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Putin-Verbündete streiten über Ukraine-Krieg: „Nur Russen wissen, wie man stirbt“

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Von: Christian Stör

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Dmitri Pewzow bei einer Wolhtätigkeitsveranstaltung im  Restaurant Turandot in Moskau am 7. Dezember 2021.
Der russische Schauspieler Dmitri Pewzow weiß offenbar, wie Russen sterben – am besten süß und ehrenvoll (Archivbild vom 7. Dezember 2021). © Pavel Kashaev via www.imago-images.de

Im Staats-TV des Kreml wird der Tod zur russischen Superkraft verklärt. Widerspruch wird im Keim erstickt.

Moskau – Im Ukraine-Konflikt wird an allen Fronten Krieg geführt. Vor allem das russische Staatsfernsehen ist seit Monaten mit kaum etwas anderem beschäftigt, als entsprechende Propaganda zu verbreiten. Zuletzt drohte „Putins Stimme“ Wladimir Solowjow dem Westen mal wieder mit dem atomaren Untergang.

Es geht aber auch anders. Mitunter entzündet sich im russischen Staats-TV auch ein handfester Streit über den Ukraine-Krieg. So auch in dieser Woche, als Gastgeber Andrei Norkin mit seinen Gästen über das richtige Maß an Patriotismus diskutierte. Anlass war eine Aussage des bekannten Schauspielers und Duma-Mitglieds Dmitri Pewzow, der Anfang Dezember in einer Fernsehsendung die Novelle Taras Bulba des russischsprachigen Schriftstellers Nikolai Gogol zitiert und dabei auf eine Passage verwiesen hatte, die anzudeuten scheint, dass niemand so ehrenvoll zu sterben verstehe wie ein Russe.

Russisches Staats-TV: „Niemand versteht so zu streben wie ein Russe“

Pewzow war jedenfalls begeistert und verklärte den Tod auf dem Schlachtfeld zur russischen Superkraft: Entscheidend sei nicht, dass man sterbe, sondern wie und wofür. Zwar seien die russischen Verluste im Ukraine-Krieg traurig und beängstigend, aber „kein Land der Welt hat so viele Heilige“. Das sei „wahrscheinlich unsere Stärke“ und unterscheide Russland vom Rest der Welt.

Moderator Norkin verteidigte Pewzow und argumentierte, es sei wichtig, stolz auf die russische Herkunft zu sein. „Wir leben und sterben nicht wie andere Menschen. Wir sind anders. Wir haben andere Prinzipien und Werte.“

Dem stimmte Ballettchoreograf Dmitri Tomilin zu, der sich dabei an den Satz des römischen Dichters Horaz erinnert haben mag, wonach es süß und ehrenvoll sei, fürs Vaterland zu sterben („Dulce et decorum est pro patria mori“). Es gehe überhaupt nicht um den Tod als solchen, sagte Tomilin, im Glanz der Herrlichkeit zu sterben sei nämlich etwas Schönes, nein, es gehe um das Sterben für das Vaterland: „Es geht um einen Tod für dein Land, für Russland. Du musst Russland lieben.“

Spott für Widerspruch im russischen Staats-TV

An dieser Stelle mischte sich der Oppositionspolitiker Boris Nadeshdin in die Debatte ein. Der frühere Abgeordnete der Staatsduma argumentierte, dass diese hehre Todesrhetorik Russland nur schade. All diese Erhabenheit habe dazu geführt, dass Russland in Imperialismus und Chauvinismus zurückgefallen sei. Während seiner gesamten Karriere habe er versucht, sich dieser Ideologie zu widersetzen. „Wir hören wieder Reden, dass nur Russland spirituell ist, nur Russland Kameradschaft hat, nur Russen wissen, wie man stirbt“, so Nadeshdin, um dann dem Gesprächskreis noch einen Rat mit auf den Weg zu geben: „Entspannt euch mal.“

Offenbar entspannte sich aber niemand. Jedenfalls wurde Nadeshdin danach von den anderen Gästen aufgefordert, doch bitte ruhig zu bleiben. Und als er noch einmal zu erklären versuchte, dass auch andere Nationen das Gleiche wie die Russen schätzten, wurde er wiederholt verspottet. Zum schlechten Schluss setzte Moderator Norkin noch eins obendrauf und erklärte mal so nebenher, dass man Nachsicht mit Nadeshdin haben müsse, da er halt „ein Jude aus [dem usbekischen] Buchara“ sei. (cs)

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