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Können wahrscheinlich alle bald nach Polen – oder nach Hause: US-Panzer in Deutschland.

Truppenabzug

Ruhe vor dem Abzug

Die Reaktionen auf Donald Trumps Plan, US-Truppen aus Deutschland zu verlegen, fallen eher ruhig bis ungläubig aus

Marie-Agnes Strack-Zimmermann fand am Tag danach wohl die deutlichsten Worte: Den angekündigten Abzug von knapp 12 000 US-Soldaten aus Deutschland wertete die FDP-Verteidigungsexpertin im „Morgenmagazin“ des ZDF am Donnerstag als „erst mal eine persönliche Abrechnung eines Präsidenten“, „eine Kamikazeaktion“ von Donald Trump. Der treffe statt Deutschland die Nato insgesamt. Und so schlage der Abzug auch zurück auf die Amerikaner, so Strack-Zimmermann. Lachender Dritter sei der russische Präsident Wladimir Putin.

Ob der Herr im Kreml wirklich über den Herrn im Weißen Haus lachte, ist nicht bekannt. Jedenfalls reagierte das offizielle Russland am Donnerstag betont zurückhaltend: „Es ist noch zu früh, um diese Pläne zu bewerten“, sagte Vizeaußenminister Alexander Gruschko. Man werde genau beobachten, wie die Neuaufstellung der US-Truppen in Europa am Ende erfolge.

Umso entschiedener geben sich Politiker in den USA. Dort schlägt Trump, der den Abzug mit mangelnden deutschen Rüstungsausgaben zu erklären versucht, selbst aus seinen eigenen Reihen Kritik entgegen. Senator Mitt Romney sagte, Trumps Plan sei „ein Schlag ins Gesicht eines Freundes und Verbündeten“. Und aus dem Wahlkampfteam von Trumps demokratischem Konkurrenten Joe Biden twitterte Andrew Bates: „Dies ist ein Geschenk an Putin, der seit langem versucht, das Bündnis zu schwächen.“ Die Steuerzahler in den Vereinigten Staaten müssten dann Milliarden von Dollar für den Abzug zahlen, der weder US-Interessen diene noch die Nato stärke oder zur Abschreckung Russlands beitrage.

Ein Teil der US-Truppen soll in die Heimat zurückkehren, ein Teil in andere europäische Länder verlegt werden, etwa nach Polen. Die US-Hauptquartiere für Europa und für Afrika sollen von Stuttgart nach Mons in Belgien verlegt werden. Dort allerdings ist man überhaupt nicht auf den Einzug der Amerikaner vorbereitet, weder baulich, noch infrastrukturell oder kommunikationstechnisch. Und so sieht unter anderem der CDU-Politiker Friedrich Merz noch Chancen für Korrekturen bei Trumps Plan. Im US-Kongress gebe es erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben, sagte Merz am Donnerstag dem Deutschlandfunk. Insofern sei das Ganze ein „Weckruf, aber kein Anlass zur Panik“.

Ähnlich ruhig geht Wolfgang Hellmich von der SPD die Angelegenheit an: Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag sagte am Donnerstag im Berlin-brandenburgischen Rundfunk, wenn man in die Details der Pläne für den Abzug schaue, „dann bin ich mir sicher, dass es in Bezug auf die Verteidigungsfähigkeit und die Fähigkeiten der Nato in Europa keine Schwächung geben wird oder geben soll.“ Außerdem sei auch noch unklar, wann der Truppenabzug stattfinden solle. Hellmich bewertet die Ankündigung wie Merz als einen – unsinnigen – politischen Seitenhieb, um Deutschland unter Druck zu setzen „oder deutlich zu machen: ‚Wir sind mit euch nicht so einverstanden.‘“ afp/dpa

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