1. Startseite
  2. Politik

„Uns zum Sieger erklären“ – In Russlands Staats-TV wird von neuer Weltordnung fantasiert

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Der Ukraine-Krieg geht unvermindert weiter. Doch Russland ist sich bereits seines Sieges sicher und diskutiert über eine neue Weltordnung.

Moskau – Die Lage im Ukraine-Konflikt ist angespannt, besonders im Osten des Landes wüten nach wie vor heftige Kämpfe. Doch während in der Ukraine weiterhin Krieg tobt, philosophieren russische Propagandisten im russischen Staats-TV bereits über den Aufbau einer neuer Weltordnung. Zudem forderten sie „weitere Wahleinmischungen“ und „erklären sich zum Sieger“, schrieb Daily Beast-Kolumnistin Julia Davis beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Mit den geplanten Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg, würden die westlichen Verbündeten versuchen, den Konflikt mit Russland zu verlängern, erklärte Henry Sardaryan, Dekan für Politikwissenschaften am Moskauer Institut für Internationale Beziehungen, im russischen Staats-Fernsehen Rossija 1. „Sie verstecken es nicht einmal“, sagte Sardaryan in die Talkshow-Runde.

News zum Ukraine-Krieg: Russland will in EU-Wahlen mitmischen

Angesichts dessen forderte Sardaryan sich in bevorstehende Wahlen in Europa einzumischen. „Haben wir ein klares Konzept und eine klare Vorstellung davon, wer für uns interessant ist, wen wir fördern werden? Wer wird dort unsere Interessen vertreten?“, fragte der Dekan, ohne die Antwort der anderen Talkshow-Gäste abzuwarten.

„Wenn wir eine Vorstellung davon haben, können wir ihnen Schaden zufügen. Ihr Lebensstandard wird sich dadurch verschlechtern“, ergänzte Sardaryan. Er ist sich sicher, dass sich die Menschen in einem solchen Moment eine andere Regierung wünschen werden. Deutschland sei dafür ein „Paradebeispiel“. Die Zustimmungswerte der Bundesregierung seien bereits stark gefallen.

Ukraine-Krieg: Russischer Propagandist schlägt „aggressivere Strategie“ vor

„Wir haben unsere eigenen Interessen“, betonte Sardaryan. Und um diese durchzusetzen, nehme man „jeden Preis in Kauf.“ Er schlägt dahingehend eine „aggressivere Strategie“ vor. Initiativen wie die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Feuerpause zum orthodoxen Weihnachtsfest hätten Kiew verunsichert und Panik verursacht. Auch Andrey Bezrukov, ehemaliger KGB-Agent, würde eine „pro aktivere“ Politik der russischen Führung begrüßen. „Wir sollten uns schon jetzt zum Sieger erklären“, so Bezrukov.

Während Rettungskräfte die Trümmer nach einem russischen Raketenangriff in Dnipro beseitigen, fantasieren russische Propagandisten über den Aufbau einer neuen Weltordnung.
Während Rettungskräfte die Trümmer nach einem russischen Raketenangriff in Dnipro beseitigen, fantasieren russische Propagandisten über den Aufbau einer neuen Weltordnung. © Ukrinform/dpa

In der Ukraine tobt Krieg – und Russland spricht von neuer Weltordnung

Deshalb solle Russland mit dem Wiederaufbau einer neuen Welt beginnen – allem voran die Wiederherstellung der Integrität der russischen Bevölkerung. Bezrukov zufolge solle man zurück zum historisch russischsprachigen Raum zurückkehren, der in etwa die damalige Sowjetunion umfasse. Über die darin geltenden Regeln und Prinzipien müsste nun mit Russlands Verbündeten wie Indien diskutiert werden – „nicht nur hinter verschlossenen Türen.“

Im russischen Staats-TV werden Putins Narrative immer wieder aufgegriffen. RT-Chefin Simonjan offenbarte kürzlich, wie Russland seine Desinformationen trotz Sperren weiter verbreitet. Der Westen verurteilt den Angriff auf die Ukraine und die völkerrechtswidrige Annektierung ukrainischer Gebiete. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Willen zur vollständigen Befreiung aller russisch besetzten Gebiete bekräftigt. „Wir werden alles Mögliche und Unmögliche, Erwartete und Unerwartete tun, damit unsere Helden alles haben, was sie brauchen, um zu gewinnen“, sagte der Staatschef Ende Dezember in einer Videoansprache. (kas)

Auch interessant

Kommentare