+
Wladimir Putin und der Präsident Guineas Alpha Condé.

Machterhaltung

Der russische Bär rettet die Welt

  • schließen

Moskau bietet afrikanischen Autokraten zum Machterhalt jede erdenkliche Hilfe.

Für Alpha Condé kam die Hilfe wie gerufen: Der Präsident Guineas möchte gerne noch ein paar Jahrzehntchen länger uneingeschränkter Chef seines westafrikanischen Staates bleiben, doch die Verfassung schließt diesen Wunsch aus. Da setzte sich Alexander Bregadze, Russlands Botschafter in Conakry, Anfang dieses Jahres vor die TV-Kameras, um den Guineern klarzumachen, dass sie einen „legendären“ Staatschef haben, wie man auf dem Kontinent keinen zweiten mehr finden könne – und außerdem gehörten Verfassungen an die Wirklichkeit angepasst und nicht Wirklichkeiten an die Verfassung. Dermaßen gestärkt, sucht sich der 81-jährige Condé nun eine neue Verfassung zu schneidern, die ihm noch viele weitere Amtszeiten ermöglichen soll. Bei den Protesten dagegen kamen in Conakry jüngst neun Menschen ums Leben.

Guinea verfügt über die größten Bauxit-Vorräte dieser Welt – und der russische Aluminium-Konzern Rusal deckt fast ein Drittel seines Rohstoffbedarfs durch die dortigen Minen ab. Kurz nach seiner Fernsehansprache tauschte übrigens Bregadze seinen Botschaftersessel gegen den Chefsessel von Rusal in Guinea aus: Ein Beispiel der guten Kooperation, die der Kreml mit seinem heute beginnenden ersten russisch-afrikanischen Gipfeltreffen in Socchi noch verbessern will.

Staaten des Mutterkontinents, die bereits über ein brüderliches Verhältnis zu Moskau verfügen, haben alle eines gemeinsam: Sie werden von Machthabern geführt, deren demokratische Legitimation nicht gerade einwandfrei ist oder die zur Sicherung der eigenen Position jede nur erdenkliche Hilfe brauchen.

In den vergangenen vier Jahren machten sich neben Alpha Condé (zweimal) auch der inzwischen verstorbene Totengräber Simbabwes, Robert Mugabe, dessen Nachfolger Emmerson Mnangagwa, der südafrikanische Chaos-Präsident Jacob Zuma, der zentralafrikanische Ruinenführer Faustin-Archange Touadéra sowie Sudans mit internationalem Haftbefehl gesuchter Kriegsverbrecher und Staatslenker Omar al-Baschir (dreimal) auf den Weg nach Moskau. Letzteren konnte allerdings nicht einmal die Unterstützung russischer Söldner davor bewahren, im Frühjahr dieses Jahres vom eigenen Volk aus dem Amt gefegt zu werden.

Afrikas „Big Men“ können sich vom russischen Bären vor allem Militärhilfe versprechen. Russland liefert mehr als ein Drittel aller in Afrika verwendeter Waffen: Sie gelten als verlässlich, relativ billig und einfach zu handhaben. Das Sturmgewehr Kalaschnikow AK-47 ist praktisch zum Sinnbild des bewaffneten Afrikaners geworden. Russische leichte Flak findet sich auf fast jedem „Technical“-Pickup von Rebellenmilizen landauf landab.

Noch besorgniserregender sind jedoch die russischen Söldner auf dem Kontinent. Die von Putins einstigem „Chefkoch“ Yevgeni Prigozhin geführte „Wagner-Gruppe“ ist derzeit erwiesenermaßen in den Trümmerstaaten Zentralafrikanische Republik und Libyen unterwegs. Da kämpft sie auf der Seite des libyschen Generals Khalifa Haftar gegen eine von den UN anerkannte Regierung – dort stützt sie den schwächelnden Präsidenten Touadéra, dem sogar ein russischer Sicherheitsberater zur Seite steht.

Ex-Restaurantbesitzer Prigozhin sucht in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui auch, den übel martialischen Ruf seiner Söldner aufzupolieren: Er veranstaltet Schönheitswettbewerbe und lässt Comics verteilen, in denen ein russischer Bär durch die Welt rast, um in Not geratenen Menschen zu helfen.

Selbst in Mosambik sollen 200 russische Soldaten und Söldner mit Helikoptern und Panzerwagen stationiert sein, um die im Norden des südostafrikanischen Landes entdeckten Erdgasfelder vor „terroristischen“ Angriffen zu schützen. Für seinen Aufwand wird Moskau mit lukrativen Explorationsverträgen entschädigt: Im Gegenzug können die uniformierten „Bären“ auch der seit nun schon mehr als 50 Jahren moskautreuen Regierungspartei Frelimo zur Seite stehen, falls ihr die jüngsten manipulierten Wahlen um die Ohren fliegen sollten.

Moskau verweist natürlich auf die friedlichen Absichten seines wachsenden Afrika-Engagements: auf Expertise beim Bau von Eisenbahnlinien und Straßen, von angeblich umweltfreundlichen Minen und Hochspannungsleitungen – sowie von Atomkraftwerken. Neben Ägypten, wo Rosatom derzeit für fast 30 Milliarden Dollar ein AKW errichtet, hat der russische Konzern auch schon mit Nigeria, Uganda, Ruanda sowie Ghana Vorverträge abgeschlossen. In Südafrika flogen dem Nuklearkonzern allerdings schon bei der Planung die insgesamt acht Meiler im Wert von 75 Milliarden Dollar um die Ohren: Die verfassungswidrig ohne Parlamentsbeschluss mit dem korrupten Ex-Präsidenten Jacob Zuma getroffene Vereinbarung wurde von Südafrikas neuer Regierung gleich wieder storniert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion