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Neues Schiff für Putins Flotte: Atomeisbrecher mit „strategischen“ Zielen

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Von: Sandra Kathe

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Wladimir Putin hat per Videokonferenz am Stapellauf eines neuen Atomeisbrechers teilgenommen. Die nukleargetriebenen Arktis-Schiffe sollen Russlands Wirtschaft stärken.

St. Petersburg/Moskau – Mit den neuen nukleargetiebenen Eisbrechern Jakutia und Ural will der russische Machthaber Wladimir Putin „Russlands Rolle als arktische Großmacht stärken“ und damit wohl vor allem alternative Handelsrouten für sein politisch nahezu isoliertes Land sichern. Das sagte der per Video zugeschaltete Putin laut einem Bericht in dem Online-Medium The Moscow Times beim Stapellauf des neuesten Atomeisbrechers Jakutia am Dienstag (22. November).

Die 173 Meter langen Schiffe der LK-60Ja-Klasse, zu denen die beiden Atomeisbrecher gehören, sind für die Extremtemperaturen der Arktis ausgelegt und laut russischen Angaben in der Lage bis zu 2,8 Meter dickes Eis zu durchbrechen. Das erste Schiff der Klasse mit dem Namen Arktika wurde im Winter 2020 in Dienst gestellt. Betrieben würden die Schiffe durch die russische Atomenergiebehörde Rosatom.

Mit seiner neuen Atomeisbrecher-Flotte will Russland seinen Einfluss in der Arktis vergrößern.
Mit seiner neuen Atomeisbrecher-Flotte will Russland seinen Einfluss in der Arktis vergrößern. © Valentin Yegorshin/imago-images.de

Neue Atomeisbrecher in russischer Flotte: Mit Riesenschiffen Nördlichen Seeweg nutzbar machen

Ziel des Ausbaus der russischen Arktis-Flotte ist es offenbar, den Nördlichen Seeweg, einen für Russland bedeutenden Abschnitt der Nordostpassage nahezu ganzjährig nutzbar zu machen. Die Schiffsroute ermöglicht Russland eine um 15 Tage schnellere Verbindung für Handelsschiffe nach Südostasien als der Suezkanal, ist bislang jedoch ab November für gut die Hälfte des Jahres kaum befahrbar. Der Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg an den Polen hatten in den vergangenen Jahren den nicht-nutzbaren Zeitraum jedoch deutlich verkürzt und die bislang als unwägbar geltende Route für Schiffsverkehr attraktiver gemacht.

Für Russland ist sie ein wichtiger Weg, um Alternativen zu finden für wirtschaftliche Schwierigkeiten, die durch zahlreiche Sanktionen aufgrund des Ukraine-Kriegs entstanden sind. „Dieser sehr wichtige Korridor wird Russland ermöglichen, sein Exportpotenzial zu maximieren und eine effektive Logistikroute nach Südostasien aufzubauen“, kündigte Putin bei der Zeremonie an.

Atomeisbrecher Jakutia und Ural sollen russischen Import und Export stärken

Dies ermöglicht Russland jedoch nicht nur eine Umleitung seiner weggefallenen Gasexporte nach Europa Richtung Asien, sondern auch neue Möglichkeiten im Import-Bereich. Wie The Moscow Times berichtet, wäre es bei russischen Unternehmen in den vergangenen Monaten immer wieder zu Produktionsengpässen gekommen, weil wichtige Bauteile aus dem Westen fehlten.

Geplant sei die Indienststellung der Jakutia für Winter 2024. Auf ihrem Schwesternschiff Ural, das bereits in wenigen Wochen in Dienst gehen soll, wurde in einem symbolischen Akt eine Flagge gehisst. Für 2027 habe Putin laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bereits Pläne angekündigt, eine neue, noch größere Atomeisbrecher-Klasse auf den Weg zu bringen, die mit einer geplanten Verdrängung von über 71.000 Tonnen sogar bis zu vier Meter dickes Eis durchbrechen können soll. (ska)

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