„Kaukasus 2020“

Russland: „Kaukasus 2020“ - Militärmanöver mit Terminator und 80.000 Soldaten

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Russland veranstaltet ein Großmanöver mit 80.000 Soldaten. „Kaukasus 2020“ wird von den Nachbarländern kritisch beobachtet.

Russland - Taugt der „Terminator“ oder nicht? Das ist eine der Fragen, auf die „Kaukasus 2020“ antworten soll. Bei dem gestern gestarteten Manöver in und um Südrussland sollen mehrere dieser noch nicht in Serie gegangenen russischen Panzerunterstützungsfahrzeuge eingesetzt werden. Der „Terminator“, wegen seines feuerkräftigen Waffenmixsystems so getauft, ist vor allem für den Häuserkampf geeignet. Es fehlt ihm aber laut dem Portal „utro.ru“ ein klassisches Kanonenrohr. Und er gilt als teuer.

Der „BMPT Terminator“, hier bei einer Militärparade in Moskau, nimmt auch am Manöver „Kaukasus 2020“ teil.

Zentrales Manöver in Russland mit 80.000 Solddaten

80 000 Soldaten nehmen an Russlands zentralem Herbstmanöver teil, 450 Schützenpanzer, 250 Panzer sowie 200 Artillerie- und Raketensysteme, außerdem Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe der kaspischen und der Schwarzmeerflotte. Laut dem Propagandaportal „Russia Today“ ist es eine Übung, um die Bekämpfung von Terror-Einheiten zu trainieren.

„Die Großmanöver der vergangenen Jahre waren antiterroristische Übungen, jetzt werden die modernen Waffensysteme eines wahrscheinlichen Feindes bekämpft“, sagte der Moskauer Militärexperte Viktor Litowkin der FR. Laut Verteidigungsminister Sergei Schoigu richtet sich die Übung gegen kein anderes Land, sondern darauf, die militärische Sicherheit im Süden Russlands zu garantieren.

Dafür nutzt man Truppenübungsplätze in den Regionen Astrachan, Wolgograd, Stawropol und Krasnodar, manövriert außerdem auf der annektierten Krim, in der georgischen Rebellenrepublik Abchasien und in Armenien.

Russland: Militärmanöver wird in Ukraine als Bedrohung wahrgenommen

Und man taktiert offensiv. „Es ist eine Luftlandung geplant und eine Operation in der Tiefe des Raumes, um den Feind zu einem für uns günstigen Waffenstillstand zu zwingen“, erläutert Litowkin. Vor allem in der Ukraine wird die Übung seit Monaten diskutiert; dort nehmen viele das russische Großmanöver nicht nur als Säbelrasseln, sondern als reale Bedrohung wahr. „Jedenfalls geht es wohl kaum um Verteidigung, wenn tausende Soldaten und hunderte Kampffahrzeuge eingesetzt werden, um ein Landemanöver zur Eroberung eines Brückenkopfes am Meeresufer zu üben“, kommentiert Oleksi Melnyk, Sicherheitsexperte des Kiewer Rasumkow-Zentrums.

Alles nur Spaß? Kinder in einem Park bei Moskau während der „Internationalen Armeespiele 2020“.

Großmanöver in Russland: Auch ausländische Soldaten nehmen teil

Melnyk verweist auch auf Erklärungen des russischen Verteidigungsministeriums, einerseits nähmen 80 000 Mann unter dem Kommando von Generalstabschef Waleri Gerassimow teil. Andererseits nur bis zu 12 900 Soldaten von Truppenteilen, die unter die Beschränkungen des Wiener Dokumentes der OSZE von 2011 fallen, das die Konzentration von mehr als 13 000 Soldaten unter einem operativen Kommando verbietet. „Die Russen versichern, sie hielten sich an ein internationales Abkommen und suchen sich gleichzeitig das an der Vereinbarung aus, was ihnen passt“.

An dem Manöver nehmen auch 1000 ausländische Soldaten teil, GUS-Bündnispartner aus Weißrussland und Armenien, außerdem Chinesen, Myanmaren und Pakistaner. Auch Aserbaidschan, Pakistan und Serbien waren eingeladen.

Russland ist offenbar bemüht zu zeigen, dass es nicht mehr isoliert ist“, sagt Melnyk. „Aber es war abzusehen, dass Indien absagt, wenn Pakistan mitmacht.“ Aserbaidschan ist heftig mit Armenien verfeindet. Das serbische Nein dagegen führen Moskauer Beobachter auf den Skandal zurück, den Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa Anfang September auslöste. Sie hatte die Sitzweise des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic bei einem Besuch von Donald Trump im Weißen Haus mit einer schlüpfrigen Szene aus dem Film „Basic Instinct“ verglichen.

Rubriklistenbild: © Alexei Yereshko via www.imago-images.de

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