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Tochter von Putins Mentor verlässt Russland: „Letzte freie Redaktion“ vor dem Aus?

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Xenia Sobtschak: die russische TV-Moderatorin und frühere Präsidentschaftskandidatin 2018 in Moskau
Xenia Sobtschak (Archivbild von 2018) © Pavel Golovkin/dpa

Putins angebliche Patentochter ist aus Russland geflohen. Die Behörden haben wohl „schwere Vorwürfe“ gegen die TV-Moderatorin parat.

Vilnius - Xenia Sobtschak genießt in Russland Prominenz als TV-Moderatorin und kandidierte 2018 gar für das Amt als Präsidentin. Nun ist sie aus Russland geflohen. „Sie ist in Litauen“, bestätigte der Nachrichtendienstchef des Landes, Darius Jauniskis, am Donnerstag (27. Oktober) im Radio. Die 40-Jährige sei mit einem israelischem Pass eingereist.

Die Journalistin ist die Tochter von Anatoli Sobtschak, der in den 1990er Jahren als Bürgermeister von St. Petersburg politischer Mentor von Kremlchef Wladimir Putin war. Lange genoss sie daher in dem Land mehr Freiheiten als andere Oppositionelle in Russland. Berichten zufolge ist Sobtschak Putins Patentochter, wie merkur.de berichtet.

Russische Ex-Putin-Herausforderin Sobtschak kritisiert Ukraine-Krieg

In dieser Woche allerdings hat die Justiz einen Vertrauten Xenia Sobtschaks wegen angeblicher Erpressung festgenommen. Staatliche Medien berichten, dass auch gegen Sobtschak ermittelt werde. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht, allerdings deutete die Sprecherin des russischen Außenministeriums an, dass es „schwerere Vorwürfe“ gegen Sobtschak gebe als nur Erpressung.

Sobtschak hatte in den vergangenen Monaten auf ihrem Youtube-Kanal mehrfach den russischen Überfall auf die Ukraine kritisiert. Sobtschak wies die Vorwürfe gegen sie auf Telegram zurück und erklärte, es handle sich um den Versuch, Druck auf ihr Medienunternehmen Attention Media auszuüben. „Es ist klar, dass es sich um einen Angriff auf meine Redaktion handelt, die letzte freie Redaktion in Russland, die unter Druck gesetzt werden musste“, schrieb sie. Sie hoffe, dass es sich um ein Missverständnis handele.

Litauen hat wie seine baltischen Nachbarn und Polen als Reaktion auf den Ukraine-Krieg die Einreise für viele Russen gestoppt. Begründet wurde dies vor allem mit Sicherheitsbedenken. „Wir haben noch keinerlei konkreten Geheimdienstinformation vorliegen, wonach sie eine Bedrohung für den litauischen Staat darstellen könnte“, sagte Jauniskis über Sobtschak. (dpa/AFP/frs)

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