1. Startseite
  2. Politik

Putin verrät überraschend den russischen Langzeitplan

Erstellt:

Von: Sandra Kathe

Kommentare

Wochenlang hieß der Angriffskrieg auf die Ukraine in Russland nur Militäroperation. Nun aber wandelt sich Wladimir Putins Rhetorik.

Moskau – Bei einem öffentlichen Auftritt hat der russische Machthaber Wladimir Putin die Invasion Russlands in der Ukraine mit den Geschehnissen im Großen Nordischen Krieg Anfang des 18. Jahrhunderts und sich selbst mit Zar Peter dem Großen verglichen. Das gibt laut einer Analyse des US-Senders CNN einen Einblick in die tatsächlichen Hintergründe des russischen Angriffskriegs und Putins eigene Motive hinter der sogenannten „Sonderoperation“.

So erklärte Putin vergangene Woche bei einem öffentlich inszenierten Treffen mit jungen Vertreter:innen russischer Unternehmen und Start-ups, auch Peter der Große hätte Schweden seinerzeit „nicht erobert“, sondern „nur zurückgenommen, was Russland rechtmäßig gehörte“. Mit der Erklärung, dass genau dieselbe Rolle im Ukraine-Krieg nun auch Russland zufalle, räumte Putin indirekt ein, dass es bei der Invasion nicht, wie seit Kriegsbeginn behauptet, darum gehe, zum Schutze Russlands eine militärisch neutrale Ukraine zu sichern.

Präsident Wladimir Putin: Russland sieht Ukraine als russisches Territorium

Laut Einschätzung des CNN und seinem Russland-Korrespondenten Fred Pleitgen, der die Worte des russischen Machthabers als „rhetorischen Wandel“ wertet, könne Putin mit dem Krieg die Vision eines erneuerten Zarenreichs verfolgen und Russland zu längst vergangener Stärke verhelfen wollen. Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass Russland nach einem Kriegserfolg in der Ukraine nicht davor Halt machen würde, weitere Länder anzugreifen.

Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin. © Yury Kochetkov / dpa

Besonders spannend sei dabei Putins Wortwahl, wenn er davon spricht, Territorien „zurückzuholen und zu stärken“: „Damit sagt er, dass er glaubt, dass große Teile der Ukraine in Wirklichkeit russisches Territorium sind, die er einnehmen und militärisch stärken will“, interpretiert Pleitgen die Worte des Kreml-Herrschers, der angekündigt hatte, dieses Prinzip zu einer neuen Grundlage der russischen Politik machen zu wollen.

Mögliche weitere Kriegspläne von Putin: Sind neben der Ukraine auch Estland und Litauen in Gefahr?

Dass das im Fall eines russischen Siegs in der Ukraine auch andere souveräne Staaten betreffen könnte, darauf weisen laut Pleitgen auch andere aktuelle Aussagen hin. So hätte Putin selbst von einer „westlichen Region“ gesprochen, die heute auf dem Territorium des Nato-Mitglieds Estland liegt - regiert von Premierministerin Kaja Kallas. Vor solchen Entwicklungen hatte auch die Ukraine den Westen mehrfach gewarnt. Währenddessen gehen die Verhandlungen um einen Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands weiter.

Aus dem russischen Parlament, der Duma, dringen ähnliche Töne wie von Wladimir Putin. Dort gab es unlängst Versuche, eine Entscheidung aus dem März 1990 rückgängig zu machen, die Litauen als ersten Staat der ehemaligen Sowjetunion als unabhängig erklärte. Den Antrag hatte ein Vertreter der Putin-nahen Regierungspartei Einiges Russland vergangene Woche auf den Weg gebracht. (ska)

Auch interessant

Kommentare