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„Sie essen Russen“: Russlands Staats-TV beschuldigt Ukrainer des Kannibalismus

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Von: Sebastian Richter

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Das russische Staatsfernsehen beschuldigt die Ukraine des Kannibalismus.
Das russische Staatsfernsehen beschuldigt die Ukraine des Kannibalismus. © Screenshot Twitter

Die russische Propaganda sucht immer wieder neue Wege, die Ukraine zu diskreditieren. Nun wirft man den Menschen in der Ukraine Kannibalismus vor.

Frankfurt – Warum kämpfen die Menschen in der Ukraine gegen die Angreifer aus Russland? Aus westlicher Perspektive scheint die Antwort auf diese Frage klar: Wladimir Putins Truppen haben das Land überfallen, die Ukrainer verteidigen sich. Wenn man auf die Propaganda aus Russland hört, zeichnet sich natürlich direkt ein ganz anderes Bild. Die große russische Armee befreie die Ukraine von der drogenabhängigen Naziführung. So gesehen stellt sich natürlich die Frage: Warum wehren sich die Ukrainer nur derart vehement gegen ihre Befreiung?

Darauf inmitten des Ukraine-Konflikts eine Antwort zu finden, ist für Russland nicht einfach. Im vo Krelm kontrollierten Staatsfernsehen hat man einen neuen Versuch der Erklärung gestartet.

Ukraine-News: Im russischen Staatsfernsehen wirft man der Ukraine Kannibalismus vor

Die jungen Menschen in der Ukraine seien „durch die Propaganda verdummt“, sagt ein Gast in einem wirren Beitrag in der Talkshow „Die Zeit wird es zeigen“. Bei dem „Experten“ handelt es sich laut dem Nachrichtenportal Newsweek um Andrei Klinstevich, den Leiter des Zentrums für das Studium militärischer und politischer Konflikte. Die Propaganda der Ukraine sei „einfach misanthropisch“ sagt er – und habe „praktisch mit Kannibalismus zu tun“. Die Ukrainer:innen tun dies, um sich „von den Slawen und ihren Verwandten abzugrenzen.“

Laut Klinstevich seien die meisten Leute „unfreiwillig hineingezogen“ und „aus irgendeiner Fabrik mobilisiert“ und anschließend an die Front geschickt worden. Umkehr gebe es nicht. „Sie wissen, dass sie einfach erschossen werden“, sollten sie von der Front zurückkommen. Die Moderatorin vergleicht die Situation der angeblich von der Propaganda verdummten Menschen mit „Geiseln“. Zustimmung von Klinstevich. Er spricht von „regelmäßigen Massenerschießungen“ und der „Machtlosigkeit der Menschen in den Schützengräben“.

Ukraine-News: Propaganda warf der Ukraine bereits Kannibalismus vor

Der Video-Ausschnitt wurde von Francis Scarr, Journalist bei BBC Monitoring, auf Twitter geteilt. „Im russischen Staatsfernsehen haben sie große Probleme herauszuarbeiten, wofür die Ukrainer kämpfen“, schreibt Scarr. „Eine ‚einfach misanthropische‘ Ideologie ‚verbunden mit Kannibalismus‘ scheint ihre einzige logische Schlussfolgerung zu sein.“

Der Vorwurf des Kannibalismus ist aus der Pro-Russland-Propaganda der neueste Schrei. Einen Tag zuvor teilte Scarr bereits einen Videoausschnitt aus dem Staatsfernsehen von Belarus. Darin zu sehen: Yevgeny Pustovoy, Moderator, wie er von Ukrainern berichtet, die „tatsächlich Russen essen“ sollen. Andere Berichte über Kannibalismus in der Ukraine außerhalb der russischen Propaganda gab es bisher nicht. Die letzten Berichte über gegessene Menschen in einem größeren Kontext gab es zur Zeit der großen Hungersnot in der Ukraine: Dem Holodomor zur Zeit Stalins.

Die Propaganda im russischen Staatsfernsehen zeigt immer wieder das verquere Bild, dass in Russland von der Realität herrscht. Zuletzt erhob ausgerechnet ein Sinologe „Anspruch“ auf Polen, den Balkan und natürlich die Ukraine. (spr)

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