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„Großfürstentum Moskau“ – Ukraine will neuen Namen für Russland

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Von: Nail Akkoyun

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Eine Frau fotografiert eine gestickte Landkarte von Russland auf dem Internationalen Wirtschaftsforum 2022 in St. Petersburg. (Archivfoto)
Eine Frau fotografiert eine gestickte Landkarte von Russland auf dem Internationalen Wirtschaftsforum 2022 in St. Petersburg. (Archivfoto) © Sergei Bobylev/Imago

Ein ukrainischer Diplomat schlägt vor, Russland in „Großfürstentum Moskau“ umzubenennen – der aktuelle Name sei „ohnehin gestohlen“.

Kiew/Moskau – Sergej Kyslytsya, Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen, ist für eine Namensänderung des russischen Nachbarn. Ihm zufolge kann Kiew ein Gesetz verabschieden, nach dem Russland künftig „Großfürstentum Moskau“ – in Eigensprache „Muscovy“ – heißen würde. Als Beispiel nennt der Diplomat das Land Ungarn: „Uhorshchyna (Ukrainisch); Hungary (Englisch); Ungarn (Deutsch); Węgry (Polnisch) […] Alles in allem nennt jeder die Länder so, wie er will“, schreibt Kyslytsya auf Twitter.

In seinem Tweet fragt der UN-Vertreter weiter, was die Werchowna Rada, also das ukrainische Parlament, denn darin hindern würde, Russland wieder „den historischen Namen Moskaus“ zurückzugeben. Der aktuelle Name sei „ohnehin gestohlen“, schrieb Kyslytsya weiter. Dabei bezieht er sich auf die Tatsache, dass der Name „Russland“ auf das historische Gebiet „Rus“ zurückgeht. Der erste Staat auf diesem Gebiet war die sogenannte Kiewer Rus, die ihre Wurzeln – wie der Name schon verrät – in der Ukraine und nicht in Russland hat.

Kiewer Rus: Wladimir Putin betonte einst die russisch-ukrainische Vergangenheit

Seinem Tweet hat Sergej Kyslytsya auch eine Umfrage hinzugefügt, in der Leserinnen und Leser über den Vorschlag abstimmen können. 21 Stunden nach dem Tweet hatten 98 Prozent für Ja und zwei Prozent für Nein gestimmt. Insgesamt nahmen bislang 15.565 Menschen an der nicht völlig ernstzunehmenden Erhebung teil (Stand: 30. November, 13.00 Uhr).

Im Juli veröffentlichte Russlands Präsident Wladimir Putin den Aufsatz „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“. Darin beschwört er geschichtliche, kulturelle und mentale Gemeinsamkeiten, stellt aber Staatsgebiet und Nationalität des südwestlichen Nachbarvolkes infrage. Der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform zufolge wollte Moskau damals schon die Vergangenheit „bis zur mittelalterlichen Kiewer Rus annektieren“.

Das Großfürstentum Moskau war hingegen ein russisches Teilfürstentum, welches im 14. Jahrhundert in der nordöstlichen Rus entstand und zum Mittelpunkt des Russischen Reiches avancierte. Aus der „Muscovy“ entwickelte sich später, nach der Proklamierung durch Iwan IV. im Jahr 1547, das Russische Zarenreich. (nak)

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