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Rechter Fackelmarsch gegen Asylbewerber in Schneeberg.
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Rechter Fackelmarsch gegen Asylbewerber in Schneeberg.

NPD und Sex-Affäre

Ruhm und Ehre und Peniskuchen

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Wozu noch ein Verbotsverfahren? Das kann die NPD selbst viel besser. Sie zerlegt sich gerade durch Sex-Skandälchen, der Wiedereinzug in den Sächsischen Landtag wird unwahrscheinlich

Ein Kuchen in Penisform? Partybilder mit einem Pornostar? Die rechtsextreme NPD tut gerade eine Menge, um sich selbst zu zerlegen. Am Sonntag musste Peter Marx, Generalsekretär und maßgeblicher Strippenzieher der NPD, zurücktreten. Fotos zeigten den 57-Jährigen auf einer höchst anrüchigen Geburtstagsfeier in Saarbrücken. Die muntere Runde aus NPD-Leuten, Hooligans und Rockern amüsiert sich über einen Kuchen in Penisform, eine Stripteasetänzerin ist mit von der Partie, außerdem ist eine Dame anwesend, die seit Wochen für Unruhe im braunen Milieu sorgt: Ina Groll, eine frühere Pornodarstellerin. Sie wollte der NPD nur Gutes tun. 

Aber es kam anders. NPD-Chef Udo Pastörs, Fraktionschef im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, grummelte zornig und erklärte die Bilder für „unappetitlich“. Marx gab daraufhin Sonntag sein Amt ab, natürlich aus Verantwortungsbewusstsein, nicht, weil er sich persönlich etwas zu Schulden haben kommen lassen. Außerdem schimpfte er noch einmal auf Spiegel-Online, er werde sich nicht verbieten lassen, mit wem er Kontakt habe.

Das ungewöhnliche Backwerk und die engen Kontakte zu Frau Groll alias Kitty Blair sorgen für eine große Menge Ärger innerhalb der rechten Szene. Sie könnten der NPD das Wahljahr endgültig verhageln. Im Mai ist Europawahl, 2014 sind Kommunalwahlen in zehn Bundesländern, im Spätsommer ist die für die klamme und vom Verbotsverfahren bedrohte NPD so wichtige Landtagswahl in Sachsen – und die Landtagswahl in Brandenburg und Thüringen. In Sachsen peilen die Neonazis den Wiedereinzug ins Dresdner Parlament an. Sie liegen aber in Umfragen deutlich unter den nötigen fünf Prozent. Auch macht der NPD in Sachsen der Aufstieg der Alternative für Deutschland (AFD) große Sorgen. Die AFD könnte weitere Stimmen kosten.

Zum „Kampfjahr“ hatte Pastörs das Jahr 2014 erklärt, mit harter Hand wollte er seine Partei von Sie zu Sieg führen. Statt dessen geht es nun um schlüpfriges Backwerk. Statt sich um Wahlen zu kümmern, ereifert sich die braune Szene im Internet an immer neuen Erkenntnissen über das Schaffen der Kitty Blair. Die Blondine, selbst nicht NPD-Mitglied, hatte seit Ende 2013 Werbung für die Partei im Internet gemacht: „Nationalismus darf auch sexy sein.“ Außerdem trat sie knapp bekleidet auf einem Weihnachtsmarkt in Duisburg für die NPD auf.

Verschwörungstheorien im Netz

Das alles ging so lange, bis einige Kameraden im Netz das filmische Werk näher untersucht hatten und fündig geworden waren. Wüste Beschimpfungen tauchten auf, weil sie in einem ihrer früheren Filme auch Sex mit einem schwarzen Darsteller hatte. Daraufhin warfen ihr Kameraden „Rassenschande“, „Hochverrat am deutschen Volk“ und ähnlich Dinge vor. Ein hämischer und hasserfüllter Shitstorm prasselte auf Frau Groll nieder und Frau Groll war enttäuscht von der NPD.

Ende März ließ die NPD-Führung dann mitteilen, Frau Groll sei eine „unerwünschte Person“ und dürfe nicht mehr an NPD-Veranstaltungen teilnehmen. Daraufhin schnappte auch sie endgültig ein und stellte angeblich einen Aufnahmeantrag bei der neonazistischen Splitterpartei „Die Rechte“ in Rheinland-Pfalz.

In rechten Kreisen kursiert sogar die Verschwörungstheorie, Frau Groll sei eine Geheimwaffe des Verfassungsschutzes gewesen, eine Art blonde Bombe, in die NPD eingeschmuggelt, um den braunen Laden in die Luft gehen zu lassen. Oder die „Systempresse“ oder demokratische Politiker hätten sich den teuflischen Plan ersonnen, die Partei, die gerne von Ruhm und Erde redet, in die Pornofalle tapsen zu lassen.

Nun also die Peniskuchen-Affäre, dabei hat die NPD gerade den Rückzug ihrer einstigen Führungsfigur Holger Apfel verdaut. Auch der frühere Bundeschef, Fraktionsvorsitzender im Dresdner Landtag, hatte die NPD Knall auf Fall verlassen und alles hinter sich abgerissen. Zuerst hieß es, Apfel sei körperlich am Ende, ausgelaugt von der Arbeit für die braune Sache. Dann allerdings tauchten unschöne Gerüchte auf, er habe zwei junge Kameraden sexuell belästigt. Und das war dann das Karriereende.

Groß „aufräumen“ wollte Udo Pastörs in der NPD, als er im Januar Parteichef wurde und den gestrauchelten Apfel beerbte. Viel ist nicht geworden. Nun muss er die Krümel einer Geburtstagsparty aus Saarbrücken zusammenfegen.

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