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Polizei nimmt Investigativ-Journalisten in Moskau fest.

Polizeigewalt in Russland

Polizeigewalt gegen Journalist Iwan Golunow

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Moskaus Polizei verrennt sich im Fall Golunow.

Die Polizisten ignorierten seine Forderungen nach einem Anwalt, er landete auf dem Boden, ein Beamter stellte ihm den Fuß auf die Brust, ein anderer schlug ihm die Faust ins Gesicht. Ärzte notierten später mehrere Blutergüsse, eine Rippenprellung auch. Am Donnerstagnachmittag wurde Iwan Golunow, 36, Journalist des Portals Meduza, in Moskau als mutmaßlicher Drogenhändler festgenommen. Ihm drohen zehn bis 20 Jahre Gefängnis. Aber am Samstag verhängte der Haftrichter nur Hausarrest – offenbar unter dem Eindruck breiter Solidarität für den Journalisten.

Willkür und Misshandlungen durch die russische Polizei sind nicht selten, sagen Menschenrechtler. Einer Umfrage unter 209 russischen Rauschgiftsüchtigen zufolge scheint es üblich, dass Polizisten Verdächtigen Drogen unterschieben, um sie erpressen oder verurteilen zu können.

Mahnwache vor der Polizeizentrale - Dutzende Festnahmen

Auch Golunow versichert, man habe ihm Rauschgift zugesteckt. Nach Angaben der Ermittler trug er 3,56 Gramm Mephedron bei sich, in seiner Wohnung habe man 5,42 Gramm Kokain und eine Waage sichergestellt. Zwar stellte sich heraus, dass nur eines von neun Polizeifotos tatsächlich in seiner Wohnung gemacht wurde. Und am Montag wurde bekannt, dass die Polizeiexperten unter den Fingernägeln des „Dealers“ keine Drogenspuren entdecken konnten.

„Wenn er Kleinunternehmer oder Kiez-Aktivist gewesen wäre, hätte die breite Öffentlichkeit solche Widersprüche kaum bemerkt“, schreibt die Massenzeitung „Moskowski Komsomoljez“. Im Laufe des Freitags begannen Golunows Kollegen eine Mahnwache vor der Polizeizentrale, Dutzende wurden festgenommen. Am Samstag versammelten sich dann Hunderte vor dem Gericht, wo Golunows Haftprüfungstermin anstatt. 

„Russia Today“ unterstützen offen den Gefangenen

7578 Journalisten unterschrieben einen offenen Brief für seine Freilassung. Eine Online-Petition dazu hatte bis Montagnachmittag mehr als 140 000 Unterzeichner. Auch kremlnahe Prominente wie TV-Moderator Wladimir Posdner und Margarita Simonjan, Chefredakteurin von „Russia Today“, unterstützen offen den Gefangenen. Für Mittwoch organisieren Journalisten einen Protestmarsch in Moskau.

Seine Redaktion sagt, Golunow sei zuletzt an einer Geschichte über die Moskauer Friedhofsmafia dran gewesen und wurde deshalb wiederholt bedroht. Es war nicht seine erste Recherche über korrupte Bestattungsinstitute und deren Komplizen in Behörden und Sicherheitsorganen. Der Enthüllungsreporter Pawel Kanygin von der „Nowaja Gaseta“ vermutet „eher rangniedrige Polizeioffiziere“ hinter dem Vorgang: „Wie sie dabei mit einem der angesehensten Journalisten Moskaus umgesprungen sind, zeugt von wenig Hirn.“ Selbst regimetreue Intellektuelle würden da nicht mehr stillhalten wollen. „Das System schießt jetzt instinktiv Sperrfeuer, um seine bloßgestellten Mitglieder zu decken.“

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