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Ruprecht Polenz und Angela Merkel im Jahr 2000.

CDU

Ruprecht Polenz: Er twittert und twittert und twittert

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Der Merkelianer Ruprecht Polenz klinkt sich mit Verve in die politischen Debatten ein.

Die Tweets der letzten Stunden geben Aufschluss darüber, was Ruprecht Polenz so bewegt. So kritisiert er, dass Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) dem Sender Russia Today ein Interview gab, betont auf die AfD gemünzt, „mit rechtsradikalen Parteien geht man anders um als mit demokratischen“, und fragt, „ob der sich verfolgt fühlende“ Ex-Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, beim ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán „um Asyl gebeten“ habe. Maaßen hatte im ungarischen Staatsfernsehen erneut, wie es heißt, mit der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel „abgerechnet“ – jener Angela Merkel, die Polenz im April 2000 zum CDU-Generalsekretär erkoren hatte.

Der 72-Jährige, der 2013 aus dem Bundestag ausschied, hat seinen Twitter-Account schon seit März 2015. Erst vor knapp einem Monat hat er ihn aber so richtig aktiviert. Und die Art, wie der Unruheständler aus Münster ihn aktiviert hat, fällt auf. Da ist die schiere Zahl der Tweets. Es waren bis Freitag gegen 15 Uhr immerhin 927 und damit seit dem 17. März im Schnitt 34 pro Tag. In dieser Zeit gewann Polenz 4713 Follower – Tendenz steil steigend.

Polenz über Polenz: Ein Tweet des CDU-Politikers.

Unterdessen ist er bei Facebook kaum weniger zugange. Beim Telefonat via Skype aus Istanbul räumt Polenz lachend ein, dass „der Suchtfaktor“ von Social Media „nicht ganz klein“ sei, und fährt fort: „Wenn Sie jetzt meine Frau fragen würden, dann würde sie sagen: Na ja, das ist schon ein bisschen viel manchmal.“

Das wiederum hat viel mit Politik zu tun. Denn Polenz ist ein Liberaler in der CDU, ein „Merkelianer“. Die Merkelianer jedoch geraten unter Druck. Er sehe „mit Sorge, dass ein kleiner, aber lautstarker Teil der Partei das Gefühl hat, uns ginge es besser, wenn wir wieder so wären wie in den 80er Jahren“. Und mit Blick auf die politische Großwetterlage sagt er: „Ich hätte nicht geglaubt, dass dieses völkische Gedankengut in Deutschland wieder salonfähig werden könnte.“

Dem will Polenz, der im Lichte politischer Verschiebungen nach rechts zuweilen fast wie ein Linker erscheint, entgegenwirken und freut sich, dass „die Reichweite bei Twitter größer ist als bei Facebook“. „Ich möchte mich nach wie vor an politischen Debatten beteiligen und sie auch beeinflussen“, sagt er. Dabei ist nicht zuletzt der Tonfall bemerkenswert.

Als CDU-Generalsekretär galt Polenz als (zu) freundlich und (zu) intellektuell. Ein Beißer-General war er nicht, im Gegenteil. 19 Jahre später spitzt derselbe Polenz mit Wonne zu und sagt, bei Facebook habe er „besser gelernt, Dinge auf den Punkt zu bringen“. Bei Twitter gehe es wegen der Beschränkung auf 280 Zeichen jetzt „halt darum, noch etwas stärker auf diesen Punkt zu fokussieren. Das macht ja auch Spaß.“

Unlängst fragte Follower Dennis Münch: „Ist das eigentlich wirklich Ruprecht Polenz?“ Der indes hatte schon vorher einem anderen Zweifler geantwortet: „Doppelgänger gibt’s heute nur im Münster-Tatort. Ich bin echt.“

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