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Wagner-Chef Prigoschin wird gefährlich mächtig – nicht nur für Russland?

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der russische Regimegegner Chodorkowski warnt vor der Gruppe Wagner. Was hat der Gründer und Putin-Vertraute Prigoschin vor?

Moskau – Der Einfluss der Gruppe Wagner wächst nach Einschätzung des prominenten Regimegegners Michail Chodorkowski mit Andauern des Ukraine-Konflikts weiter an. Der Gründer der berüchtigten Söldnertruppe verfüge mittlerweile über die gleiche Machtfülle wie Außenminister Sergej Lawrow oder Verteidigungsminister Sergej Schoigu, berichtete Chodorkowski am Dienstag (1. November) bei einer Anhörung im britischen Parlament.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin stehe Russlands Präsident Wladimir Putin so nah, dass er sogar Begnadigungen im Namen des Präsidenten unterzeichnen dürfe. Dadurch habe er die Möglichkeit, Straftäter aus den Gefängnissen zu holen, „unabhängig von der Schwere der Verbrechen“, erklärte der in Ungnade gefallene russische Oligarch vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten.

Russland: Wagner rekrutiert Häftlinge für Ukraine-Krieg

In den vergangenen Wochen waren Berichte publik geworden, dass Wagner Insassen russischer Gefängnisse für den Krieg rekrutiert. Ein Video zeigte Prigoschin, wie er zu Gefangenen sprach. Er warnte sie davor, dass der Ukraine-Krieg schwerer sei als in Tschetschenien. Zugleich gab er bekannt, dass schon Häftlinge auf russischer Seite im Einsatz seien. „Die ersten Gefangenen, die mit mir gekämpft haben, waren am 1. Juni beim Sturm des Wärmekraftwerks Wuhlehirsk dabei. 40 Leute aus Piter (St. Petersburg), Schwerverbrecher, rückfällig“, sagte er.

Jewgeni Prigoschin bei der Beerdigung der russischen Journalistin Darya Dugina im August 2022
Jewgeni Prigoschin bei der Beerdigung der russischen Journalistin Darya Dugina im August 2022. © Vyacheslav Prokofyev/imago

Laut Chodorkowski sei Prigoschin in Russland ungewöhnlich mächtig. „Das ist ein sehr hohes Maß an Einfluss“, sagte er. Der ehemalige Chef des russischen Ölkonzerns Yukos fügte hinzu, dass er davon ausgehe, dass die Gruppe Wagner zukünftig auch in weiteren Teilen Europas eingesetzt werden könnte.

Westen hat „den Feind stark unterschätzt“

Er kritisierte die westlichen Regierungen dafür, dass sie die Gefahr, die von der Gruppe ausgehe, zu langsam erkannt hätten. Schon lange sei bekannt, dass Wagner in Afrika an der „Vorbereitung und Ausbildung“ von militärischen Einheiten und Milizen beteiligt sei – doch der Westen habe nicht entsprechend gehandelt. „Dies hätte damals große Besorgnis und eine große Reaktion hervorrufen müssen“, erklärte Chodorkowski und klagte an, dass man „den Feind stark unterschätzt“ habe.

Chodorkowski hat eine bewegte Biografie: Einst war er der reichste Mann Russlands, Chef des heute insolventen Ölgiganten Yukos. 2003 wurde er wegen Steuerhinterziehung verhaftet und kam ins Gefängnis. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem politisch motivierten Urteil. Zwischen Wladimir Putin und dem Unternehmer war vor seiner Verhaftung ein Streit über Korruption ausgebrochen, außerdem setzte Chodorkowski sich für freiheitliche Werte in Russland ein. Heute lebt er mit seiner Familie in Großbritannien. (tvd)

 

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