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Rüstungsprojekte sind zu teuer und zu spät

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Von: Steffen Hebestreit

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Kampfhubschrauber "Tiger" über Afghanistan.
Kampfhubschrauber "Tiger" über Afghanistan. © dpa

Kaum ein größeres deutsches Rüstungsprojekt der letzten Jahrzehnte hat den Zeit- oder den Kostenrahmen eingehalten. Warum ist das eigentlich so? Und wieso ändert sich daran nichts?

Der Vogel hieß früher „Jäger 90“. Das mag ein zarter Hinweis darauf sein, wie langwierig die Entstehungsgeschichte des neuesten Kampfflugzeuges der Luftwaffe gewesen ist. Irgendwann in den 90er Jahren verfiel Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) auf die glorreiche Idee, den Vogel in „Eurofighter 2000“ umzutaufen, um nicht ständig an dessen Entstehungsgeschichte erinnert zu werden.

Gesagt, getan. Es sollte weitere drei Verteidigungsminister brauchen, bis Franz Josef Jung (CDU) im Jahr 2006 endlich den ersten „Eurofighter“ (die 2000 war längst vergessen) begrüßen durfte. Und es wird nun noch mindestens eine weitere Legislaturperiode dauern, bis die Luftwaffe ihre Staffel von 143 Kampfflugzeugen vom Typ „Eurofighter“ endlich komplett hat, wie das Ministerium Montag bestätigte.

Die Opposition spricht von Inkompetenz und geißelt das Unvermögen des Verteidigungsministeriums unter Thomas de Maizière (CDU). Insbesondere in Zeiten des Wahlkampfs ist der Vorwurf recht und billig. Wobei sich der „Eurofighter“ nahtlos einreiht in eine Serie von Rüstungsprojekten der vergangenen Jahrzehnte, die ungeachtet der politischen Ausrichtung der Bundesregierungen allesamt dem gleichen Motto zu folgen scheint: zu teuer, zu spät.

Kaum ein größeres Rüstungsprojekt der jüngeren Zeit hat den Zeit- oder den Kostenrahmen eingehalten. Warum ist das eigentlich so? Und wieso ändert sich daran nichts?

„Wir bewegen uns an der vordersten Front des technologischen Fortschritts“, hat Verteidigungsminister de Maizière dazu unlängst erklärt. Tatsächlich lassen sich Rüstungsgüter bekanntlich nicht „von der Stange“ kaufen. Verteidigungspolitiker wissen das, und die Industrie weiß es auch. Und beide Seiten haben sich auf diese Tatsache bestens eingestellt.

Für die heimische Industrie

Der „Eurofighter“, der Kampfhubschrauber „Tiger“ oder die Korvette K130 sind Milliarden-Projekte, die nicht allein den Streitkräften zugutekommen sollen, sondern immer auch der (heimischen) Industriepolitik dienen müssen. So vergeben die Staaten der Europäischen Union mit Vorliebe größere Aufträge an den deutsch-französischen Rüstungskonzern EADS. Die Briten wählen ihre Rüstungsschmiede BAE, die US-Amerikaner hegen und pflegen wiederum einheimische Unternehmen wie Northrop Grumman, Boeing oder Lockheed-Martin.

Damit Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien gleichermaßen von dem Jet profitieren und heimische Arbeitskräfte beschäftigen können, muss der Konzern EADS die einzelnen Modellteile des Jets quer über den Kontinent fliegen, bevor sie montiert werden können. Industriepolitisch mag das sinnvoll sein, unter Kostengesichtspunkten eher nicht.

Mühsame Entwicklung

Nicht nur die Industrie, auch Politik und Militär wissen ihrerseits um ihre Macht. Schließlich können die Rüstungskonzerne ins Ausland nur verkaufen, was in EU-Armeen auch genutzt wird. Rüstungsprojekte sind teure Entscheidungen, die auf Jahrzehnte hin angelegt sind. Die Militärs dringen deshalb auf eine optimale, dem neuesten Stand der Technik entsprechende Ausstattung der Flugzeuge, Schiffe oder Fahrzeuge. Die Produkte müssen deshalb erst mühsam und in vergleichsweise kleiner Stückzahl entwickelt werden – was die Produktionskosten in die Höhe treibt.

Ein Kostenfaktor dabei sind aber auch die „Goldrandlösungen“, wie sie in der Bundeswehr genannt werden. Die Militärs wünschen sich das Optimum des Möglichen, und stellen die Ingenieure damit oft vor schwer lösbare Aufgaben. Ein schönes Beispiel dafür ist der neue Militärtransportflieger A400M. Das Ungetüm soll in der Lage sein, mit einer Zuladung von 37 Tonnen auf einer kurzen Sandpiste zu starten.

Kostenspirale mit Ansage

Das kann bislang kein Flugzeug auf der Welt. Allein die Entwicklung der dafür nötigen Propeller-Turbine verschlang mehrere Milliarden Euro. Hinzu kam, dass die Auftraggeber verlangten, auch der Motor sollte aus europäischer Produktion stammen, wo es kaum Erfahrung mit diesem Motorentyp gab. Das Ergebnis: Der Transportflieger wird fünf Jahre später als erwartet ausgeliefert – im Herbst 2014.

Auch der A400M kommt teurer als geplant. An dieser Stelle befinden sich Industrie, Militär und Politik in einer unguten Allianz zulasten des Steuerzahlers. Die Kosten werden stets sehr konservativ berechnet. Im Verlauf der Produktion muss dann wegen „unerwarteter“ Schwierigkeiten weiteres Geld nachgeschossen werden, um das Projekt nicht zu gefährden.

Denn das „Euro-Hawk“-Debakel hat gezeigt, was schlimmer ist, als ein Projekt, das teurer wird als geplant: ein Rüstungsprojekt, das aus Kostengründen beendet wird.

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