+
Zweifelhafte Beteiligungen: US-Handelsminister Wilbur Ross.

Paradise Papers

Russland-Geschäfte über Umwege

  • schließen

Wilbur Ross steht in der Kritik - immerhin ist der US-Handelsminister eine prominente Figur in den Paradise Papers. Die Spur führt nach Russland.

Wilbur Ross ist mehrfacher Milliardär, seine Gegner nennen ihn „König des Bankrotts“, weil er in der Vergangenheit reihenweise marode Unternehmen aufgekauft, auch durch Entlassungen saniert und wieder verkauft hat. Der Erfolg des US-Geschäftsmanns muss US-Präsident Donald Trump schwer imponiert haben. Jedenfalls machte er den heute 79 Jahre alten Mann zum Handelsminister in seinem Kabinett. 

Diese Entscheidung könnte Trump jetzt möglicherweise bereuen. Denn Ross ist eine prominente Figur in den sogenannten Paradise Papers. Er soll trotz seines politischen Amtes in Washington an lukrativen Geschäften mit russischem Erdgas beteiligt sein. Die Opposition im US-Kongress sieht sich hintergangen, und Trumps Probleme mit möglicherweise fragwürdigen Verbindungen zu Russland haben sich auf einen Schlag vergrößert. 

Laut Paradise Papers, über die jetzt die SZ zuerst berichtete, profitiert Ross von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Staatschefs Wladimir Putin sowie anderen Oligarchen gehört, die dem Kreml nahestehen. Konkret geht es um eine Beteiligung an der Reederei Navigator, die Geld damit verdient, Öl und Gas für das russische Energie-Unternehmen Sibur über die Weltmeere zu transportieren.

Aufträge in Millionenhöhe

Sibur gehört Putin-Schwiegersohn Kirill Schamalow und anderen Vertrauten, unter ihnen Gennadi Timtschenko und Leonid Michelson. Gegen Timtschenko persönlich haben die USA nach der Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 Sanktionen verhängt. Im Falle Michelsons gibt es Sanktionen gegen dessen Firma Novatek. US-Handelsminister Ross soll den Papieren zufolge über eine Reihe von Briefkasten-Firmen auf den Cayman Islands, einer Steueroase in der Karibik, an Navigator beteiligt sein. 

Navigator soll seit 2014 mit Sibur Geschäfte in Höhe von mehr als 68 Millionen Dollar gemacht haben. Aus den Paradise Papers gehe allerdings nicht detailliert hervor, wie stark Ross persönlich von dem wirtschaftlichen Engagement profitiert hat. Das US-Handelsministerium erklärte, Minister Ross habe nichts Illegales getan und auch niemals persönlich die Personen getroffen, gegen die Sanktionen verhängt wurden. Außerdem sei Sibur zu dem Zeitpunkt, an dem Ross über Navigator in Geschäftsverbindungen mit dem Unternehmen getreten sei, nicht mit Sanktionen belegt gewesen. Sibur sei auch bis heute nicht davon betroffen.

Bemerkenswert ist, dass Ross vor dem Amtsantritt als Handelsminister einige seiner Beteiligungen verkauft hat, an der Verbindung zu Navigator aber festhielt. Nun will sich Ross allerdings von der Beteiligung trennen. Das habe aber nichts mit den Enthüllungen zu tun, sagte der Minister am Montag in einem Interview mit Bloomberg TV.

Die Erklärung aus Ross’ Ministerium reicht der Opposition im US-Kongress ohnehin nicht aus. Der demokratische Senator Richard Blumenthal warf Ross vor, einen Interessenkonflikt zu verschleiern, und forderte, das Geschäftsgebaren des Handelsministers zu untersuchen. Ross habe während des Nominierungsverfahrens vor dem US-Senat nicht nur die Abgeordneten, sondern das ganze amerikanische Volk getäuscht. In Befragungen vor dem US-Senat zu Beginn des Jahres hatte Ross zwar über einige seiner Beteiligungen berichtet, offenbar aber nicht das gesamte Geflecht offengelegt. Unklar ist, ob er das nach den geltenden US-Vorschriften hätte tun müssen.

Politisch allerdings dürfte sich das Geschäftsgebaren von Wilbur Ross negativ auf die Trump-Regierung auswirken. Ein Sonderermittler untersucht bereits seit Wochen mögliche Kontakte des Trump-Lagers nach Russland. Er soll klären, ob es Versuche aus Moskau gab, die US-Präsidentschaftswahl zugunsten Trumps zu beeinflussen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion