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„Russland ist einsam und gleichzeitig nicht einsam“: Moskaus schwierige Suche nach Partnern

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Von: Stefan Scholl

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14. September 2021 im Kreml: Russlands Präsident Wladimir Putin trifft den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.
14. September 2021 im Kreml: Russlands Präsident Wladimir Putin trifft den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. © dpa

Russland hat anders als die Ukraine keine Verbündeten, die bereit wären, wirtschaftliche Vorteile zu opfern. Doch einige Partner helfen dabei, Sanktionen zu unterlaufen – allerdings eher aus Eigeninteresse.

Myanmar steht voll hinter Moskau. „Russland tut das Notwendige zur Festigung der eigenen staatlichen Souveränität“, verkündete Militärsprecher So Min Tun wenige Tage nach dem Beginn von Wladimir Putins „Spezialoperation“ gegen die Ukraine. Das Verständnis der südostasiatischen Junta ist erklärbar: Myanmar ist wie Russland eine Autokratie, kauft gerne billige russische Waffen und hat Ärger mit dem Westen und dessen Pochen auf Moral.

Russland erfreut sich in seinem Konflikt mit der Ukraine und dem Westen der Sympathien Dutzender Staaten. Aber fast allen fehlen Potenzial und Interessen, um Russland tatkräftig zu unterstützen. Der Kreml kann nur auf einzelne Unterstützer zählen. Und die kooperieren nur in Teilbereichen. In Moskaus Medien kommt der Spruch des Zaren Alexander III. wieder in Mode: „Wir haben nur zwei treue Verbündete – unsere Armee und unsere Flotte.“

Russlands Verbündete: Putin zu Staatsbesuch im Iran

Der Iran möchte Putin nächste Woche zu einem Staatsbesuch empfangen. Aber Außenminister Hussein Amirabdollahian dementierte jüngst Meldungen aus den USA, wonach sein Land Russland mehrere Hundert Aufklärungs- und Kampfdrohnen verkaufen werde. „Wir haben ein Verteidigungsabkommen mit Russland, aber wir werden keine der Seiten in diesem Konflikt unterstützen“, sagte er der italienischen Zeitung „La Repubblica“.

Weder im Iran noch in traditionell befreundeten Ländern wie Serbien werden Freiwilligenkorps organisiert, die Russland in der Ukraine einsetzen könnte. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic verbot seinen Bürger:innen sogar ausdrücklich, dort zu kämpfen.

Russlands Verbündete: Chinas Hersteller halten sich an die Sanktionen

Außer Belarus und nicht anerkannten Staaten wie Südossetien habe Russland praktisch keine Verbündeten, sagt der Moskauer Politologe Boris Meschujew. „Russland ist einsam und gleichzeitig nicht einsam. Sein Vorgehen in der Ukraine gefällt nicht, aber der Sanktionsdruck des Westens gefällt noch weniger. Der Rest der Welt weiß nicht, ob der geeinte Westen nicht demnächst ähnliche Strafmaßnahmen gegen andere Staaten verhängt.“ Russland habe jetzt viele situative Verbündete, zumindest situative Partner.

Es gibt die Türkei, die sich nicht an den Sanktionen beteiligt, angeblich sogar russisches Beute-Getreide aus der Ukraine durch den Bosporus lässt, aber auch der Ukraine Kampfdrohnen verkauft. Es gibt die OPEC-Staaten, die keine Anstalten machen, mehr Öl zu fördern, wie es die USA verlangt, um den Preis für russisches Öl zu drücken. Aber vor allem, weil sie selbst von den hohen Preisen und dem akuten Gasbedarf in Europa profitieren. Es gibt Indien: Der traditionelle Rüstungskunde Moskaus hat vom 24. Februar bis Ende Juni für 8,8 Milliarden Dollar Öl und Kohle aus Russland importiert, mehr als im gesamten Vorjahr.

Russlands Verbündete: Eiserner Zusammenhalt sieht anders aus

Auch China, neben Indien Russlands Hauptpartner in der BRICS-Gruppe der industriellen Schwellenländer und der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit, verdoppelte in den ersten drei Monaten des Ukraine-Konfliktes seine Gas-, Öl- und Kohle-Importe aus Russland auf 18,9 Milliarden Dollar. Das ist vor allem ein gutes Geschäft. Pekings Diplomatie stimmt auch im UN-Sicherheitsrat regelmäßig für Russlands Anträge. Andererseits aber halten die chinesischen Hersteller sich an die Sanktionen gegen Russland. Laut dem Peterson-Institut für Internationale Wirtschaft sanken die chinesischen Exporte nach Russland bis Ende Mai um 38 Prozent. „Ein potenzieller, teilweise realer, aber nicht immer uneingeschränkter politischer Verbündeter“ schreibt der linientreue Publizist Witali Tretjakow. Nach eisernem Zusammenhalt klingt das nicht.

Russland hat im Gegensatz zur Ukraine keine Verbündeten, die wie die Nato-Länder bereit wären, eigene wirtschaftliche Interessen zu opfern. Auch seine postsowjetischen Alliierten der „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“ machen kaum Anstalten zur Waffenhilfe. Nur Belarus stellt Putins Armee seine Straßen und Stützpunkte zur Verfügung.

Kasachstans Präsident Kassym-Schomar Tokajew saß im Juni als Ehrengast neben Putin auf der Bühne des Petersburger Wirtschaftsforums. Und sagte ungerührt, sein Land werde die prorussischen Separatistenrepubliken in der Ostukraine nicht anerkennen. In Kasachstan gibt es Befürchtungen, es könnten ebenfalls russische Truppen auftauchen – unter dem Vorwand, dort ethnische Russen zu verteidigen.

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