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Russland: Die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet den Krieg, aber es gibt auch Gegenstimmen

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Russland ist wegen des Ukraine-Krieges gespalten – aber nicht in der Mitte. Die Mehrheit ist dafür, manche sind dagegen und äußern Mitleid sowie eigenes Leid.

Moskau – Die Menschen in Russland sind sich darüber einig, dass der Angriffskrieg – oder die „Spezialoperation“, so die offizielle russische Bezeichnung für den Ukraine-Konflikt – bald enden soll. Er dauert nun bereits seit sechs Monaten an und die Mehrheit der russischen Bevölkerung befürwortet die Offensive noch immer.

In Moskaus Stadtbild tauchen immer wieder Symbole zur Unterstützung des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine auf. An vielen Fenstern und Autos etwa klebt der Buchstabe „Z“, das Symbol der im Nachbarland kämpfenden russischen Truppen. Doch im Zentrum der Hauptstadt, wo die Menschen im Durchschnitt liberaler sind als im Rest des Landes, äußern sich viele kritisch zu dem Konflikt und seinen Auswirkungen.

Russland: Bedauern für die Menschen in der Ukraine – aber auch für sich selbst

„Mir tun die Ukrainer wirklich leid. Sie leiden ohne Grund, sie haben nichts Falsches getan“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den IT-Spezialisten Dmitri Romanenko. Gleichzeitig klagt der 35-Jährige über die Auswirkungen der Offensive auf sein eigenes Leben: „Sie hat alles zerstört, was ich mir aufgebaut habe, mein gesamtes Geschäft“, so Romanenko. „Ich habe Start-ups gegründet, aber alle acht Projekte sind jetzt im Eimer.“

Ein Plakat in Moskau mit dem Buchstaben „Z“, dem Symbol der in der Ukraine kämpfenden russischen Truppen
Ein Plakat in Moskau mit dem Buchstaben „Z“, dem Symbol der in der Ukraine kämpfenden russischen Truppen © Kirill Kudryavtsev/APF

Zwar leidet Russlands Wirtschaft weniger unter den westlichen Sanktionen als erwartet. Für viele Menschen aber haben sie den Alltag auf den Kopf gestellt: Zahlreiche Geschäfte und Markenartikel aus dem Westen gibt es nicht mehr, viele Fluggesellschaften meiden Russland, und die Inflation galoppiert.

Es sei klar, dass sich alles geändert habe, sagt auch Kunsthistorikern Valentina Bijalik der AFP. „Alles ist teurer geworden“. Viel schlimmer findet die 83-Jährige allerdings, dass sich für ihre Generation die Geschichte wiederholt: „Wir haben unsere Kindheit im Krieg verbracht. Und es ist sehr traurig, dass wir auch unser Alter im Krieg verbringen.“

Russland: Wladimir Putin schicke Truppen gegen die ukrainischen „Nationalisten“

Obwohl die „militärischen Operationen“ in weiter Entfernung von Moskau stattfänden, trauere sie um all die Menschen, die sterben, „egal, welcher Nationalität sie sind“, sagt die 83-Jährige. „Bitter“ sei zudem, dass „ein so großes Land (wie Russland) nun isoliert ist, dass jeder dieses Land hasst“.

Wie ein Großteil der Bevölkerung unterstützen aber auch viele Menschen in Moskau die Invasion. Olga Kosowa etwa findet, es sei die Pflicht aller Russen, die prorussischen Separatisten im Donbass zu unterstützen. „Wir müssen ihnen helfen, auch wenn es uns das Leben kostet“, betont die 55-jährige Krankenschwester. Ihr Sohn Wladimir, ein 33-jähriger Amateur-Paläontologe, findet, der russische Machthaber Wladimir Putin habe richtig gehandelt, als er Truppen gegen die ukrainischen „Nationalisten“ schickte – und wiederholt damit die wahrheitswidrige Propaganda des russischen Fernsehens.

Obwohl sich die russische Offensive deutlich länger hinzieht als von vielen erwartet, hat Nadeschda Schosan ebenfalls keinen Zweifel, wie der Konflikt ausgehen wird: „Am Ende wird unser Volk siegen, und es wird wieder Frieden zwischen Russland und der Ukraine herrschen – denn wir waren immer befreundete Länder“. Fast schon beschwörend fügt die 35-jährige Geschäftsführerin einer Reinigungsfirma hinzu: „Wir hoffen, dass alles bald vorbei ist. Und dass alles gut wird“. (jso/AFP)

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