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Geheimbericht offenbart russische Wirtschaftskrise

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Von: Sandra Kathe

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Seit dem Überfall auf die Ukraine betont Russlands Politik immer wieder, wie wenig Sanktionen dem Land anhaben könnten. Ein Geheimbericht zeigt nun das Gegenteil.

Moskau – Eine Wirtschaftskrise, von der sich Russland jahrelang nicht erholen könnte, massive Verluste im Im- und Export, Tausende fehlende Fach- und Arbeitskräfte: Die Prognosen, die ein interner Bericht von Regierungsbeamt:innen und Wirtschaftsfachleuten über die russische Wirtschaft offenbart, sehen düster aus. Ganz im Gegensatz zu den regelmäßigen Bekundungen des russischen Machthabers Wladimir Putin, Sanktionen könnten Russland nicht vom Krieg gegen die Ukraine abhalten.

Veröffentlicht hat den Bericht das US-Nachrichtenmagazin Bloomberg, das sich die Echtheit des Dokuments aus Insider-Kreisen hat bestätigen lassen. Den Informationen zufolge ist das Dokument die Basis eines internen Treffens zwischen Wirtschaftsfachleuten und hochrangigen Kreml-Vertretern gewesen. Dieses habe Ende August stattgefunden und mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Zukunft Russlands zum Thema gehabt.

Wirtschaft in Russland: Interne Szenarien skizzieren Verluste

Dabei sagen zwei von drei skizzierten wirtschaftlichen Szenarien Verluste für das Land voraus, das seit Monaten von der EU sowie den USA und mehreren anderen Partnerstaaten aufgrund seines brutalen Angriffs auf die Ukraine mit Sanktionen belegt worden ist. Mit eingerechnet ist außerdem die Möglichkeit, dass auch weitere Länder sich den Wirtschaftsstrafen gegenüber Russland anschließen. Im für Russland positiv verlaufenden „Ziel-Szenario“ kann der Ukraine-Krieg dem Wirtschaftswachstum nichts anhaben.

Dagegen bricht in den beiden anderen Szenarien die russische Wirtschaft 2023 massiv ein. Im „Trägheits-Szenario“ erholt sie sich ab 2024 dann langsam wieder, erreicht aber auch erst 2028 die alten Werte von 2021. Noch pessimistischer wird die wirtschaftliche Lage im „Stress-Szenario“ gezeichnet, das 2024 erneut negatives Wachstum bringt und erst frühestens in den 2030er-Jahren eine Erholung.

Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen aus dem Westen könnten Russlands Wirtschaft hart treffen. (Symbolbild)
Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen aus dem Westen könnten Russlands Wirtschaft hart treffen. (Symbolbild) © Galina Barskaya/Imago

„Brain Drain“ wegen Ukraine-Angriff: Hunderttausende Fachleute könnten Russland verlassen

Damit einhergehend warnen die Fachleute auch vor anderen negativen Entwicklungen wie der Abwanderung von Fachkräften in einem Ausmaß, dass man schon von „Brain Drain“ sprechen kann. So könnte etwa die IT-Branche bis 2025 rund 200.000 Arbeitskräfte verlieren. Dazu könnte gerade Unternehmen in exportstarken Branchen ein größerer Einbruch des Produktionsvolumens bevorstehen.

Eine vollständige Einstellung der Gaslieferungen nach Europa würde Russland laut dem Geheimdokument rund 400 Milliarden Rubel (etwa 6,6 Milliarden Euro) kosten und noch dazu für größere Schwierigkeiten in Sachen Infrastruktur sorgen. Auch hier müsste die Produktion zurückgefahren werden und so wären auch im Land Versorgungsengpässe nicht mehr ausgeschlossen. Im Metallsektor sehen die Fachleute die potenziellen Verluste bei umgerechnet 5,7 Milliarden Euro.

Droht Russland eine Wirtschaftskrise? Sanktionen zu Ukraine-Krieg sorgen für Probleme

Auch die fehlenden Importe könnten in Russland zu schwerwiegenden Problemen führen. Nicht nur, weil es für manche Produkte keine alternativen Quellmärkte gäbe, sondern auch, weil das Fehlen westlicher Technologien das Land in manchen Bereichen um mehrere Generationen zurückwerfen könnte. Die Wirtschaftssektoren, in denen das Fehlen westlicher Importe für die meisten Probleme sorgen könnte, seien Landwirtschaft und Maschinenbau, Flugverkehr und Warentransporte, Pharmazie und IT. (ska)

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