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Russland sichert sich in Lateinamerika Einfluss

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Von: Klaus Ehringfeld

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Zwei, die sich verstehen:  Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und Russlands Präsident Wladimir Putin, hier bei einem Treffen 2018 in Moskau.
Zwei, die sich verstehen: Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und Russlands Präsident Wladimir Putin, hier bei einem Treffen im Dezember 2018 in Moskau. © Valery Sharifulin/Imago

Russland sichert sich bei Vasallen-Staaten wie Kuba und Venezuela Wohlwollen und unterwürfige Propaganda. Die Staaten stehen deshalb treu zu ihm.

Der Großteil der Welt mag Russlands Angriff auf die Ukraine verurteilen, aber auf seine Vasallen in Lateinamerika kann sich Präsident Wladimir Putin verlassen: Die von ihm wirtschaftlich abhängigen Kuba, Venezuela und Nicaragua stehen treu zu Moskau. Brasilien oszilliert: Dessen rechtsradikaler Staatschef Jair Bolsonaro war gerade erst bei Putin zu Besuch, nun kritisierte sein Vize Hamilton Mourão die Invasion, prompt wurde er vom Präsidenten verwarnt.

Immerhin ist Mexiko, das sich sonst aus internationalen Konflikten heraushält – oder durch seinen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador bisweilen bizarre Ansichten vertritt –, klar gegen den Krieg: „Wir haben es ohne Zweifel mit einer Invasion zu tun“, so Außenminister Marcelo Ebrard via Twitter. Und diese Invasion verurteile man „aufs Schärfste“.

Die Regime Kubas, Nicaraguas und Venezuelas bezeichnen den Überfall auf die Ukraine als legitim. „Will die Welt, dass Präsident Putin tatenlos zusieht und nicht zur Verteidigung seines Volkes handelt?“, fragte Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro noch vor der Invasion und wollte auch gleich das „US-Imperium und die Nato“ als verantwortlich für das ausgemacht haben, was passieren könnte. Das hat sich auch nach Beginn des Krieges nicht geändert, aber immerhin drückt Caracas nun seine „Besorgnis über die Verschärfung der Krise“ aus.

Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega befürwortete ausdrücklich die Unabhängigkeit des Donbass: „Diese Entscheidung von Präsident Putin eröffnet die Möglichkeit, dass die Situation keine großen Folgen haben wird“, irrlichterte Ortega und folgt auch weiterhin der russischen Sichtweise.

Krieg gegen die Ukraine: Aus Kuba kommt keine Kritik

Managua wie Caracas sind für Russland wichtige Brückenköpfe zu den USA – etwas, auf das Moskau besonders Wert legt und sich daher einiges kosten lässt. Aufgrund weitreichender Sanktionen sind beide Regimes auf Alliierte wie Russland angewiesen.

Genau das gilt auch schon sehr lange für Kuba. Nach einem Gespräch von Putin mit dem dortigen Amtskollegen Miguel Díaz-Canel Ende Januar, in dem sie die „Stärkung der bilateralen Beziehungen“ beschlossen, besuchten kurz vor dem Überfall auf die Ukraine zwei russische Delegationen die Insel und handelten eine Neustrukturierung der jüngsten Schulden Kubas bei Russland in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar aus. Havanna folgt nun strikt der Ukraine-Linie Moskaus.

Noch vor dem Angriff auf die Ukraine hieß es vom kubanischen Außenministerium: „Die US-Regierung droht Russland seit Wochen und manipuliert die internationale Gemeinschaft bezüglich der Gefahren einer angeblich drohenden Invasion.“ Und in Verkennung aller Realitäten betonte man das „Recht Moskaus, sich selbst zu verteidigen“.

Brasiliens Vizepräsident Mourão versicherte nach Kriegsbeginn, sein Land sei nicht neutral: „Brasilien hat sehr deutlich gemacht, dass es die Souveränität der Ukraine respektiert.“ Daraufhin sprach Bolsonaro ihm die Zuständigkeit ab, sich überhaupt zu äußern. „Um das klarzustellen: Artikel 84 der Verfassung besagt, dass nur der Präsident über außenpolitischen Themen sprechen kann.“ Anscheinend will der Präsident Zeit gewinnen und sagt so direkt zum Krieg nichts. Kein Wunder, hat er doch Putin schon „seine Solidarität“ bekundet – real braucht seine Landwirtschaft den russischen Dünger. Aber in Brasilien gibt es eine große ukrainische Diaspora und man unterhält natürlich auch traditionell enge Beziehungen zu den USA.

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