1. Startseite
  2. Politik

Ex-Verbündete klagt an: Putin „führt Russland in den Abgrund“

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hält einen Regenschirm in der Hand.
Steht auch in Russland vermehrt in der Kritik: Staatspräsident Wladimir Putin. (Archivbild) © Benoit Tessier/AFP

Eine ehemalige Journalistin des russischen Staats-TV gibt ihre Orden zurück. Russland werde von Putin zerstört, so die Gegnerin des Ukraine-Kriegs.

Moskau – Wladimir Putin erhoffte sich im Ukraine-Krieg einen schnellen Sieg der russischen Truppen, aber es sollte völlig anders kommen. Spätestens seit Beginn der erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensive steht der Kreml-Chef in Russland unter massivem Druck, was sich zuletzt in seiner Ankündigung der Teilmobilmachung zeigte. Nun hat eine Ex-Journalistin eines staatlichen TV-Senders den Machthaber scharf angegriffen.

Am Mittwoch (21.09.2022) teilte Zhanna Agalakova, eine frühere Mitarbeiterin des Senders Perwy kanal (zu Deutsch: Erster Kanal), mit, dass sie zwei Orden abgegeben habe, die ihr von staatlicher Seite verliehen wurden. Dazu stellte sie Bilder auf Facebook, die die Medaillen zeigen sollen. Zu sehen: den Verdienstorden für das Vaterland sowie den Orden der Freundschaft. Laut dem US-Magazin Newsweek soll Agalakova die Auszeichnungen in den Jahren 2016 und 2018 bekommen haben.

Wohin die Orden aus Russland gehen? „Moskau. Kreml. An Putin“

Daneben verbreitete sie eine handgeschriebene Notiz auf der Plattform. „Herr Präsident, Ihre Führung führt das Land in den Abgrund“, heißt es in dem Schreiben, und weiter: „Ich halte die Auszeichnungen, die ich von Ihnen bekommen habe, für inakzeptabel.“ Die Medaillen legte sie in ein Paket und schickte es in Richtung Russland. „Das habe ich auf das Päckchen geschrieben: Moskau. Kreml. An Putin“, so Agalakova.

Aus Protest gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine hatte die Redakteurin beim Ersten Kanal gekündigt – und begab sich ins Exil nach Frankreich. Im Mai sagte sie der BBC, dass die Menschen in Russland den staatlichen Medien nicht vertrauen dürften. „Schalten Sie den Fernseher aus“, mahnte sie in Bezug auf die Propaganda-Sender an, die de facto vom Kreml kontrolliert werden. Die regierungstreuen Medien seien eine „Gehirnwaschmaschine“, die Russ:innen müssten andere Informationsquellen finden.

Das reiche jedoch nicht aus. Ihren Landleuten gab sie den Rat, „ihr Herz zu öffnen“. „Der Krieg ist teuflisch. Der Krieg bedeutet Tod“, erklärte die Journalistin und fügte hinzu, dass es „unfassbar“ sei, wie erfolgreich die Staatssender die Bevölkerung zugunsten Wladimir Putins manipulieren würden.

Nicht die erste wütende Ex-Mitarbeiterin des russischen Staats-TV

Die Äußerungen Agalakovas erinnern an den Fall Marina Owssjannikowa. Die 44-Jährige hatte ebenfalls als Redakteurin beim Ersten Kanal gearbeitet, doch sie konnte die Berichterstattung über den Ukraine-Krieg nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren. Owssjannikowa schlich sich in die Hauptnachrichtensendung ihres Arbeitgebers und protestierte dort lautstark gegen die „Spezial-Militäroperation“, wie der Krieg in Russland genannt werden muss.

Die damalige Mitarbeiterin hielt ein Schild mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“ in die Kamera. Außerdem rief sie „Stoppt den Krieg!“, bevor die Live-Übertragung abbrach und ein Bericht über Krankenhäuser ausgestrahlt wurde. (tvd)

Auch interessant

Kommentare