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Russland: Mysteriöse Todesfälle von Oligarchen sind „kein Zufall“

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Von: Lukas Zigo

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Laut dem Bankier German Gorbuntsov ist die Reihe mysteriöser Todesfälle unter russischen Oligarchen in den letzten Monaten ist „kein Zufall“.

Moskau – Eine Reihe von Mord-Selbstmorden zieht sich durch die Reihen von Top-Managern und Oligarchen aus dem russischen Öl- und Gassektor. Im Jahr 2022 hatten sich bereits sieben Personen aus diesem Kreise entweder selbst oder nach Morden an ihren Familien und/oder Kinder umgebracht. Für den russischen Bankier German Gorbuntsov ist das „kein Zufall“.

Gorbuntsov trat in einem neuen Dokumentarfilm mit dem Titel „Secrets of the Oligarch Wives“ auf, der die Partnerinnen russischer Oligarchen vorstellt und sie über ihre Erfahrungen mit dem Regime von Präsident Wladimir Putin berichten lässt. „Ein Killer entwickelt seine eigene Methode, wenn er den Auftrag erhält, eine Familie auszuschalten“, sagte Gorbuntsov laut einer englischen Übersetzung, als er über die Oligarchenmorde sprach. „Ähnliche Methoden, aber jede etwas anders – hier eine Axt, dort eine Pistole. Sie sind alle gleich tot. Einmal vielleicht, zweimal ein Zufall. Dies ist kein Zufall. Es ist kein Suizid.“

Russland: Bankier Gorbuntsov angeblich selbst Opfer eines Attentatsversuches

Bevor er über die Todesfälle unter den russischen Oligarchen sprach, schilderten Gorbuntsov und der Sprecher des Dokumentarfilms einen angeblichen Anschlag auf sein eigenes Leben. Dieser soll sich nach seiner Flucht aus Russland ereignet haben. Er verließ das Land, weil er herausfand, dass seine Geschäftspartner ihn angeblich betrogen hatten. Er sollte vor russischen Ermittlern aussagen, aber das Treffen fand nie statt, weil angeblich versucht wurde, ihn zu töten, so der Dokumentarfilm.

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht mit Außenminister Sergej Lawrow.
Der russische Präsident Wladimir Putin spricht mit Außenminister Sergej Lawrow. © imago stock&people

Seit Beginn dieses Jahres wurden bereits sieben russische Oligarchen und Top-Manager unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden, und alle bis auf einen dieser Todesfälle ereigneten sich, seit Putin am 24. Februar seinen Angriff auf die Ukraine startete. Gorbuntsov gab keinen Aufschluss darüber, warum die Oligarchen gestorben sein könnten, wenn nicht durch Suizid. Der Finanzier Bill Browder, der ebenfalls in der Dokumentation auftritt, sagte, dass die westlichen Sanktionen gegen Russland eine Rolle gespielt haben könnten.

„Seit die Sanktionen gegen Russland verhängt wurden, sieht es so aus, als sei der Kuchen geschrumpft“, sagte Browder. „Jetzt kämpft ein Haufen Leute um eine kleinere Menge Geld. Und immer, wenn die Ressourcen begrenzt sind und die Leute sehr mächtig sind, werden Menschen getötet.“ Auch vorne einem „Aufräumen“ bei Gazprom war die Rede, so könnte der Verschleierung von Straftaten dienen.

Russland: Todesfälle unter Oligarchen stets „Suizide“

Der erste und einzige Todesfall vor dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurde Ende Januar bekannt. Berichten von CNN zufolge wurde Leonid Shulman, der Leiter der Transportabteilung von Gazprom Invest, am 30. Januar in einem Badezimmer eines Hauses in der russischen Region Leningrad tot aufgefunden, offenbar durch Suizid.

Auch einige der Familien der Oligarchen waren tot aufgefunden worden. Die meisten Todesfälle unter den Oligarchen wurden Berichten zufolge als Suizide untersucht.

Obwohl er kein russischer Oligarch ist, wurde letzte Woche ein weiterer russischer Beamter mit Verbindungen zu Putin unter mysteriösen Umständen erschossen in seinem Haus aufgefunden. Der 53-jährige Vadim Zimin, der Berichten zufolge die Aktentasche mit Putins Atomwaffencodes bei sich trug, wurde von seinem Bruder „in einer Blutlache“ in seinem Haus in der Nähe von Moskau aufgefunden, berichtete die Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez.

Russland: Im Gassektor wird „aufgeräumt“

Da Putin seine Geheimprojekte durch die Gazprombank finanziert, und vor allem Führungskräfte in der Gasindustrie vermehrt die Ziele solcher Attentate sind, vermuten Experten außerhalb Russlands, dass es sich um ein „aufräumen“ möglicher Sicherheitslecks handele. Auch wurden bei vielen der „Suizide“ kurz darauf Sicherheitsleute von Gazprom vor Ort gesichtet.

„Es wird aufgeräumt, und es ist schwierig, eine einzelne Person zu bestimmen, die das tut“, sagt der schwedische Wirtschaftswissenschaftler und Autor von „Russia‘s Crony Capitalism“ Anders Aslund. „Aber für mich sieht das nach Kreml-Morden aus“, so Aslund in der New York Post. (lz)

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