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Russischer Oberst „hingerichtet“ – Witwe gibt Putin die Schuld

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Von: Nail Akkoyun

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Ein russischer Rekrut auf dem Weg zu einer Militärhochschule. (Symbolfoto)
Ein russischer Rekrut auf dem Weg zu einer Militärhochschule. (Symbolfoto) © Alexey Maishev/Imago

Ein Oberst wird von der russischen Militärführung zum Sündenbock erklärt und nimmt sich das Leben – dessen Witwe wendet sich an Wladimir Putin.

Moskau – Die Witwe von Oberst Wadim Boiko, der zu Beginn des Monats an einer der renommiertesten Marineschulen Russlands tot aufgefunden wurde, hat sich in einem Brief an Wladimir Putin gewandt – darin macht sie den Ukraine-Krieg und Probleme bei der Teilmobilisierung für den Tod ihres Ehemanns verantwortlich. Wie unter anderem die Moscow Times berichtet, war Boiko in Wladiwostok für die Ausbildung neuer Rekruten und deren Vorbereitung auf den Krieg in der Ukraine zuständig.

Die Umstände des Todes sind jedoch recht dubios: Boiko starb infolge von mehreren Schusswunden. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Kreml einen Mord wie einen vermeintlichen Suizid aussehen lassen würde – doch so weit geht Boikos Ehefrau Yulia nicht. Ihr Mann habe sich „selbst hingerichtet“.

Russland: Selbstmord eines Obersts sollte Signal an Moskau sein

Er wollte Moskau „signalisieren, dass eine Katastrophe im Gange ist, dass etwas unternommen werden muss, dass das Mutterland in Gefahr ist“, schrieb sie laut einer Kopie des Briefes, die von der lokalen Presseagentur News Wladiwostok in vollem Umfang veröffentlicht wurde.

Yulia Boikos Schilderung, dass zur Verfügung gestellte Ausrüstung für den Militärdienst „ungeeignet“ war, deckt sich mit zahlreichen Berichten über veraltetes russisches Equipment. Ihr Ehemann, der die Beschwerden der Rekruten weitergegeben haben soll, sei von seinen Vorgesetzten schlicht ignoriert worden.

Brief an Putin: Russischer Oberst wurde zum Sündenbock gemacht

„Sie werden mir zustimmen, dass, wenn militärische Ausrüstung, die viele Jahre lang als Museumsexponat verwendet wurde, nun ausgehändigt wird, um an die Front geschickt zu werden, er nicht mit einer Handbewegung die Fehler beheben kann, die jemand anderes gemacht hat“, schrieb Yulia Boiko in ihrem Brief an Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Wadim Boiko habe unter immensem Druck gelitten und sei schlussendlich von der Militärführung zum Sündenbock erklärt worden. Nachdem Boiko von Vorgesetzten mit strafrechtlicher Verantwortung für die fehlerhafte Militärausrüstung bedroht wurde, nahm er sich das Leben, hieß es weiter.

Russischer Oberst tötet sich mit Dienstwaffe: Witwe attackiert Militärführung

„Er sitzt auf dem Stuhl und gibt fünf Schüsse aus seiner Dienstwaffe ab, aber er zielt nicht auf seinen Kopf und versucht nicht, die Sache so schnell wie möglich zu beenden“, schrieb Yulia Boiko. Seine „Hinrichtung“ solle bei der russischen Führung die Alarmglocken läuten lassen. „Lassen Sie nicht zu, dass der Tod meines Mannes unbemerkt bleibt, dass all dies umsonst war“, schrieb sie und forderte Putin auf, „der Schande, die unter den Soldaten im Fernen Osten herrscht“, ein Ende zu setzen. (nak)

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Hilfe bietet auch der Krisendienst Frankfurt unter 069-611375. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.bsf-frankfurt.de.

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