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Nach Inhaftierung des Oppositionellen

Russland: Hunderttausende protestieren für Nawalny - viel Gewalt, etliche Festnahmen

  • vonSebastian Richter
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  • Mirko Schmid
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Nach der Verhaftung von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny regt sich auf den Straßen Russlands der Widerstand. Die Behörden greifen gewaltsam durch.

  • Kreml-Kritiker Alexej Nawalny sitzt erneut in Haft.
  • Demonstrationen gegen Russlands Präsident Wladimir Putin werden gewaltsam niedergeschlagen.
  • Hunderttausende Protestler sind auf die Straße gegangen.

Update vom 24.01.2021, 08:35 Uhr: Die Inhaftierung von Alexej Nawalny hat in Russland hunderttausende Demonstranten auf die Straße gebracht. Allein in Moskau und St. Petersburg haben nach Schätzungen von Journalisten rund 20.000 Menschen demonstriert, insgesamt ist aus Kreisen um den Kreml-Kritiker Nawalny von 250.000 bis 300.000 Teilnehmern in ganz Russland die Rede. Die Polizei griff hart durch, um die Proteste aufzulösen, nach Angaben der Nichtregierungsorganisation „OWD Info“ seien im ganzen Land über 2.500 Personen festgenommen worden. 40 Polizisten wurden verletzt, heißt es aus Moskau.

Die Demonstranten folgten einem Aufruf Nawalnys, gegen den Präsidenten Wladimir Putin zu protestieren. In etwa hundert Städten folgten Menschen der Aufforderung. Teilnehmer riefen „Putin - Dieb!“, „Nawalny - wir sind bei dir!“, und „Freiheit für die politischen Gefangenen!“. Es sind die größten Proteste in der jüngeren Geschichte Russlands, die letzten Demonstrationen 2012 und 2019 beschränkten sich vor allem auf Moskau. Für den Herbst sind Parlamentswahlen geplant, die Kreml-Partei „Geeintes Russland“ hat massiv an Unterstützung verloren.

Proteste in Russland – Kritik am Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten

Gegen die Maßnahmen der Polizei regt sich weltweit Kritik. Die US-Regierung verurteilte das „harsche Vorgehen“ der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten und Journalisten scharf. Sie rief die russischen Behörden auf, „all diejenigen freizulassen, die ihre universellen Rechte ausgeübt haben“. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrel kritisierte auf Twitter die massenhaften Festnahmen und den „unangemessenen Einsatz von Gewalt“. Die EU-Außenminister wollen am Montag über die nächsten Schritte diskutieren, schrieb Borrel weiter.

Die russische Regierung warf derweil Diplomaten der Vereinigten Staaten vor, sich in die Massenproteste aktiv eingemischt zu haben. Die Botschaft der USA in Moskau soll Marschrouten für die Anhänger Nawalnys veröffentlicht haben, schrieb die Außenamtssprecherin Maria Sacharowa auf Facebook.

Die Polizei geht hart gegen die Demonstranten in Russland vor.

Erstmeldung vom 23.01.2021, 16:06 Uhr: Moskau - Die Anhängerschaft des kürzlich wieder einmal inhaftierten Alexej Nawalny trommelt in den sozialen Medien für den russischen Oppositionellen. Und der Protest steht kurz davor, in Tumulte umzuschlagen. Auf den Straßen des weltweit größten Flächenlandes regt sich der Widerstand, Aufrufe zu Demonstrationen fluten die russischen Timelines. In der Region Ost-Chabarowsk sah sich die Polizei bereits gezwungen, Demonstrationen aufzulösen.

Wladimir Putin beobachtet die Entwicklungen um seinen schärfsten Kritiker Alexej Nawalny genau.

Nawalny bezeichnet Regierung um Wladimir Putin als „feudal“ und „voller Gaunern und Dieben“

Der bekannteste Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin wurde am Montag (18. Januar 2021) in Moskau festgenommen. Bei seiner Rückkehr wurde er sofort in Gewahrsam genommen und in einem Eilverfahren wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen für schuldig befunden. Alexej Nawalny selbst spricht von einem „erfundenen“ Fall, der ihn zum Schweigen bringen soll.

Mehr als 60 Millionen Menschen haben inzwischen ein aktuelles Video Nawalnys angeklickt, das einen angeblichen Luxuspalast des russischen Präsident Wladimir am Schwarzen Meer zeigt. Der Kreml bestreitet, dass das Anwesen dem Präsidenten gehört. Die von Alexej Nawalny getragene Anti-Korruptions-Stiftung (FBK) hat Millionen von Anhängern in den sozialen Medien angezogen. Zur Mobilisierung nutzt die Stiftung unter anderem raffiniert produzierte Videos, welche Korruption in großem Maßstab nachweisen sollen. Die Regierung um Wladimir Putin bezeichnet Nawalny als „feudal“ und voller „Gaunern und Dieben“.

Nach Nawalny wurden nun auch Verbündete des Kreml-Kritikers inhaftiert

Nun wurden auch Verbündete des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny inhaftiert, die in den letzten Tagen zu Protesten aufgerufen hatten. Zu den am Donnerstag in Moskau Inhaftierten gehören seine Sprecherin Kira Yarmysh und einer seiner Anwälte, Lyubov Sobol. Sie müssen mit Geldstrafen oder kurzen Gefängnisstrafen rechnen.

Demonstrationen für Alexej Nawalny und gegen Wladimir Putin in Russland: Die Straße regt sich.

Frau Sobol, Mutter eines kleinen Kindes, wurde später freigelassen. Frau Yarmysh hingegen ist seit mehr als einer Woche inhaftiert. Prominente Nawalny-Aktivisten werden außerdem in den Städten Wladiwostok, Nowosibirsk und Krasnodar festgehalten.

Fall Nawalny: In mehr als 60 russischen Städten sind Kundgebungen gegen Wladimir Putin geplant

Für Samstag (23. Januar 2021) sind in mehr als 60 Städten Russlands nicht von der Regierung genehmigte Kundgebungen geplant. Die Moskauer Polizei gibt an, nicht autorisierte Demonstrationen und Provokationen sofort „unterdrücken“ zu wollen. In der Region Chabarowsk sollen tausend Menschen auf die Straße gekommen sein, von denen einige bereits inhaftiert worden sein sollen, berichtet die englische Nachrichtenanstalt „BBC“.

Alexej Nawalnys Ehefrau, Julia, die gemeinsam mit dem Kreml-Kritiker nach dessen Behandlung in Deutschland infolge einer Vergiftung nach Russland zurückgereist war, gibt sich kämpferisch. Sie werde in Moskau „für mich, für ihn, für unsere Kinder, für die Werte und Ideale, die wir teilen“ demonstrieren. Auch sie wurde nun am Rande der Demonstrationen vom 23. Januar 2021 festgenommen. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © KIRILL KUDRYAVTSEV

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