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Putins Stimme fordert in Russlands Staats-TV Atomtests – Militärexperte widerspricht

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Von: Nadja Austel

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Propagandist Solowjow fordert demonstrative „Tests“ der russischen Atomwaffen – und zwar auf europäischem Gebiet. Ein Militärexperte äußert unerwartet Widerspruch.

Moskau – Der russische Propaganda-Star im Staats-TV, Wladimir Solowjow, äußerte sich in jüngster Vergangenheit immer häufiger und immer extremer zur Verwendung russischer Atomwaffen. Den Ukraine-Krieg glorifiziert er zum „Heiligen Krieg“ und sollte Russland ihn nicht gewinnen, werde der Westen in einem Atomkrieg „zu Asche zerfallen“, so der Moderator erst kürzlich. 

Nun fordert er in seiner TV-Sendung im Staatsfernsehen Russlands nicht nur Tests der russischen Atomwaffen als Machtdemonstration, sondern gar nukleare Präventivschläge. Es sei nicht die Zeit, der Welt Angst einzujagen, sondern „ihr ins Gesicht zu schlagen“. Russland sei auch im Kampf mit der Nato, sagte einer seiner Gäste. Das könne man so festhalten. Die Runde stimmt zu – teilweise. Widersprochen wird jedoch nicht.

Russland: Putins Stimme will nukleare Präventivschläge – Militärexperte gibt Kontra

Bei der Wiederaufnahme von Atomtests sind sich die Diskussionsteilnehmer größtenteils einig. Moderator Solowjow, der dank seiner Propaganda-Leistungen für Präsident Wladimir Putin auch „Putins Stimme“ genannt wird, ging noch einen Schritt weiter: „Ich bin für einen Präventivschlag“, sagte er, und erntete auch hierfür teilweise Zustimmung seiner Gäste. Doch ein geladener Militärexperte störte das Spektakel, indem er „unerwartet den gesunden Menschenverstand walten lässt“, wie die Journalistin und Russland-Expertin Julia Davis auf Twitter schreibt.

Evgeny Buzhinsky hatte bereits zu den Tests nuklearer Waffen angemerkt, dass sie nicht nötig seien. Solcherlei Tests würden nur durchgeführt, wenn neue Atomwaffen entwickelt werden, um ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen. Da jedoch keine neuen nuklearen Waffen produziert würden, gebe es auch keinen Grund für Tests, so der Militärexperte. Man habe für die älteren Atomwaffen Computersimulationen, die zu 100 Prozent zuverlässig seien und ausreichen würden. 

„Die Amerikaner machen das auch so“, sagt Buzhinsky und fügte hinzu: „Im Übrigen, was die Amerikaner nicht tun: Wir produzieren und vernichten und produzieren und vernichten [Atomwaffen], die Amerikaner produzieren gar keine. Sie haben Pantex [Anlage zur Endfertigung von Kernwaffen der USA] geschlossen“.

Russland soll Atomwaffen testen – an Frankreich oder Großbritannien

Solowjow entgegnete daraufhin, da habe er doch gerade den Grund geliefert, warum Russland wieder Atomwaffentests durchführen müsse: „Um neue Waffen zu entwickeln“. Ein weiterer Gast der Sendung, Duma-Mitglied Andrey Gurulyov, schloss sich Putins Stimme an: „Wieso sollten wir keinen neuen Atomwaffen entwickeln?“ Militärexperte Buzhinsky räusperte sich und sah an die Decke, während Gurulyov fortfährt: Mit konventionellen Waffen habe Russland schließlich keine Chance gegen die Nato. Man könne sich zwar verteidigen, aber nicht „gegen die Nato vorgehen und gewinnen“. Dafür benötige man Atomwaffen.

„Putins Stimme“ Wladimir Solowjow
„Putins Stimme“ Wladimir Solowjow kann nicht verstehen, dass es Trump bei der US-Wahl 2024 noch einmal wissen will. © Julia Davis/Russian Media Monitor (Screenshot)

Die Runde äußert daraufhin Zustimmung. Ein Präventivschlag sei nötig. Gegen Frankreich. Oder Großbritannien. Das würde alle anderen abschrecken. Von Frankreich sei nach einem Nuklearschlag Russlands nichts mehr übrig. „Dann werden sie alle ihren Schwanz einziehen und niemand wird sich mehr einmischen wollen“, so Gurulyov. „Damit sie ein für alle Mal Ruhe geben“, forderte sein weiterer Gast.

„Eine Illusion“: Russland kann den Westen nicht mit Atomwaffen abschrecken

Militärexperte Buzhinsky unterbricht die Tirade der Runde mit dem Ausruf: „Wir feuern einfach eine Atomwaffe, keine Frage, alle gehen in den Himmel – mir ist das egal, ich bin der Älteste hier, aber was ist mit euch?“ Moderator Solowjow bat ihn schließlich um seine Meinung zu einem nuklearen Präventivschlag. „Ein isolierter nuklearer Schlag ist eine Illusion“, sagte der Experte daraufhin, „es kann keinen begrenzten atomaren Krieg geben. Es wäre eine globale Katastrophe und die absolute gegenseitige Vernichtung – von den USA, Russland, mit seinem gesamten Staatsgebiet.“ 

Und weiter: „Zu denken, dass Russland demonstrativ Atomwaffen einsetzen könnte, um den Westen abzuschrecken – dass alle die Hände hochnehmen würden und sagen ‚Das war’s!‘ – (…) das wird nicht passieren“. Es sei daher „unverantwortlich“ über demonstrative Atomschläge zu sprechen, so Buzhinsky. (na)

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