+
Twitter ist aus dem US-Wahlkampf nicht mehr wegzudenken.

US-Wahl auf Twitter

Die Ruhe nach dem Trump-Schock

  • schließen

Twitter war ein wichtiger Teil des US-Wahlkampfs - doch nach dem Schock der Trump-Wahl sind plötzlich die Protagonisten auf Twitter verstummt. Nur Donald Trump meldet sich mit mehreren Stunden Verspätung ungewohnt zahm zu Wort.

Aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf ist der Mikroblogging-Dienst Twitter seit Barack Obamas Social-Media-Wahlkämpfen 2008 und 2012 nicht mehr wegzudenken. Auch in diesem Jahr war das soziale Netzwerk ein wichtiger Teil des Wahlkampfs, vor allem Donald Trump sorgte mit seinen Tweets für mächtig Wirbel. Regelmäßig wurde er dort ausfällig, beschimpfte Konkurrenten und stachelte seine Anhänger auf. Schon bevor die Bevölkerung im Jahr 2016 an die Wahlurnen schritt, wurden eine Milliarde Tweets rund um die Wahl abgegeben.

Umso ungewöhnlicher ist es, dass selbst Stunden nach dem offiziellen Sieg Donald Trumps zunächst keiner der politischen Protagonisten auf Twitter Stellung bezieht. Der künftige US-Präsident Trump lässt sich - ungewohnt für ihn - nicht in dem sozialen Netzwerk feiern, sondern meldet sich erst gut vier Stunden nach seinem Wahlsieg mit einem ungewohnt zahmen Tweet zu Wort. Der künftige Vize-Präsident Mike Pence äußert sich nicht.

Such a beautiful and important evening! The forgotten man and woman will never be forgotten again. We will all come together as never before

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump)

9. November 2016

Auch im demokratischen Lager bleiben die Twitter-Accounts stumm: Hillary Clinton hat sich zuletzt tief in der Nacht mit einem Dank an ihre Wahlhelfer gemeldet, ihr Vize-Kandidat Tim Kaine bleibt zunächst genauso stumm wie Wahlkampfmanager John Podesta oder der amtierende Präsident Barack Obama und dessen Frau Michelle.

Dabei hatten gerade die Obamas soziale Medien als Wahlkampfinstrument in den USA salonfähig gemacht und nach dem zweiten Wahlsieg Obamas im Jahr 2012 für einen neuen Rekord auf Twitter gesorgt. Als der Wahlsieg im November 2012 feststand, twitterte Obama ein Bild, das in die Geschichte des Mikrobloggingdiensts einging. Zu sehen war das Ehepaar Obama in einer Umarmung, zusammen mit dem Kommentar "Vier weitere Jahre" ("Four more years"). Das Bild wurde binnen kürzester Zeit zum am häufigsten geteilten Tweet, bis heute wurde es mehr als 900.000 Mal retweetet.

Four more years. pic.twitter.com/bAJE6Vom

— Barack Obama (@BarackObama)

7. November 2012

Der am häufigsten geteilte Tweet im Präsidentschaftswahlkampf 2016 stammt - obwohl Donald Trump mit seinen Tweets mehr Aufsehen erregte - von Hillary Clinton: "Lösche deinen Account", schrieb sie Anfang Juni an Donald Trump gerichtet, als der sich darüber echauffierte, dass Barack Obama Clinton als seine Nachfolgerin empfahl. Doch mit dem vier Jahre alten Obama-Tweet kann Clinton nicht mithalten: Knapp 540.000 Mal wurde ihr Tweet geteilt.

Delete your account.

— Hillary Clinton (@HillaryClinton)

9. Juni 2016

Die am häufigsten geteilte Nachricht des künftigen US-Präsidenten Trump wurde gar nur knapp 170.000 Mal geteilt. Es war eine Antwort auf Clintons "Lösche deinen Account"-Tweet und griff die Demokratin einmal mehr frontal an: "Wie lange hat dein Team aus 823 Personen gebraucht, sich das auszudenken - und wo sind die 3.000 Mails, die du gelöscht hast?", fragte Trump.

Ab seinem Amtsantritt im Januar wird Donald Trump einen neuen Twitter-Account bekommen: Die offiziellen Accounts des US-Präsidenten (@POTUS) und der First Lady (@FLOTUS) gehen auf den neuen Amtsinhaber und dessen Frau über. Ob Donald Trump sich auf Twitter dann weiter so gibt, wie er es im Wahlkampf getan hat, bleibt abzuwarten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion