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Russen sterben für Assad

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Von: Stefan Scholl

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Treue Verbündete: russische Soldaten auf Patrouille in Aleppo.
Treue Verbündete: russische Soldaten auf Patrouille in Aleppo. © © Ali Hashisho / Reuters (X01161)

Soldaten und Söldner zahlen den Preis für Putins Engagement im syrischen Bürgerkrieg.

Die Todesnachrichten aus dem syrischen Bürgerkrieg sind lange unterwegs nach Russland. Wie erst jetzt bekanntwurde, starben am vergangenen Donnerstag in der Provinz Homs vier russische Armeeangehörige. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau fuhr ihr Fahrzeug auf eine Mine, bei der Explosion starben vier Insassen, zwei weitere wurden schwer verletzt. Damit sind seit Beginn der russischen Militäraktion im September 2015 nach offiziellen Angaben 27 russische Soldaten im syrischen Bürgerkrieg getötet worden.

Die Moskauer Zeitung Kommersant berichtet, die Minenopfer seien Militärberater gewesen. Sie sollten demnach der syrischen Armee einen Plan des russischen Generalstabes überbringen. Allerdings sagten Verwandte eines der Toten, des Artillerieoffiziers Wadim Magamurow, der Zeitung, er sei durch feindlichen Beschuss umgekommen.

Todesumstände unklar

Die Moskauer Recherchegruppe Conflict Intelligence Team schließt nicht aus, dass Magamurow und seine Leute bei Artilleriegefechten mit dem terroristischen Islamischen Staat (IS) fielen. Einen Tag nach ihrem Tod zeigte die dem IS nahestehende Agentur Amaq ein Video von IS-Geschützen, die Artilleriestellungen der syrischen Armee beschießen und die Soldaten dort in wilde Flucht treiben.

Laut Kommersant diente Magumarow bei der Artillerie einer Motorschützenbrigade, die aus dem Gebiet Kemerowo kommt. So wie die 120. Artilleriebrigade, nach Angaben des Kommersants wurden die Haubitzen einer ihrer Batterien schon Ende 2015 in die umkämpfte Region bei Homs verlegt.

Artillerie zählt zu den Bodentruppen – dabei hatten russische Offizielle doch von Beginn an erklärt, man wolle in Syrien keine Bodentruppen einsetzen. Aber die Lage dort macht es dem russischen Oberkommando schwer, diese Linie einzuhalten. So wurde sie schon früh mit Söldnern und Hilfstruppen umgangen.

Im Dezember wurde bekannt, dass in Syrien Hunderte Kämpfer der tschetschenischen Nationalgarde im Einsatz sind. Und vor kurzem gab der Präsident der Nachbarrepublik Inguschetien, Junus-Bek Jewkurow, bekannt, dass ein Bataillon inguschetischer Militärpolizei die Tschetschenen ablöst.

Wie diese sei es für den Schutz der russischen Luftwaffenbasis Hmeimim sowie der Offiziere des russischen „Befriedungszentrums“ zuständig. Aber nach Meinung des Moskauer Nahostexperten Alexander Schumilin sind die Kaukasier vor allem im eroberten Aleppo im Einsatz: „Sie sollen sicherstellen, dass die iranischen Schiitenmilizen dort keine sunnitischen Einwohner massakrieren. Darauf hat sich Russland mit der Türkei geeinigt.“

Russlands Verbündete in Syrien gelten auch militärisch als unzuverlässig, vor allem die syrischen Regierungstruppen. Im vergangenen Dezember verloren sie die antike Stadt Palmyra an IS-Kämpfer, die sie mit russischer Unterstützung erst im März erobert hatten. Dass damals Hunderte russische Söldner der „Gruppe Wagner“ in vorderster Front kämpften, gilt in Russland als offenes Geheimnis.

Die „Gruppe Wagner“ ist eine private Söldnertruppe, benannt nach dem Kodenamen ihres Kommandeurs Dmitri Utkins. Offiziell sind private Militärverbände in Russland verboten, im Dezember aber tauchte Utkin, früher Militärgeheimdienstoffizier, bei einem Empfang im Kreml auf. Er wurde mit dem Tapferkeitsorden ausgezeichnet.

Verschiedene russische Medien zählen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium und ehemalige Söldner 27 bis zu 600 gefallene Wagner-Kämpfer.

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