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Medwedew wirft Selenskyj Drogenkonsum vor und provoziert mit Landkarte

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Von: Felix Durach

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Der ehemalige russische Präsident Medwedew hat eine Karte veröffentlicht, auf der das Staatsgebiet der Ukraine zwischen drei Ländern aufgeteilt ist. Eine weitere Provokation aus Moskau.

Moskau – Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar dieses Jahres läuft die russische Propaganda auf Hochtouren. In regelmäßigen Abständen dringen diffamierende Aussagen über die Ukraine aus dem Kreml an die Öffentlichkeit. Neben Präsident Wladimir Putin selbst sorgen auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und Außenminister Sergej Lawrow nicht selten für verbale Entgleisungen mit Blick auf den Krieg gegen das Nachbarland. Auch der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder mit Provokationen für Aufsehen.

Der frühere Präsident bezeichnete unter anderem den Westen als „politisch impotent“ oder drohte dem Rest der Welt offen mit einem Atomschlag und einem dritten Weltkrieg. Provokation gehört scheinbar zum täglichen Handwerk des 56-Jährigen. Und auch in dieser Woche sorgte Medwedew wieder für Aufsehen.

News zum Ukraine-Krieg: Medwedew poltert auf Telegram gegen Selenskyj

Am Mittwoch veröffentlichte der enge Vertraute von Präsident Putin zwei Bilder mit Karten der Ukraine über seinen öffentlichen Telegram-Kanal. Auf der ersten Karte ist die Ukraine mit den Grenzen eingezeichnet, die bis 2014 de facto Bestand hatten. Neben den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk wird auf der Karte also auch die Schwarzmeer-Halbinsel Krim zum Gebiet der Ukraine gezählt. Diese wurde 2014 in einer völkerrechtswidrigen Annexion an Russland angeschlossen, wie merkur.de berichtet.

Eine Karte der Ukraine, auf der das Staatsgebiet der Ukraine zwischen Russland, Polen und Rumänien aufgeteilt dargestellt wird.
Diese Karte teilte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew über seinen Telegram-Kanal. Sie soll angeblich ein von „westlichen Analysten“ für wahrscheinlich gehaltenes Szenario nach dem Krieg zeigen. (Screenshot) © Telegram

„Das folgende Bild von der leuchtenden Zukunft seines Landes ist im von psychoaktiven Substanzen beeinflussten Gehirn des Präsidenten der Ukraine entstanden“, lautete Medwedews Kommentar zu der Karte. Wolodymyr Selenskyj wurde bereits in der Vergangenheit von russischen Offiziellen wiederholt als Drogenabhängiger bezeichnet.

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats Dmitri Medwedew in Moskau.
Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats Dmitri Medwedew ist in der Vergangenheit bereits vermehrt durch Provokationen aufgefallen. © DMITRY ASTAKHOV/AFP

News zum Ukraine-Krieg: Neue Provokation aus Moskau – Medwedew veröffentlicht falsche Karten der Ukraine

Auch wenn wohl weder Selenskyj, noch die ukrainische Regierung als Urheber der Karte auszumachen sind, machte Kiew in der Vergangenheit keine Geheimnisse aus den Zielen im Krieg gegen Russland. Allen voran steht das Zurückdrängen der russischen Truppen aus den besetzten Gebieten in der Ostukraine. Darüber hinaus betonte die Regierung, dass man die territoriale Integrität der Ukraine wiederherstellen wolle. Die 2014 von Russland völkerrechtswidrig annektiere Krim soll also auch de facto wieder an die Ukraine angeschlossen werden.

Eine Forderung, deren Erfüllung für Moskau undenkbar ist. Medwedew sagte zuletzt, jeder Versuch, Russland die Krim streitig zu machen, sei eine „Kriegserklärung an unser Land.“ Dann würde ein direkter Konflikt mit der Nato bevorstehen.

News zum Ukraine-Krieg: Medwedew veröffentlicht provokante Karte – Staatsgebiet der Ukraine zwischen drei Ländern aufgeteilt

Für deutlich mehr Aufregung sorgte jedoch die zweite Karte, die der 56-Jährige veröffentlicht hatte. Diese zeige ein Szenario, das von „westlichen Analysten“ für wahrscheinlich gehalten wird, so Medwedew. Um welche Analysten es sich dabei handeln und woher die Karte stammen soll, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrats jedoch nicht.

Auf der Karte wird das Staatsgebiet der Ukraine stark dezimiert angezeigt. Lediglich der Oblast Kiew um die gleichnamige Hauptstadt wird als ukrainisch angegeben. Das restliche Gebiet der Ukraine wird auf der Karte zwischen drei Ländern aufgeteilt dargestellt: Russland, Polen und Rumänien.

News zum Ukraine-Krieg: Russland, Polen und Rumänien – Sieht so das neue Kriegsziel von Russland aus?

Das russische Staatsgebiet erstreckt sich auf der Darstellung über die gesamte Ostukraine, östlich des Dneprs bis nach Kiew. Im Südwesten werden alle Gebiete bis zur Republik Moldau ebenfalls als russisch dargestellt. Ein Korridor entlang des Schwarzen Meers bis hin zur pro-russischen Pseudo-Republik Transnistrien in Moldau wurde in der Vergangenheit immer wieder als mögliches Kriegsziel von Moskau genannt. Das Erreichen dieses Vorhabens gilt jedoch mittlerweile als unwahrscheinlich.

Die Gebiete der Westukraine mit der Metropole Lviv werden auf der Karte dem Staatsgebiet von Polen zugeschrieben. Der Oblast Tscherniwzi und der Oblast Winnyzja nördlich der Republik Moldau werden wiederum als Teil von Rumänien dargestellt. Ob es sich bei der Darstellung tatsächlich um ein für Moskau angestrebtes Szenario handelt, ließ Medwedew offen. Als Provokation des 56-Jährigen in Richtung Kiew kann die Veröffentlichung der Karte aber definitiv angesehen werden.

News zum Ukraine-Krieg: Rumänisches Außenministerium weist Darstellung zurück – „Teil der Propagandainstrumente“

Das sah wohl auch das rumänische Außenministerium so. In einer Pressemitteilung wies Außenminister Bogdan Aurescu Medwedews Äußerungen am Donnerstag „entschieden zurück“. „Das Außenministerium ist der Ansicht, dass solche Aktionen Teil der Propaganda- und Desinformationsinstrumente sind, die von der Russischen Föderation seit langem verwendet werden und die nach Beginn des illegalen und illegitimen Angriffskriegs gegen die Ukraine verstärkt wurden“, heißt es in der Veröffentlichung weiter.

Medwedews Bestrebungen seien „völlig erfolglose Versuche, das eigene Verhalten gegen die regelbasierte internationale Ordnung zu rechtfertigen.“ Rumänien unterstütze uneingeschränkt die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine.

Offizielle Reaktionen aus Kiew oder Warschau auf die veröffentlichte Karte blieben bis Freitagnachmittag aus. Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die letzte Provokation von Medwedew in Richtung der Ukraine gewesen sein. (fd)

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