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Chinas Flugzeugträger Liaoning wurde immerhin noch nicht in der Ostsee gesichtet.
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Chinas Flugzeugträger Liaoning wurde immerhin noch nicht in der Ostsee gesichtet.

Militärmanöver

Russisch-chinesische Provokation im Baltikum

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
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Die Volksrepublik China schickt einen Marineverband zum gemeinsamen Manöver mit den Russen um die halbe Welt. Das irritiert die Nato etwas und soll die USA ärgern.

Drei Kriegsschiffe aus dem fernen China sichern die wirtschaftlichen Interessen Pekings jetzt auch in der Ostsee. So lautet eine der offiziellen Begründungen für das erste chinesisch-russische Seemanöver dort, unweit der schwedischen Insel Gotland und auch nicht so weit weg von Bornholm, das zum Nato-Mitglied Dänemark gehört. Aus dem Hafen der russischen Enklave Kaliningrad sind bis zum Wochenende für „Joint Sea 2017“ ein hochmoderner chinesischer Zerstörer, eine Mehrzweck-Fregatte sowie ein Versorgungschiff ausgelaufen, ausgerüstet auch mit Hubschraubern und Eliteeinheiten für Landungsaufgaben.

Dass der erst 2015 in Dienst gestellte Zerstörer „Changsha“, ein Vorzeigeschiff von Chinas rasant expandierender Marine, in der Ostsee die Jagd auf U-Boote üben soll – und dann auch noch im Paarlauf mit sieben Schiffen von Russlands Marine –, hat im Nato-Hauptquartier in Brüssel genauso Überraschung ausgelöst und Unbehagen bereitet wie bei den nordeuropäischen Anrainern. „Die Ostsee entwickelt sich nun zum Nordchinesischen Meer“, kommentiert mit Freude an griffiger Polemik die Stockholmer „Kvällsposten“ und weckt damit hässliche Assoziationen. Gilt doch das Südchinesische Meer mit der massiven Präsenz von US-Kriegsschiffen bei chinesischen Hegemonialansprüchen in dieser Region als gefährlichstes Pulverfass auf den Weltmeeren.

Alles halb so wild, hieß es zum Manöverauftakt aus Moskau und Peking; beide Länder führten doch schon seit 2012 jedes Jahr gemeinsame Seemanöver durch. Aber eben nicht wie jetzt mitten in einem europäischen Binnenmeer mit sechs Küstenländern aus dem Nato-Kreis. Als die drei Schiffe aus Fernost bei ihrer vierzigtägigen Anreise bis zum Südostzipfel der Ostsee auch britische, niederländische und dänische Gewässer passierten, wurden sie von jeweiligen Marineverbänden sorgsam eskortiert.

Putins Stich gegen die verhasste Nato-Expansion

Die gesteigerte militärische und publizistische Aufmerksamkeit dürfte im Interesse Pekings und Moskaus liegen. Während China das Ziel einer Flotte mit dem Anspruch globaler Präsenz seit Jahren propagiert und zusehends aktiver ansteuert, kann Russlands Präsident Wladimir Putin gegen die verhasste Nato-Expansion bis direkt vor die eigene Haustür einen neuen Stich setzen.

Dazu beitragen sollte wohl auch die medienwirksame Tour der „Dmitrij Donskoj“, des größten Atom-U-Bootes der Welt, vom arktischen Heimathafen Seweromorsk über 3000 Seemeilen entfernt zum Manövergrund. Das 175 Meter lange Ungetüm, eine schon betagte unterseeische Abschussrampe für Atomraketen aus dem Kalten Krieg, pflügte längs der Küsten von Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen und vorbei an den drei baltischen Ländern. In denen die Nato ja ihre militärische Präsenz kräftig ausdehnt.

Dass die „Dmitrij Donskoj“ nur, wie offiziell behauptet wird, mit zwei Zerstörern für eine Jubiläumsparade in St. Petersburg, zusammen mit den Partnern aus China, auf den weiten Weg geschickt worden ist, glauben heimische Kommentatoren nicht. „Diese starken Schiffe mit ihren Raketen erinnern den Westen daran, dass Russland seine Bastionen in der Ostsee nicht anderen überlassen wird“, hieß es bei der staatlichen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja.

Für Moskau fügt es sich, dass China auch hier der Militärlogik der Weltmacht USA die eigene durch Präsenz entgegenstellt: Wenn US-Schiffe über 10.000 Kilometer fern der eigenen Westküste im Südchinesischen Meer kreuzen und Manöver abhalten, sagt Peking: Warum sollten das die Schiffe der Volksbefreiungsmarine nicht auch fernab ihrer Heimathäfen dürfen in einem geopolitisch und als Transportweg ebenfalls hochwichtigem Gewässer?

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