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Hofft auf Versöhnung: ehemaliger Soldat der muslimischen Rebellentruppe Seleka.

Zentralafrikanische Republik

Die Ruine wieder aufbauen

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Die Konfliktparteien in der Zentralafrikanischen Republik schließen ein Friedensabkommen.

Die ansonsten eher glücklose Afrikanische Union (AU) kann – zumindest vorübergehend – einen Erfolg verbuchen. Unter der Vermittlung des Staatenbunds hat die Regierung der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) am Samstag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum mit den Vertretern von 14 bewaffneten Gruppen einen Friedensvertrag unterzeichnet. Dieser soll die seit sechs Jahren anhaltende Gewalt in der Staatsruine beenden.

„Das ist ein großartiger Tag für die Bevölkerung des Landes“, jubelte der AU-Kommissar für Frieden und Sicherheit, Smail Chergui, am Wochenende: „Wir haben die Zentralafrikanische Republik wieder auf den Weg der Versöhnung, der Übereinkunft und Entwicklung gebracht.“

Ob der Vertrag diesmal hält, was er verspricht, ist allerdings noch ungewiss. In den vergangenen Jahren waren insgesamt sieben Vereinbarungen getroffen worden, die alle wieder gebrochen wurden. Die jüngste, zehntägige Verhandlungsrunde in Khartum war allerdings die erste, in der sich die Repräsentanten aller Gruppen persönlich gegenübersaßen. Ihr messen Experten deshalb ein größeres Gewicht als den vorangegangenen Verhandlungen bei.

Einzelheiten des Deals wurden bislang nicht bekanntgegeben. Als sicher gilt jedoch, dass die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit vereinbart worden ist und dass der bis zuletzt strittige Punkt einer Amnestie für die Rebellen geregelt worden ist.

Ende vergangenen Jahres war Alfred Yekatom, Chef einer christlichen Miliz, an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert worden. Die Einzelheiten des Vertrags sollen bei dessen Unterzeichnung noch in dieser Woche in der ZAR-Hauptstadt Bangui bekanntgegeben werden.

Die einstige französische Kolonie kam seit ihrer Unabhängigkeit vor fast 59 Jahren kaum einmal zur Ruhe: In dem zentralafrikanischen Staat fanden sechs Militärcoups statt, 13 Jahre lang wurde die Bevölkerung von dem angeblich auch Menschenfleisch essenden „Kaiser“ Jean-Bédel Bokassa beherrscht.

Während der sich unterscheidende religiöse Hintergrund der 4,5 Millionen ZAR-Einwohner zunächst politisch keine Rolle spielte, spitzten sich die Spannungen zwischen den muslimischen Peul und den christlichen Bevölkerungsgruppen in den vergangenen zehn Jahren zu. 2013 rückte die muslimische Rebellentruppe Seleka aus dem Norden des Landes auf Bangui vor, nahm die Hauptstadt ein und vertrieb den als hochgradig korrupt geltenden christlichen Präsidenten François Bozizé ins Exil. Daraufhin schlossen sich christliche Milizen in der sogenannten „Anti-Balaka“ zusammen. Der Allianz gelang es, die Seleka-Kämpfer wieder aus Bangui zu vertreiben. In den Milizenkämpfen kamen Tausende Menschen ums Leben, weite Teile des Landes wurden „ethnisch gesäubert“, es wurde von zahllosen Menschenrechtsverbrechen berichtet.

Ein Präsident ohne Macht

Zur Befriedung des Bürgerkriegs sandte Frankreich vor sechs Jahren mehr als 2000 Soldaten im Rahmen der „Operation Sangaris“ ins Land – die siebte militärische Intervention Frankreichs in der ehemaligen Kolonie. Später wurden die französischen Soldaten allmählich durch eine rund 13 000-köpfige Blauhelmtruppe der Vereinten Nationen – Minusca genannt – ersetzt.

Im Februar 2016 hatte sich die Lage in dem Bürgerkriegsstaat zumindest soweit stabilisiert, dass Faustin-Archange Touadéra zum neuen Präsidenten gewählt werden konnte. Doch dem 61-jährigen Mathematiker gelang es nicht, das Land unter Kontrolle zu bringen. Im vergangenen Jahr nahmen die Gewalttätigkeiten zwischen christlichen und muslimischen Milizen wieder zu – aber auch innerhalb der inzwischen tief zerstrittenen Allianzen. Käme es auch diesmal zu keinem Friedensschluss, stehe der ZAR eine „humanitäre Katastrophe“ bevor, sagte ein Sprecher des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC) vor der Aufnahme der Gespräche in Khartum: Jetzt besteht zumindest die Chance, dass diese Katastrophe verhindert wird.

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