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Spionage

CIA-Spion im Moskau: Der Maulwurf im Kreml

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Moskau spielt die Bedeutung einer undichten Stelle bewusst herunter. Ein Topagent der USA soll über Jahre in Russlands Machtzentrale spioniert haben.

Nach CNN-Berichten über einen US-Topagenten, der jahrelang für die CIA im Kreml spionierte, bemüht sich Moskau, den möglichen Schaden kleinzureden.

In Moskau will kaum jemand glauben, dass dieser Spion viel gewusst haben kann. „Er erledigte die Aufgaben eines Lakaien: ein Auto zum richtigen Eingang bestellen, dem Chef einen Termin beim Zahnarzt machen“, beschreibt ein ehemaliger Kollege der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ die Tätigkeit des Verräters in der russischen Botschaft in Washington. „Oder Parlamentariern aus Moskau das nächste Geschäft mit Markenklamotten zeigen.“ Allerdings machte der Lakai Karriere.

Nach den Berichten von CNN und der „New York Times“ haben die USA 2017 einen Topagenten aus Moskau geholt, einen Russen, der mehrere Jahre als Maulwurf in Kreml spionierte. Er soll die US-Regierung auch informiert haben, dass Wladimir Putin persönlich die Hackerangriffe auf die E-Mailkonten der Demokratischen Partei in den USA sowie die Internetkampagne für Donald Trump vor den Präsidentenwahlen 2016 genehmigte. Aber 2017 brachten die Amerikaner ihren Mann aus Moskau in Sicherheit. In den USA wird jetzt diskutiert, ob das geschah, weil Medien wie NBC der „Washington Post“ seine Existenz gemeldet hatten. Oder weil ihn Trump bei einem Gespräch mit Russlands Außenminister Sergei Lawrow aus Unvorsichtigkeit erwähnt haben könnte, wie CNN unter Berufung auf CIA-Quellen behauptet.

Die Zeitung „Kommersant“ hat seine wahrscheinliche Identität entlarvt. Danach handelt es sich um Oleg Smolenkow, einen Mitarbeiter der russischen Präsidialverwaltung, der 2017 mit seiner Frau und seinen drei Kindern bei einem Urlaub in Montenegro spurlos verschwunden ist. Der Berufsdiplomat arbeitete erst in der russischen Vertretung in den USA, folgte dann dem damaligen Botschafter Juri Uschakow in die Moskauer Präsidialverwaltung. Uschakow ist dort bis heute als außenpolitischer Berater Wladimir Putins tätig. Smolenkow seinerseits war laut der Zeitung Wedomosti fünf Jahre Uschakows Chefberater, hatte Zugang zu sensiblen Informationen auch aus den Geheimdiensten. Nach Aussagen ehemaliger Kollegen war er ein tüchtiger, angenehmer, etwas neugieriger Mensch, der manchmal über sein niedriges Gehalt klagte.

Kremlsprecher Dmitri Peskow aber versichert, Smolenkow habe im Kreml nur einen niedrigen Rang bekleidet, keinen direkten Kontakt zu Präsident Putin besessen, man habe ihn vor zwei oder drei Jahren entlassen. Und anonyme oder pensionierte russische Geheimdienstleute beteuern reihenweise die Wertlosigkeit des Spions. „Nach seinen Ämtern zu urteilen, hatte er keinen Zugang zu militärstrategischen Informationen, gehörte nicht zum engen Kreis Putins und kannte die Geheimnisse im Entscheidungsprozess nicht“, versicherte ein Mann der Staatssicherheit der Zeitung „Argumenty i Fakty“. Aschdar Kurtow vom kremlnahen Institut für Strategische Studien sagte dieser Zeitung, die Amerikaner versuchten, mit den Meldungen über ihren Supermaulwurf im Kreml die eigene Moral zu stärken. „Sie verlieren ihren Einfluss in der Welt an China, zum Teil auch an Russland, das ihren militärischen Vorsprung mit seinen modernen Waffen wettgemacht hat.“ Jeder Spionageerfolg in Moskau sei eine Labsal für das angeknackste Selbstbewusstsein der US-Öffentlichkeit.

Das russische Selbstbewusstsein aber ist traditionell mit Angst vor feindlichen Spionen getränkt. Der Duma-Abgeordnete Leonid Kalaschnikow schloss gegenüber dem TV-Kanal 360 nicht aus, dass in Russlands Regierung noch mehr Verräter sitzen. „Es gibt genug, die bereit sind, für Geld alles zu verraten oder für ihre liberalen Gesinnungen aus den 90er Jahren.“ Der Westen sei schon viel zu weit in das moderne Russland eingedrungen.

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