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Erdgas in Deutschland - wo kommt das importierte Gas her?

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Von: Max Müller

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Eine Fackel verbrennt Erdgas an einer Ölquelle.
Erdgas einfach verbrennen, ist angesichts der Abhängigkeit Deutschlands keine gute Idee. © Matthew Brown/dpa

In Deutschland wird kaum Gas gefördert, dennoch ist der Verbrauch hoch. Viele fragen sich angesichts des Ukraine-Kriegs: Woher kommt das Erdgas eigentlich?

Köln – Der Krieg in der Ukraine* hat auch eine wirtschaftliche Dimension: Er legt gnadenlos offen, wie abhängig Deutschland von russischen Energieimporten ist. Das gilt für Öl, noch viel mehr aber für Gas. Jahrelang haben Politiker über die Inbetriebnahme der Erdgas-Pipeline Nordstream 2 gestritten, jetzt wird diskutiert, ob Deutschland durch seinen Gasverbrauch die Kriegskasse von Wladimir Putin füllt.

Die große Abhängigkeit Deutschlands von ausländischem Gas wird auch deutlich durch die Ausrufung der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas, die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Mittwoch (30.03.) verkündete. Engpässe würden zwar noch nicht drohen, so der Grünen-Politiker, doch die internationale Lage gebiete Vorsicht.

Viele Menschen fragen sich ganz grundsätzlich: Wo kommt eigentlich das Gas her, das wir in Deutschland verbrauchen? So viel sei schon mal vorweggenommen: Es kommt nicht ausschließlich aus Russland. Dennoch ist das Land der wichtigste Lieferant, wie 24RHEIN berichtet*.

Woher kommt das in Deutschland verbrauchte Gas?

So wird die Gasmenge gemessen

Da es um sehr große Erdgas-Mengen geht, wird das Volumen in Terrawattstunden (TWh) angegeben. Umgerechnet entspricht eine TWh einer Milliarde Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Ein Haushalt mit 80 m² Wohnfläche hat laut Energieversorger EON einen Durchschnittsverbrauch von 11.200 kWh pro Jahr.

Die Bundesnetzagentur mit Hauptsitz in Bonn* ist zuständig für den Wettbewerb bei Energie, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. Für das Jahr 2020 weist sie im „Monitoringbericht“ folgende Zahlen für die Zusammensetzung der Gas-Herkunft aus:

HerkunftslandAnteil
Russland67 Prozent (1121,2 TWh)
Norwegen20,9 Prozent (349,1 TWh)
Niederlande (auch Erdgas aus Großbritannien enthalten)11,6 Prozent (194,3 TWh)

2020 wurden 1.674 TWh Erdgas importiert. Das sind 28 TWh weniger als 2019. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass importiertes Erdgas nicht zwingend hier verbraucht wird. Rund 45 der verfügbaren Gasmenge wurde 2020 durch Deutschland an Nachbarländer weitergeleitet und dort verbraucht.

Auch Deutschland hat kleine Gasquellen

Neben den Einfuhren gibt es noch ein paar weitere – verschwindend geringe – Erdgas-Quellen:

Flüssiggas: Deutschland will mit LNG aus Katar unabhängiger werden

Wie sich die Gaslieferungen verändert haben, seit Russland die Ukraine angegriffen hat, ist nicht bekannt. Auf Anfrage von 24RHEIN erklärt eine Sprecherin der Bundesnetzagentur, dass die Zahlen für das Jahr 2021 voraussichtlich im November 2022 veröffentlicht werden.

Könnte Deutschland ohne russisches Gas auskommen?

Mit dieser Frage hat sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beschäftigt. Die Antwort der Forscher: Ein kurzfristiger Lieferstopp von russischem Gas wäre für die deutsche Volkswirtschaft „handhabbar“* – auch kurzfristig. „Engpässe könnten sich im kommenden Winter ergeben, es bestünde jedoch die Möglichkeit, durch die unmittelbare Umsetzung eines Maßnahmenpakets die negativen Auswirkungen zu begrenzen und soziale Auswirkungen abzufedern“, heißt es in der Stellungnahme.

Fest steht: Deutschland schaut sich vermehrt nach Alternativen um. Deswegen besuchte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck auch vor einigen Tagen das Emirat Katar. Das Ziel der Reise: Verhandlungen über Flüssiggas. Katar ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas. Es geht um kurzfristige Lieferungen nach Europa und auch um langfristige Lieferungen, die dann in geplanten LNG-Terminals in Deutschland ankommen sollen. (mm) *24RHEIN und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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