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Boris Johnson gilt in der May-Nachfolge als Favorit. 

Boris Johnson ist Favorit

Rücktritt von May: Die Schlammschlacht bei den Tories beginnt

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Theresa May ist zurückgetreten. Doch wer tritt bei den Tories ihre Nachfolge an? Elf Leute bewerben sich um den Posten. 

Der Startschuss ist gefallen: Am späten Montagnachmittag lief die Bewerbungsfrist um den Vorsitz der Tory-Partei ab. Elf Frauen und Männer haben Anspruch auf die Nachfolge Theresa Mays als Chefin der Konservativen und damit automatisch auch als Premierministerin erhoben. 

Brexit-Vormann Boris Johnson klarer Favorit

Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe stand allerdings nicht fest, ob sie auch alle die kürzlich erst aufgestellte Hürde von mindestens sieben Unterstützern aus der eigenen Fraktion meistern würden. Als klarer Favorit geht der Brexit-Vormann Boris Johnson ins Rennen, gefolgt von den Kabinettsmitgliedern Jeremy Hunt, Michael Gove und Matthew Hancock.

Den Parteistatuten zufolge steht für Donnerstag der erste geheime Wahlgang innerhalb der Fraktion an. Das Schlusslicht dieser Abstimmung fällt auf jeden Fall aus dem Rennen; erfahrungsgemäß ziehen aber auch andere schlecht platzierte Kandidaten sich zurück und schließen sich aussichtsreicheren Bewerbern an. Kommende Woche müssen die 313 Tory-Abgeordneten so oft abstimmen, damit spätestens am 20. Juni nur noch zwei Bewerber übrig sind. Die stellen sich dann einer Urwahl durch rund 160 000 Parteimitglieder.

Wahlkampf um die May-Nachfolge

Den Montag nutzten eine Reihe der Anwärterinnen und Anwärter für ihren persönlichen Startschuss. Mit besonderer Spannung sah das politische London dem Auftritt von Umweltminister Michael Gove entgegen. Die Kampagne des 51-Jährigen mit bisher 33 Unterstützern war am Wochenende ins Straucheln gekommen: Die bevorstehende Veröffentlichung eines neuen Buches zwang ihn zum Bekenntnis, er habe in seiner Zeit als „Times“-Leitartikler vor 20 Jahren Kokain konsumiert. „Ich bedauere das zutiefst. Es war ein Fehler“, sagte er der „Daily Mail“.

Großbritannien setzt auf harte Strafverfolgung und soziale Ächtung von Drogenhändlern und Konsumenten. Gove hätte mit einer Gefängnisstrafe auf Bewährung rechnen müssen, wenn ihn die Polizei mit einer kleinen Menge harter Drogen für den Eigenbedarf erwischt hätte. Junge Lehrerinnen erwartet in so einem Fall ein mehrjähriges Berufsverbot. Dass diese Vorschrift in Goves Zeit als Bildungsminister (2010-14) eingeführt worden war, legten ihm Gegner innerhalb und außerhalb der Partei zur Last. Es handle sich um „atemberaubende Heuchelei“, sagte die frühere Konservative Anna Soubry, mittlerweile Leiterin der kleinen Partei Change UK. Gove solle „seine Kandidatur zurückziehen“, forderte Baroness Sayeeda Warsi, eine frühere Tory-Generalsekretärin.

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Das Straucheln des Kollegen gab am Montag Jeremy Hunt, 52, Auftrieb. Der in neun Jahren im Kabinett (zuvor in den Ressorts Kultur und Gesundheit) gestählte Außenminister setzt auf „Erfahrung statt Rhetorik“ – eine klare Spitze gegen Vorgänger Johnson im Außenamt. Zu Hunts 34 Unterstützern zählen die Kabinettskolleginnen Amber Rudd (Soziales) und Penelope Mordaunt (Verteidigung), womit der Minister zwei wichtige Flügel der Partei in der alles entscheidenden Brexit-Debatte hinter sich weiß. 

Rudd sprach im Referendumskampf für den EU-Verbleib, Mordaunt plädierte für den Austritt. Hunt selbst will den Brexit vor dem 31. Oktober bewältigen und behauptet, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe ihm Neuverhandlungen zugesagt. „Ohne Brexit wird es keine konservative Regierung geben, womöglich nicht einmal mehr eine konservative Partei.“

Brexit-Party des Nationalpopulisten Nigel Farage erfolgreich bei Europawahlen

Die Furcht teilen viele Torys, ziehen daraus aber unterschiedliche Schlüsse. Die Brexit-Party des Nationalpopulisten Nigel Farage erreichte bei der Europawahl im Mai 31,6 Prozent mit der Forderung nach dem chaotischen Austritt ohne Vereinbarung („No Deal“), die Konservativen belegten Platz Fünf (9,2).

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Brexit-Ultras wie der kurzzeitige Austrittsminister Dominic Raab (23 Unterstützer) und Ex-Sozialministerin Esther McVey tanzen nun nach Farages Pfeife: Ende Oktober soll um jeden Preis der No Deal erfolgen, notfalls müsse dafür das Unterhaus in Zwangsferien – die „Prorogation“ – geschickt werden. Letztere Idee verwarfen die gemäßigten Brexiteers Andrea Leadsom und Rory Stewart als „unparlamentarisch und undemokratisch“.

Vom No Deal spricht Boris Johnson

Ebenfalls vom No Deal spricht Boris Johnson; der von 60 Abgeordneten unterstützte Kandidat will auch die Zahlung der im Austrittsvertrag festgelegten mindestens 39 Milliarden Euro verweigern. Schließlich gehe es um „unser Geld“, sagte der 54-Jährige der „Sunday Times“. Das sehen Juristen und Diplomaten beider Seiten differenzierter. In der Summe sind langfristige Verpflichtungen enthalten, die Großbritannien als EU-Mitglied gemeinsam mit den 27 Partnern eingegangen ist. Dazu zählen auch Pensionszahlungen anjene Untertanen Ihrer Majestät, die als EU-Beamte arbeiten. „Unsere Versprechen zu brechen wäre ein wirklich exzellenter Beginn unserer Existenz als Land auf der Suche nach neuen Handelsverträgen“, ironisiert Peter Ricketts, früherer Behördenleiter des Foreign Office, Johnsons Gerede.

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