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Russland und China suchen Bündnis mit Iran und Saudi-Arabien

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Von: Nail Akkoyun

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Xi Jinping und Wladimir Putin schauen nach weiteren strategischen Partnern im Osten. (Archivfoto)
Xi Jinping und Wladimir Putin schauen nach weiteren strategischen Partnern im Osten. (Archivfoto) © Alexander Demianchuk/Imago

Angesichts der Nato-Erweiterung schauen sich Russland und China nach neuen Partnern um. Profitieren würde neben Saudi-Arabien auch der Iran.

Moskau/Peking – Während Schweden und Finnland vor einem Nato-Beitritt stehen, schmieden Russland und China Allianzen mit Staaten aus dem Nahen Osten, darunter Iran und Saudi-Arabien. Einem Bericht von newsweek.com zufolge suchen Xi Jinping und Wladimir Putin weitere Mitglieder für die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) sowie für BRICS – ein Zusammenschluss aufstrebender Wirtschaftsmächte, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

„Die BRICS und die SCO haben eine wichtige ideologische Gemeinsamkeit: Sie sind beide auf Multipolarität ausgerichtet, und ihre Gipfeltreffen wurden sogar zeitweise gemeinsam abgehalten“, sagte Matthew Neapole, Experte für internationale Angelegenheiten vom Macdonald-Laurier-Instituts in Kanada, gegenüber Newsweek. Beide Vereinigungen seien bestrebt, einander zu unterstützen.

Dass die beiden Organisationen Hand in Hand gehen, wird am Beispiel des Iran deutlich: Die Islamische Republik begann ihren formellen SCO-Beitrittsprozess während des letzten Gipfels der Staats- und Regierungschefs im September 2022. Nun kündigte das iranische Außenministerium am Montag (3. Oktober) an, sich auch um eine BRICS-Mitgliedschaft bemühen werde.

Allianz mit China und Russland würde Saudi-Arabiens Macht weiter festigen

Saudi-Arabien hingegen wurde gemeinsam mit anderen Staaten, darunter etwa Argentinien, Indonesien und Thailand, von China zu einer „BRICS+“-Diskussion eingeladen, auf der man laut dem chinesischen Außenministerium „einen Konsens über den BRICS-Erweiterungsprozess erreicht“ habe. Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow ziehe Saudi-Arabien eine Mitgliedschaft in Erwägung.

Bevor Prinz Mohammed bin Salman zum Thronfolger und De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens wurde, verkündete er Pläne, die heimische Wirtschaft diversifizieren und dem Königreich einen neuen Platz in der internationalen Gemeinschaft verschaffen zu wollen. Heute pflegt der Kronprinz nicht nur enge Beziehungen in den Osten, sondern auch mit den USA. Eine feste Allianz mit den BRICS-Staaten würde Saudi-Arabien künftig noch mächtiger und einflussreicher machen – und wohl endgültig in die Sphäre von anderen Industriestaaten erheben.

Annäherung an Russland und China: Der Iran erwartet eine „östliche Weltordnung“

Im Gegensatz zu Saudi-Arabien existieren zwischen dem Iran und dem Westen kaum wirtschaftliche Beziehungen. Die internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik als Reaktion auf ihre nuklearen Aktivitäten wurden 2015 für einige Zeit aufgehoben, doch der damalige US-Präsident Donald Trump entschied sich im Jahr 2018 für einen neuen Iran-Kurs, was Teherans Fähigkeit, mit der restlichen Welt Handel zu betreiben, bis heute stark beeinträchtigt.

Der Iran betrachtet „die künftige Weltordnung als östlich“ – und will sich an Russland und China orientieren. (Archivfoto)
Der Iran betrachtet „die künftige Weltordnung als östlich“ – und will sich an Russland und China orientieren. (Archivfoto) © Iranian Presidency/Imago

Joe Biden, der als Vize unter dem früheren Präsidenten Barack Obama die Aufhebung der Sanktionen miterlebte, hatte sich für Verhandlungen bereit erklärt – doch die Gespräche, die seit April letzten Jahres immer wieder geführt wurden, befinden sich inzwischen in einer Sackgasse. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich der Iran umorientiert und strategische Partnerschaften im Osten, insbesondere mit Peking und Moskau, schließen will.

Der Iran habe „beschlossen, die Versuche der USA, den Iran zu isolieren, durch eine weitere Annäherung an nicht-westliche Organisationen wie SCO und BRICS zu neutralisieren“, sagte Zakiyeh Yazdanshenas, wissenschaftliche Mitarbeitende am Zentrum für Strategische Studien im Nahen Osten in Teheran im Gespräch mit Newsweek. Die Republik betrachte „die künftige Weltordnung als östlich“. Der Expertin zufolge handelt es sich bei den beiden Organisationen allerdings nicht um anti-westlich eingestellte Blöcke. „Die SCO und die BRICS wurden nicht als Alternative zu westlichen Organisationen gegründet“, sagte Yazdanshenas. Es handele sich nicht um formelle Militärbündnisse wie die Nato, sondern um integrative Allianzen, die einander helfen. (nak)

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