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Russischer Militärblogger fordert Einsatz von Atomwaffen gegen Nato-Länder

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Von: Sebastian Richter

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Igor Wsewolodowitsch Girkin, das Foto wurde 2019 im Zuge der Ermittlungen gegen den russischen Militärblogger veröffentlicht.
Igor Wsewolodowitsch Girkin, das Foto wurde 2019 im Zuge der Ermittlungen gegen den russischen Militärblogger veröffentlicht. © imago/ANP

Der Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine wurde aus Russland schon oft gefordert. Jetzt treibt es ein ehemaliger Kommandant noch weiter – und will den Angriff auf die Nato.

Moskau – Erneut fordert ein russischer Militärblogger den Einsatz von taktischen Atomwaffen – allerdings nicht gegen die Ukraine, sondern gegen die Nato. Der Mann, der sich für den Einsatz von Atombomben einsetzt, ist mit dem Ukraine-Krieg eng verbunden. Er hat bereits 2014 bei der Annexion der Krim durch Russland eine Rolle gespielt, war früher russischer Agent und Kommandeur der Separatisten auf ukrainischem Gebiet.

Sein Name ist Igor Girkin. Als Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU war er unter dem Pseudonym Igor Strelkow bekannt. Er gilt als Kritiker der russischen Führung und insbesondere Putins. Allerdings nicht wegen des Ukraine-Krieges, sondern weil ihm die Kriegsanstrengungen zu schwach vorkommen.

Russischer Militärblogger fordert Atomwaffen gegen Nato-Länder

Girkins neue Forderung nach dem Einsatz von Atomwaffen nannte er beim YouTube-Kanal des russischen Geschäftsmannes Andrej Kowaljow. Ein Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Gerashchenko, teilte einen Ausschnitt des Interviews bei Twitter. Am Ende des 80 Minuten langen Interviews wurde Girkin nach dem Einsatz von Atombomben in der Ukraine gefragt. „Ich glaube, wenn wir zuerst Atomwaffen einsetzen, werden wir bald einen Vergeltungsschlag erleben“, so Girkin. Große Sorgen scheint ihm das aber nicht zu bereiten, im gleichen Atemzug forderte er genau so einen Erstschlag: „Ich glaube, dass wir taktische Atomwaffen einsetzen sollten“.

Sollte Moskau im Ukraine-Krieg taktische Atomwaffen einsetzten, erhielte Kiew „innerhalb eines Monats Zugang zu einer solchen Waffe und würde sie auf genau dieselbe Weise einsetzen.“ Und genau das würde „jeder im Westen begrüßen“. Der „moralische Aspekt“ eines Atomwaffeneinsatzes mache ihm keine Sorgen, sagte Girkin. Moralisch liege Russland nämlich im Recht: Alleine die Planung, vom ukrainischen Territorium aus Russland mit Atomwaffen anzugreifen, sei ein Verbrechen.

Russland könne aber nur dann „zuschlagen“, wenn sie „mit der Nato in den Krieg ziehen“ würden. Und dann sollten die Atomwaffen nicht in der Ukraine fallen, sondern in Nato-Ländern, sobald das westliche Militärbündnis eine Aggression startet.

Girkin bereits in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt.

Girkin hat großes Interesse daran, dass Russland den Krieg gewinnt – oder er selbst zumindest am Ende des Krieges nicht dem Westen und der Nato in die Hände fällt. Denn wegen seiner Rolle in den von Russland nach 2014 besetzten Gebieten in der Ostukraine wird er mit internationalem Haftbefehl seit 2019 gesucht.

In Abwesenheit wurde Girkin vor rund einem Monat am Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt. Gemeinsam mit zwei weiteren Männern sei er verantwortlich dafür, dass der Malaysia-Airlines-Flug MH17 über der Ostukraine am 17. Juli 2014 abgeschossen wurde. Für das Gericht bestehe kein Zweifel, dass es sich bei der verwendeten Munition um eine BUK-Rakete aus russischer Produktion handele, wie die englische Zeitung Guardian berichtet. Russland hatte demnach zum Zeitpunkt des Abschusses die Kontrolle über die separatistischen Kräfte in der Ostukraine. Girkin war ein Kommandeur der Separatisten.

Sollte Russland den Ukraine-Krieg verlieren und Girkin ausgeliefert werden, steht ihm also nichts Gutes bevor. Das weiß er auch selbst: Zu Beginn des Interviews teilte er seine Besorgnis über seine eigene Zukunft, falls die Ukraine Putins Streitkräfte besiegen sollte. „Sobald wir diesen Krieg verlieren, werde ich nach Den Haag gehen, um eine lebenslange Haftstrafe zu verbüßen, und danach werde ich nach Kiew geschickt und dort gehängt“, sagte er laut dem US-Magazin Newsweek. „Daran habe ich keine Zweifel.“ (spr)

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