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„Ein sowjetisches Wunder“: Russlands Staats-TV glorifiziert Ukraine-Krieg

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Von: Nail Akkoyun

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Eine sowjetische Flagge vor dem Spasskaya-Turm des Moskauer Kremls. (Archivfoto)
Eine sowjetische Flagge vor dem Spasskaya-Turm des Moskauer Kremls. (Archivfoto) © Vladimir Gerdo/Imago

Die Sowjetunion ist längst Geschichte, soll laut russischen Staatsfernsehen aber „immer weiter existieren“ – und auch den Ukraine-Krieg legitimieren.

Moskau – Dass Wladimir Putin der Sowjetunion hinterhertrauert, ist nichts Neues. Doch nun wird auch im russischen Staatsfernsehen über das Verschieben von Grenzen gesprochen und die Vergangenheit durch die rosarote Brille betrachtet. Da ist es wenig verwunderlich, dass plötzlich mehr denn je versucht wird, den russischen Überfall auf die Ukraine in einem historischen Kontext zu bewerten.

In einem Beitrag der Russia-1-Sendung „Der Abend mit Wladimir Solowjow“ sprach der namensgebende Propagandist mit Geschichtsprofessorin Jelena Ponomarjewa über die Errungenschaften der Sowjetunion. Es sei „bezeichnend“, dass der Ukraine-Krieg zum hundertsten Jahrestag der UdSSR-Gründung im Jahr 1922 begonnen habe. Ein Ausschnitt wurde von der Journalistin Julia Davis über ihren Russian Media Monitor getwittert.

Russisches Staatsfernsehen sehnt sich nach Sowjetunion: „Wird immer existieren“

Die Sowjetunion sei „eine gerechte Nation der Völker gewesen“ – ein Projekt, welches der Westen noch immer „nicht verzeihen“ würde, sagte Ponomarjewa. Der Westen könne „sich nicht damit abfinden, dass alle unsere Errungenschaften und Durchbrüche wirklich ein sowjetisches Wunder waren.“ In der Gegenwart versuche man, unter anderem mit der „militärischen Spezialoperation“ im Nachbarland, die „Fehler und Probleme im Kern dieses Projekts […] mit Blut, Schmerz und Tränen zu überwinden“.

Pathetisch wurde es dann, als die Geschichtsprofessorin vom Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) erklärte, dass die Sowjetunion weiterhin „existiert und immer existieren wird, solange wir an sie denken“. Anschließend unterbrach sie Moderator Solowjow und sagte mit dramatischer Miene: „Die UdSSR ist mein Mutterland.“ Schließlich habe er „einen Eid geschworen“. In derselben Sendung bezeichnete Solowjow das Leben als „überbewertet“, als es um russische Soldaten im Ukraine-Kriegs ging.

Ein weiterer Diskussionsteilnehmer, der Politikwissenschaftler Sergej Michew, beklagte, dass viele Schüler:innen und Student:innen die Karte der UdSSR und die Veränderungen der russischen Gebiete in den letzten 100 Jahren kaum kennen würden. Daraufhin warf er den abenteuerlichen Vorschlag in den Raum, auf den Karten Russlands die alten Grenzen der Sowjetunion darzustellen. „Dann wird von Kindesbeinen an klar sein, warum wir in diesen Ländern Einfluss haben.“ (nak)

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