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In vielen Bundesländern gilt nun: Keine Schule bis zum Ende der Osterferien.

Schulschließungen und Besuchsverbote wegen Corona

Rufe nach Hilfe für Eltern und Senioren Kinder hüten im Homeoffice?

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In Deutschland schließen Schulen und Kitas flächendeckend. Wie wirkt sich das auf den Alltag von Kindern, Eltern und Großeltern aus?

Die Bundesländer reagieren auf die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2. Ab kommenden Montag schließen fast alle Bundesländer ihre Schulen. Zum Teil sind auch Kindertagesstätten von der Regelung betroffen. Das gaben am Freitag Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, das Saarland, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen bekannt. In Hessen zeichnete sich eine ähnliche Entscheidung ab.

In Bayern soll laut der bayerischen Regierung eine Notfallbetreuung eingerichtet werden – und zwar für die Fälle, in denen nur ein Elternteil das Kind betreuen kann, aber zugleich in einem systemkritischen Beruf arbeitet: wie Ärzte, Polizisten oder Krankenpfleger. Auch die niedersächsische Landesregierung kündigte eine Notbetreuung für Kinder an, deren Eltern in Pflege und Medizin, aber auch bei der Polizei oder der Feuerwehr arbeiten. Das Saarland, wo ab Montag alle Schulen und Kindertageseinrichtungen geschlossen bleiben sollen, kündigte ebenfalls an, eine Notversorgung der Betreuung für Familien sicherzustellen. In Hamburg und Berlin forderten Abgeordnete eine Notbetreuung.

Der Kinderschutzbund hält Schul- und Kita-Schließungen für „verantwortungsvoll und richtig“, wie Präsident Heinz Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagt. „Die Ausbreitung des Coronavirus stellt uns alle vor Herausforderungen. Wissenschaftler betonen, wie wichtig es ist, soziale Kontakte auf das Notwendige zu beschränken“, so Hilgers. Die gesamte Gesellschaft sei nun gefordert, „gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie Kinder dennoch gut und sicher betreut werden können.“ Eine Möglichkeit sei das Homeoffice für berufstätige Eltern, doch das werde nicht für alle möglich sein. Deshalb betonte er: „Die Länder sind auch in der Verantwortung, geeignete Notbetreuung und auch unkomplizierte Hilfe im Einzelfall unbürokratisch und flexibel zur Verfügung zu stellen.“

Der Marburger Bund forderte ebenfalls eine entsprechende Ausnahme für Kinder von Ärzten und medizinischem Personal – und zwar bundesweit. „Es müssen in allen Bundesländern alternative Betreuungsangebote für Kinder geschaffen werden, deren Eltern in Gesundheitseinrichtungen oder anderen unverzichtbaren Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge arbeiten“, sagte Susanne Johna, die erste Vorsitzende des Marburger Bundes.

Die Frage nach der Kinderbetreuung ist deshalb so brisant, weil Großeltern dafür kaum infrage kommen. Bei älteren Menschen kann die Krankheit besonders gefährlich verlaufen. Der Freistaat Bayern und ähnlich NRW untersagen daher sogar Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Das Besuchsrecht werde deutlich eingeschränkt, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag in München.

Das hat Folgen für die Isolierten. Mathilde Langendorf, Sprecherin der Caritas, spricht von einem „Einsamkeitsrisiko“. „Es gibt aber auch schon eine Reihe von Initiativen“, sagte sie dem RND. In sozialen Netzwerken bieten Menschen unter dem Hashtag #Coronahilfe Unterstützung an, etwa bei Einkäufen für ältere Menschen in der Umgebung. „Manche hängen auch einen Zettel im Treppenhaus aus“, so Langendorf. Wer sich engagieren will, könne sich an den entsprechenden Ortsverband wenden.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bestätigte, dass ihre Pflege-Einrichtungen die Besuchskontakte beschränken können, um das Risiko zu minimieren, dass das Virus in die Einrichtung getragen wird. „Ältere pflegebedürftige Menschen stellen immer eine besondere Risikogruppe hinsichtlich Infektionskrankheiten dar“, sagte eine Sprecherin. Um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, würden die bestehenden Notfallpläne umgesetzt. Die Pflegeeinrichtungen seien sensibilisiert und geschult, Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen genauestens einzuhalten. 

Von Johanna Stein und Tobias Dinkelborg mit dpa

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