julia Davis, die in ihrem Blog Russian Media Monitor Videos aus den staatlichen russischen Medien analysiert.

Die russisch-orthodoxe Kultur verlange von Simonjan, jemandem zu vergeben, der Reue zeigt. „Für mich ist meine Religion der einzige Imperativ, der einzige Maßstab für Worte und Taten.“ (tvd/dpa)

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