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Russland: Kreml-Kritik an chaotischer Mobilisierung wird lauter 

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Von: Erkan Pehlivan

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Erstmals kritisieren auch Bürokraten des Kremls die chaotische Teilmobilisierung. Viele Männer hätten gar nicht in den Ukraine-Krieg geschickt werden dürfen.

Moskau - Die Kritik an der Teilmobilisierung in Russland wird immer größer. Landesweit gibt es chaotische Szenen, wenn Männer einberufen werden. Viele der Einberufene hätte gar nicht einbezogen werden dürfen. In vielen Gebieten kommt es deswegen zu Protesten, die sich gegen den Ukraine-Krieg richten. Auch aus dem Staatsapparat kommen jetzt kritische Stimmen wegen der chaotischen Szenen bei der Teilmobilisierung auf.

Russland: Gouverneure sollen bei Einberufung keine Fehler machen

Jetzt soll die russische Regierung Abhilfe schaffen. Valentina Matwijenko, die Vorsitzende des russischen Oberhauses, sagte, ihr seien Berichte über die Einberufung von Männern bekannt, die eigentlich nicht einberufen werden dürften. „Stellen Sie sicher, dass die Umsetzung der Teilmobilisierung in voller und absoluter Übereinstimmung mit den dargelegten Kriterien erfolgt. Ohne einen einzigen Fehler“, schrieb sie an die Gouverneure des Landes.

Ähnlich äußerte sich auch Wjatscheslaw Wolodin, Sprecher der Staatsduma. „Es gehen Beschwerden ein“, sagte er. „Wenn ein Fehler gemacht wird, muss er korrigiert werden. Die Behörden auf allen Ebenen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein,“ so Wolodin in einer ähnlichen Mitteilung.

Russische Polizisten halten einen Demonstranten fest während eines Protestes gegen die russische Teilmobilisierung in St. Petersburg.
Urkaine-Krieg - Festnahmen bei Protesten in St. Petersburg © dpa

Russland: Auch regierungsnahe Journalisten kritisieren Chaos

Beschwerden über die Einberufung von falschen Männern kommt auch von kremlnahen TV-Sender RT. Die Beamten hätten die falschen Männer ausgesucht. Mit der Teilmobilisierung will der russische Präsident Wladimir Putin den ins Stocken geratenen Ukraine-Krieg absichern. Ein anderes Problem ist, dass viele Einberufene versuchen in Ausland zu fliehen. „Es wurde gesagt, dass nur Männer bis zu einem Alter von 35 Jahren einberufen werden. Es werden aber Männer bis 40 Jahre einberufen“, sagte RT, Chefredakteurin Margarita Simonyan.

Russland: Flucht ins Ausland

An der Grenze zu Georgien bilden sich kilometerlange Schlangen von Russen, die ihr Land verlassen wollen. In Kasachstan werden immer wieder Russen dabei erwischt, die versuchen, illegal ins Land zu kommen. Auch in der Türkei kommen immer mehr Russen an, die wegen der chaotischen Lage ihr Land verlassen haben.

Russland: Erste personelle Konsequenzen wegen Chaos bei Einberufung

Inzwischen gibt es offenbar die ersten personellen Konsequenzen. Der stellvertretende Verteidigungsminister General Dmitry Bulgakov hat eine neue Aufgabe bekommen. Bulgakov war für die Logistik des russischen Militärs zuständig. Seine Aufgabe wird jetzt General Mikhail Mizintsev übernehmen. Der Offizier war für die Belagerung von Maripol zuständig und wird daher „Schlächter von Mariopol“ genannt. Wegen der zahlreichen Verbrechen in der Industriestadt steht Mizintsev auf der Sanktionsliste der Europäischen Union.

Russland: Zelensky fordert Russen auf nicht zu kämpfen

Auch der ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in die Diskussion eingemischt. Selensky forderte die russischen Männer auf nicht zu kämpfen. „Es ist besser, vor dieser kriminellen Mobilisierung davonzulaufen, als verstümmelt zu werden und sich dann vor Gericht dafür verantworten zu müssen, an einem aggressiven Krieg teilgenommen zu haben“, sagte er am Samstag in einer Videoansprache auf Russisch. (Erkan Pehlivan)

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