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Eiskalte Lage: Ein Helfer in Schutzkleidung auf dem Gelände des Hospitals in Kommunarka in Moskau.
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Eiskalte Lage: Ein Helfer in Schutzkleidung auf dem Gelände des Hospitals in Kommunarka in Moskau.

Corona

Russland führt Impfzertifikat ein

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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In vielen Städten gab es Proteste gegen eine Nachweispflicht. Ausländische Vakzine werden akzeptiert.

Russlands Staatsmacht überrascht im Kampf gegen den Coronavirus mit Zugeständnissen an die eigene Bevölkerung, aber auch ans Ausland. Vizeregierungschefin Tatjana Golikowa erklärte gestern, künftig könnten Bürger mit positiven Antikörpertests Covid-19-Zertifikate für ein halbes Jahr erhalten. „Dabei werden wir die Antikörper nicht auf ihre Anzahl hin messen. Entscheidend ist, ob sie da sind oder nicht“, sagte Golikowa der Agentur TASS. Auch wer mit einem ausländischen Vakzin geimpft sei, könne sich auf Antikörper testen lassen. Damit erkennen die russischen Behörden indirekt auch westliche Impfstoffe wie Biontech oder Moderna an.

Bisher hatte Russland keine ausländischen Vakzine zugelassen, umgekehrt genehmigten weder die EU noch die USA den russischen Impfstoff Sputnik V. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte gestern, vor allem erkenne man die Existenz von Antikörpern als Tatsache an. „Das bedeutet keineswegs, dass westliche Länder analoge Entscheidungen fällen, die Arbeit an der gegenseitigen Anerkennung des Impfaktes geht weiter.“ Man hoffe auf ein positives Ergebnis.

Zugang nur noch mit einem QR-Code

Expert:innen in Moskau erklären die Kursänderung des Kremls mit sich häufenden Protesten gegen Zwangsimpfung und flächendeckende QR-Codes. „Es geht darum, den Druck zu verringern, den die Antivaxxer aufgebaut haben“, sagte der Politologe Juri Korgonjuk unserer Zeitung.

„Ein wesentlicher Teil der Russen, die gegen die Impfung sind, trauen gerade Sputnik V nicht.“ Jekaterina Jeschowa, eine Tomsker Aktivistin gegen QR-Code und Impfzwang bestätigt: „Ich weiß, dass Sputnik V ein experimenteller Impfstoff ist, niemand kann sagen, wie er sich weiterentwickelt.“ Seit Wochen protestieren Russen in zahlreichen Regionen gegen einen Gesetzentwurf, demzufolge nur noch Bürger mit QR-Code öffentliche Plätze wie Cafés, Einkaufszentren oder Sporteinrichtungen besuchen dürfen. Er verlangt ebenso QR-Codes für öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, aber auch Eisenbahnen und Flugzeuge.

Die Staatsduma reagierte

In vielen Städten kam es zu Demonstrationen, es hagelte Unterschriftensammlungen und Eingaben an Gebietsparlamente und die Staatsduma; erst am Sonntag gingen in Jekaterinburg mehr als 300 Menschen gegen die QR-Codes auf die Straße. Die Staatsduma reagierte zuerst. Sie strich das Verbot, öffentliche Verkehrsmittel ohne QR-Code zu nutzen.

Die übrigen Bestimmungen des Gesetzes sollen am Donnerstag in erster Lesung behandelt werden. Beamte der Regierung und des Transportministeriums sagten dem Portal RBK, man arbeite auch weiter an dem QR-Code-Gebot für die Verkehrsmittel. Aber der Politologe Abbas Galljamow bezweifelte gegenüber TV Doschd, dass der Kreml das Gesetz wirklich durchdrücken will. Er handele offenbar nach dem Motto: „Probieren wir es mal, wenn es Widerstand gibt, machen wir einen Rückzieher.“

25 Prozent sind bereit, an Massenprotesten teilzunehmen

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungszentrums Lewada sind 67 Prozent der Russen gegen QR-Codes für den Besuch öffentlicher Plätze und 76 Prozent gegen QR-Codes für Verkehrsmittel. 25 Prozent äußerten ihre Bereitschaft, an Massenprotesten dagegen teilzunehmen. Nach Meinung vieler Experten gehört ein Großteil von Ihnen eigentlich zur Anhängerschaft Wladimir Putins und seines Regimes.

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