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In der Moskauer Metro gehört es weiter zum Alltag, dass Polizist:innen Personen wegen ihres Aussehens anhalten (Symbolbild)
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In der Moskauer Metro gehört es weiter zum Alltag, dass Polizist:innen Personen wegen ihres Aussehens anhalten (Symbolbild)

Diskriminierung

Russland: Nach Attacke in Moskau tobt Debatte über „Nichtrussen“

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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In Russland löst eine Prügelei in Moskau eine Debatte in den Medien über Zugereiste aus.

Moskau – Nach dem Video der Überwachungskamera entstand der Konflikt aus dem Nichts. Zwei Männer, einer davon mit einem vierjährigen Kind auf den Schultern, passieren auf einem Zebrastreifen vier andere Männer, wenige Sekunden später drehen sich diese um und stürzen sich auf die beiden. „Sie haben das Kind angefasst, absichtlich, haben es auf die Wange geschlagen“, zitiert das Portal meduza.io einen der Angegriffenen. „Als Vater versuchte ich, uns zu verteidigen.“

Es geschah im Moskauer Außenbezirk Nowije Watutinki, vergangenen Donnerstag, am Abend des russischen „Tags der Volkseinheit“. Und es artete in eine Schlägerei aus, bei der angeblich ein Messer gezückt wurde; hinterher nahm die Polizei die mutmaßlichen Angreifer fest, vier junge Männer zwischen 17 und 21 Jahren, russische Bürger aserbaidschanischer Abstammung.

Russland: Medien mit großer Resonanz bei Gewalttaten von Nichtrussen

Der Konflikt wurde auch in kremlnahen Kreisen heftig diskutiert. „All diese ,Zugereisten‘ und ,Personen kaukasischer Nationalität‘ kriegen es noch fertig, dass an jeder Metrostation wieder streng die polizeilichen Anmeldungen kontrolliert werden wie vor 20 Jahren“, schrieb Margarita Simonjan, Chefredakteurin von „Russia Today“, auf Telegram und unterstrich, sie stamme selbst aus dem kaukasischen Armenien. Tschetschenenchef Ramsan Kadyrow antwortete empört: „Dann nennt bei Morden in Schulen, bei großen Korruptionsfällen, Staatsverrat und anderen spektakulären Verbrechen auch die Nationalität, zumindest die ,Person slawischer Nationalität‘.“ Der dagestanische Duma-Abgeordnete Sultan Chamsajew schlug vor, den Medien gesetzlich zu verbieten, die Nationalität von Straftätern zu veröffentlichen.

Russlands Medien reagieren in der Tat mit viel Resonanz auf Gewalttaten von Nichtrussen, wie etwa auf die brutale Prügelattacke dreier Dagestaner auf einen Moskauer U-Bahn-Passagier im Oktober oder auf den mutmaßlichen Mord an einer Rentnerin durch zentralasiatische Gastarbeiter im September.

„Alle sind Bürger Russlands“ – Und doch wirft russisches Komitee versuchten Mord vor

Noch immer haben asiatisch aussehende Menschen in Moskau Probleme, Wohnungen zu finden. Und in der Metro gehört es weiter zum Alltag, dass Polizist:innen Personen wegen ihres Aussehens anhalten. „Statt der sowjetischen Politik der Völkerfreundschaft propagieren die Behörden jetzt Chauvinismus, stellen das russische Volk als das wichtigste im Staat dar und alle anderen als zweitrangig“, sagt der Publizist Maxim Schewtschenko der FR. Außerdem seien die beiden Moskauer, die an dem Konflikt am „Tag der Volkseinheit“ beteiligt waren, selbst kriminell, hätten ihre Widersacher möglicherweise provoziert. Laut „Komsomolskaja Prawda“ haben beide Vorstrafen wegen Diebstahls und Betrugs.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte gestern, die Schlägerei habe keine nationalen Hintergründe. „Alle sind Bürger Russlands.“ Das russische Ermittlungskomitee aber wirft den aus Aserbaidschan stammenden Mitbürgern inzwischen statt Rowdytums versuchten Mord vor. Ihnen droht lebenslange Haft. (Stefan Scholl)

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