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Ein russischer Überschallbomber vom Typ Tupolev Tu-22M.
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Ein russischer Überschallbomber vom Typ Tupolev Tu-22M.

Nato ist alarmiert

Russische Kampfflieger über der Ostsee

  • Peter Riesbeck
    VonPeter Riesbeck
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Eine russische Luftübung versetzt Europa kurzzeitig in helle Aufregung. Es kommt nicht zum Krieg der Nato mit Putins Reich. Aber der Zwischenfall verdeutlicht die prekäre internationale Lage.

Über den Aufstieg von Jens Stoltenbeg zum Nato-Generalsekretär kursiert eine schöne Geschichte. Kanzlerin Angela Merkel habe den norwegischen Premier einst besucht. Der habe ihr eine Landkarte gezeigt, mit vielen roten Punkten. Die Kanzlerin fragte nach: Verletzungen des norwegischen Luftraums durch russische Kampfjets, lautete die Antwort. Das Sticheln und Stacheln an den Außengrenzen gehört also zum militärischen Alltag. Dennoch horchte Europa auf, als die Nato nun meldete: Russische Kampfjets des Typs MiG-31, Tu-22M und Tu-95 Bomber hätten Europa überflogen, vier Gruppen, begleitet von Tankflugzeugen. Oberhalb jeden Hoheitsgebiets im internationalen Luftraum. Von der Ostsee bis zum Atlantik und über dem Schwarzen Meer. Liebesgrüße aus Moskau.

Nato-Chef Stoltenberg missbilligte den Vorgang und sprach von „einer Provokation für die euroatlantische Sicherheit“. Das russische Vorgehen habe dem gegenseitigen Vertrauen geschadet, sagte er in Richtung Moskau. Und in Richtung der Nato-Mitglieder im Osten versicherte er: Das Bündnis sei wachsam.

So wachsam, dass das Bündnis Abfangjäger aufsteigen ließ und die russischen Jets begleitete. Von einer „neuen Qualität“, sprach man bei der Nato. Auch deshalb machte man den Fall öffentlich. Eine kleine Erinnerung an den alten Kalten Krieg. Und eine Erinnerung daran, dass das Bündnis immer noch keine rechte Antwort gefunden hat auf Russlands Präsident Wladimir Putin und seine neue Strategie der Konfrontation.

Kanzlerin Merkel gab sich zurückhaltend. Sie sei „akut nicht besorgt, dass hier größere Verletzungen des Luftraums stattfinden“, meinte sie. Akut handelt es sich nicht einmal um einen Rechtsbruch. Die russischen Militärjets hätten sich in internationalem Luftraum bewegt, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Über den Wolken eben.

Auch Merkel gab sich routiniert. „Ich sehe in den letzten Monaten sowieso eine sehr starke Übungssituation der russischen Armee“, sagte die Kanzlerin. Täglich wird der Luftraum an der Nato-Ostgrenze verletzt. Und Lettlands Marine sichtete am Donnerstag ein russisches Kriegsschiff – freilich außerhalb des lettischen Hoheitsgebiets. Das gehört zum Spiel, das Russland und die Nato rund um die Ukraine-Krise führen. Alle zwei Tage starte die Nato derzeit eine Militärübung in den östlichen Mitgliedstaaten, hat der Nato-Generalsekretär just eröffnet. Russland antwortet darauf auf seine Weise. Alte-Krieger-Mentalität in einem neuartigen Konflikt.

Estlands Luftwaffen-Chef Jaak Tarie warnte aber vor Panikmache. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich russische Flugzeuge nahe des baltischen Luftraums bewegten, sagte er.

Dass die Nato den Fall publik machte, ist also eine kleine Warnung: Alles will man nun auch nicht mit sich machen lassen. Eigentlich werden Manöver in einem streng kontrollierten Verfahren bei der OSZE angemeldet. Üblich ist auch ein Anmelden von Überflügen. Im internationalen Luftraum sei das nötig, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Bei der Nato betrachtete man die ungewöhnliche russische Flugshow dennoch als unfreundlichen Akt und löste „Operation A“ aus. A wie Alarm, der Einsatz von Abfangjägern.

Russland also zeigte ein kleines Spiel der Provokation. Die Nato zeigte ihre Wachsamkeit und die Politik demonstrierte Gelassenheit. Eine feine Routineübung. Doch gab es auch kritische Stimmen. Der US-Sicherheitsexperte Ariel Cohen ließ sich in der „Washington Post“ zitieren: Russland zeige, dass es „nicht mehr länger der Verlierer des Kalten Kriegs“ sein wolle. Putins Muskelspiele also.

Auch ein anderer fand deutliche Worte. Der scheidende EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte sich am Mittwoch noch vor Bekanntwerden der Flugeinlage in seiner Abschiedspressekonferenz grundsätzlich zum Verhältnis zu Putins Russland geäußert. „Die EU-Osterweiterung war richtig“, sagte Barroso und fuhr mit scharfen Worten fort: „Stellen Sie noch für eine Sekunde vor, die EU hätte die Staaten nicht aufgenommen. Wir würden vermutlich nicht nur über die Ukraine reden, sondern vielleicht auch über Bulgarien oder die baltischen Staaten.“

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