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Machtverlust im Kreml? Putin steht zwischen den Stühlen – und muss schlichten

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Von: Lucas Maier

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Putin scheint im Kreml einen immer schwereren Stand zu haben. Der Moskauer Machthaber hat immer mehr Probleme, die internen Machtkämpfe zu kontrollieren.

Moskau – Wladimir Putin inszeniert sich und seine Macht gerne als unantastbar. Details eines Experten sehen die Machtfigur im Kreml jedoch in einer weitaus schwierigeren Lage, als es häufig den Anschein macht, wie das US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet. Es fällt ihm demnach immer schwerer, zwischen den eigenen Militärs und seinen Verbündeten zu schlichten.

Der Chef einer Söldnertruppe und der Diktator Tschetscheniens bringen den Ex-KGB-Mann zunehmend in Bedrängnis. Immer wieder kritisieren sie das Vorgehen von Russland im Ukraine-Krieg offen und direkt. Das traut sich sonst fast niemand in Russland.

Russland: Putin gerät in seinen Machtstrukturen immer mehr unter Druck

Der Konflikt zwischen den Vertretern des russischen Militärs und den Verbündeten von Wladimir Putin, scheint immer größer zu werden, berichtet auch der US-Sender CNBC. „Das Russland schnell zu einem Failed-State“ werden könne, zeige das steigende Kritiklevel, welches der Tschetschenen Führer und der Chef der Wagner-Gruppe, dem Verteidigungsministerium von Russland momentan entgegen bringen, erklärte Vlad Mykhnenko, eingangs erwähnter Experte, gegenüber Newsweek.

Wladimir Putin
Wladimir Putin: Allein im Regen? © Sergei Bobylyov / AFP

An der Universität von Oxford ist Mykhnenko ein Fachmann für post-Kommunistische Transformationen im Osten von Europa, sowie in den Ex-Sowjetstaaten. Hauptkritikpunkt von Yevgeny Prigozhin, dem Gründer der Wagner-Gruppe, und Ramzan Kadyrov, dem Führer der Tschetschenen, ist die militärische Strategie im Ukraine-Krieg.

Ukraine-Krieg: Immer mehr stärkere Kritik an dem militärischen Vorgehen Russlands

Zuletzt forderte Kadyrov beispielsweise den Einsatz von Atomwaffen, um den russischen Truppen einen militärischen Vorteil zu verschaffen. Dass sich Prigozhin und Kadyrov derzeit Seite an Seite in der Kritik gegen Putin zeigen, könnte laut dem Experten Mykhnenko darauf hindeuten, dass sich im Kreml der Wind der Macht dreht, berichtete Newsweek.

Macht in Russland: Im Kreml kommt Putin immer mehr ins Straucheln.
Putin (l.) und Kadyrow (r.) im Kreml. © Alexei Druzhinin/dpa

Welchen Einfluss die beiden Männer in Moskau haben, zeigt sich nach ihrer Kritik an General Alexander Lapin, dem ehemaligen Leiter der „zentralen“ russischen Streitkräften in der Ukraine. Kadyrov unterstützte die Kritik von Prigozhin, in dem er am vergangenen Mittwoch (26. Oktober) auf Telegram „taktische und personelle Veränderungen“ forderte.

Söldner-Chef und Diktator Hand in Hand: Ihr Vorgehen zeigt Wirkung

Hintergrund für die Kritik an dem Befehlshaber war die Niederlage von Lyman, für welche die beiden Militärs, Lapin verantwortlich machten. Die erste Zeitung soll nach Angaben von Newsweek, bereits am Samstag (29. Oktober), also nur drei Tage nach der öffentlichen Kritik, von der Absetzung Lapins berichtet haben. Später wurde dies auch von der staatlichen Medienagentur Ria Novosti bestätigt.

Das Institute for the Study of War (ISW), eine US-amerikanische Denkfabrik, stellte mittlerweile fest, dass Prigozhin seine Bemühungen verstärken würde, in Russland als politische Kraft Fuß zu fassen. „Der Kreml und sein Herrscher erlauben einzelnen Warlords, über den Formalitäten der russischen Gesetze zu stehen, nachdem sie das legitime staatliche Monopol über die Mittel der Gewalt verloren haben“, ordnete der Experte Mykhnenko die Entwicklungen im Kreml gegenüber Newsweek ein. (lm)

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