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Nord-Stream 1 abgeschaltet: Turbine aus Kanada könnte Versorgung sichern

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Von: Moritz Serif, Lucas Maier

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Deutschland befindet sich beim Gas in einer „Auseinandersetzung“ mit Russland. Wird es die Turbine aus Kanada wieder hinbiegen? Habeck befürchtet das Schlimmste.

+++ 10.45 Uhr: Der russische Gasriese Gazprom hat seine Lieferungen nach Italien weiter reduziert. Die Menge sei um rund ein Drittel gefallen, teilte der italienische Energieversorger Eni am Montag mit. Italien erhält einen kleinen Teil des Erdgases aus Russland über die Pipeline Nord Stream 1, die am Montagmorgen wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde. Der größte Teil der russischen Lieferungen kommt aber über die Ukraine nach Italien.

Nord Stream 1 abgeschaltet
Die Pipeline Nord Stream 1 wurde am Montagmorgen wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. © Jens Büttner / dpa

Eni erklärte am Montag, in den vergangenen Tagen seien im Schnitt 32 Millionen Kubikmeter Gas täglich von Gazprom geliefert worden. Am Montag ging die Menge auf 21 Millionen Kubikmeter zurück. Gazprom hatte seine Lieferungen nach Italien, Österreich und Frankreich Mitte Juni reduziert. Nach Italien wurden zunächst noch 65 Prozent der angeforderten Menge geliefert. Gazprom verwies damals auf Probleme an der Nord-Stream-Verdichterstation Portovaya.

Update vom Montag, 11.07.2022, 06.30 Uhr: Am Morgen hat die schrittweise Abschaltung der zuletzt wichtigsten Verbindung für russisches Erdgas nach Deutschland begonnen. Seit 6.00 Uhr werde der Gasfluss für die langfristig angekündigten Wartungsarbeiten heruntergefahren, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Deutschen Presse-Agentur. Bis der tatsächliche Fluss komplett auf Null stehe, werde es noch einige Stunden dauern. Für den Markt seien bereits keine Lieferungen mehr veranschlagt. Laut Betreibergesellschaft sollen die Arbeiten bis zum 21. Juli dauern. In diesen zehn Tagen werde kein Gas durch die Pipeline nach Deutschland befördert. 

Gas aus Russland: Nord Stream 1 geht vom Netz.
Gas aus Russland: Nord Stream 1 geht vom Netz. (Archivfoto) © Stefan Sauer/dpa

Nord Stream 1: Proteste gegen Abschaltung aus der Ukraine

Update vom Sonntag, 10. Juli, 20.15 Uhr: Die Ukraine hat gegen die geplante Lieferung der gewarteten russischen Nord-Stream-1-Turbine von Kanada nach Deutschland protestiert. Man sei „zutiefst enttäuscht“ über die Entscheidung der kanadischen Regierung, in diesem Fall eine Ausnahme von den gegen Russland verhängten Sanktionen zu machen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung von Außen- und Energieministerium in Kiew.

„Wir fordern die kanadische Regierung auf, diese Entscheidung zu überdenken und die Integrität des Sanktionssystems sicherzustellen“, erklärte das Außen- und Energieministerium weiter.

Erstmeldung vom Sonntag, 10. Juli 2022: Montreal - Wenig wird derzeit so heiß diskutiert wie die Lieferung von Gas aus Russland. Da die derzeit wichtigste Lieferpipeline nur noch mit rund 40 Prozent Auslastung Gas liefert, wurde Ende Juni die Warnstufe im Gas-Notfallplan von Robert Habeck ausgerufen.

Am Montag (11. Juli) wird die besagte Leitung, Nord Stream 1, dann erstmal vollständig gekappt. Hintergrund sind routinemäßige Wartungen, wie die dpa berichtet. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat bereits erste Befürchtungen geäußert.

Turbine aus Kanada: Wird die Lieferung aus Montreal für mehr Gas aus Russland sorgen?

Russland könnte den routinemäßigen Stopp der Gas-Lieferungen zum Anlass nehmen, den Gashahn auch nach Abschluss geschlossen zu lassen, so Habecks Befürchtungen. Die Wartungsarbeiten sollen bis zum 21. Juli abgeschlossen sein, wie die Nord Stream AG angekündigt hat.

Die Reduzierung der Gas-Lieferungen über die 1200 Kilometer lange Pipeline hatte Russland unter anderem mit einer fehlenden Turbine begründet. Diese war zur Wartung nach Montreal (Kanada) geschickt worden und konnte aufgrund der Sanktionen, die gegen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine verhängt wurden, nicht wieder zurückgesendet werden. Das soll sich jetzt ändern.

Kanada kippt Sanktionen: Für die Turbine werden alle Hebel in Bewegung gesetzt

Die Regierung von Kanada hat mittlerweile eine Sondergenehmigung für die Ausfuhr der Turbine nach Deutschland an Siemens Energy angekündigt. Der für Bodenschätze zuständige Minister Jonathan Wilkinson begründete die Ausnahme der Sanktionen damit, dass die Alliierten nicht gespalten werden dürften.

Genau das sei es, was der russische Präsident Wladimir Putin mit seiner Energiepolitik versuchen würde. „Das können wir nicht zulassen“, sagte Wilson am Samstag (9. Juli).

Energie für Deutschland: Kanada will keine Spaltung der Alliierten

Durch die fehlende Versorgung mit Gas würde die Wirtschaft in Deutschland stark leiden. Zudem könnte es sein, dass im Winter nicht alle Haushalte geheizt werden könnten, das wolle Kanada verhindern, wie die dpa berichtet.

Europa solle „Zugang zu zuverlässiger und erschwinglicher Energie“ haben, während es sich langsam von russischem Öl und Gas löse, heißt es weiter. Aus der Sicht des Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) seien die technischen Gründe lediglich vorgeschoben, wie ihn AFP zitiert. Bei dem Vorgehen von Russland handelt es sich „um eine politische Aktion“.

Gas-Lieferung aus Russland: Mit der Turbine aus Kanada kann wieder mehr geliefert werden

Wenn die reparierte Turbine von Deutschland aus nach Russland geliefert werden würde, könne auch die Gas-Lieferung über Nord Stream 1 wieder erhöht werden, hieß es vonseiten Russlands am Samstag (9. Juli) laut dpa.

Wenn die Turbine nach der Reparatur kommt, dann erlaubt das eine Zunahme der Umfänge.

Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber der Agentur Interfax

Der Kreml wehrte sich einmal mehr gegen den Vorwurf, Gas als politisches Druckmittel zu verwenden. Kanada betonte, dass das Land trotz der Sondergenehmigung, auch weiterhin an der Seite der Ukraine stehen würde. Es würden auch weiterhin Sanktionen gegen Moskau verhängt werden. Erst zuletzt hatte Kanada seine Sanktionsliste erweitert. Auch staatliche Medienagenturen befinden sich nun darauf. (lm/mse mit dpa/AFP)

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