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Großbritanniens Entwicklungsministerin Clare Short verlässt das Kabinett. Ihre Begründung: Premierminister Blair habe sein Vrsprechen gebrochen, den Wiederaufbau Iraks unter die Aufsicht der UNzu stellen.
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Großbritanniens Entwicklungsministerin Clare Short verlässt das Kabinett. Ihre Begründung: Premierminister Blair habe sein Vrsprechen gebrochen, den Wiederaufbau Iraks unter die Aufsicht der UNzu stellen.

Rücktritt mit geschwundener Signalwirkung

Umstrittene britische Ministerin Short verlässt Kabinett wegen Kritik an Blairs Kriegspolitik

Von Peter Nonnenmacher (London)

Blairs "heimliche Aushandlung" einer UN-Resolution, die das Gegenteil dessen bezwecke, was der Premier ihr zugesagt habe, mache es ihr "unmöglich, länger im Kabinett zu bleiben", meinte die scheidende Ministerin. Mit seiner Position, die die UN ins Seitenaus dränge und den Wiederaufbau Iraks letztlich erschwere, begehe Blair "unglaublich ernste Fehler". Insgesamt sei "die Position des Vereinigten Königreichs vollkommen unehrenhaft".

Vom Regierungschef wurden die scharfen Schüsse Shorts nicht erwidert: Blair dankte ihr nur für ihre Arbeit und setzte die bisherige Außenamts-Staatssekretärin Baronin Amos als Nachfolgerin an die Spitze des Entwicklungsministeriums. Die Oberhaus-Parlamentarierin wird das erste weibliche Kabinettsmitglied schwarzer Hautfarbe in Großbritannien sein.

In der Labour-Fraktion wurde Shorts Rücktritt mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einige Abgeordnete bedauerten den Abgang der Politikerin, die sich stets als "das Gewissen der Partei" in der Regierung betrachtet hatte. Andere erklärten, Short habe in den vergangenen Wochen "alles Vertrauen verspielt". Ihr Rücktritt sei als politisches Signal nur noch von sehr geringem Wert. In der Tat war erwartet worden, dass Blair Short bei der Regierungsumbildung im Sommer entlassen würde. Mit ihrem Rücktritt, hieß es gestern in Westminster, sei sie dem Verstoß aus dem Kabinett zuvorgekommen. Ein gereiztes Verhältnis zwischen ihr und dem Premier bestand, seit sie Blair vor Beginn des Irak-Kriegs in einem Interview als "leichtfertig" beschimpft und mit Rücktritt gedroht hatte. Wegen der angespannten Fraktionslage konnte es sich Blair damals (noch) nicht erlauben, der widerborstigen Ministerin die Tür zu weisen.

Als die britische Regierung aber ohne UN-Mandat in den Krieg zog, besann sich Short überraschend anders und verblieb lieber im Kabinett: Sie wolle sich "nicht davonstehlen", meinte sie, weil sie nach dem Krieg für den Wiederaufbau noch gebraucht werde. Der drastische Kurswechsel kostete sie nach der ursprünglichen Rücktrittsdrohung auch auf der Labour-Linken so gut wie alle Glaubwürdigkeit. Vorige Woche provozierte sie ihre Kabinettskollegen weiter, als sie einer Sitzung und einer äußerst wichtigen Unterhaus-Abstimmung fernblieb.

Der Rücktritt Shorts beendet wohl die schillernde Karriere eines langjährigen Labour-Stars. Seit die Tochter irischer Eltern 1983 in ihrer Geburtsstadt Birmingham ihr erstes Abgeordnetenmandat errang, war sie eine der profiliertesten Figuren des progressiven Parteiflügels. In den frühen Tagen machte die scharfzüngige Politologin durch ihr Engagement gegen die "britische Besetzung" Nordirlands von sich reden, durch Kritik an den Pin-up-Seiten der Boulevardpresse und durch ihr Befürworten der Kannabis-Legalisierung.

Später, als Führungsmitglied Labours, konzentrierte sie sich auf internationale Politik und beeindruckte linke Parteigänger durch Proteste gegen die offizielle Labour-Linie. Ihrer Popularität keinen Abbruch tat die "Wiederentdeckung" ihres Sohnes Toby, den sie als 18-Jährige zur Adoption freigegeben und danach aus den Augen verloren hatte.

Probleme bescherten ihr als Ministerin aber ihre Unfähigkeit, sich Kritik an der Regierung zu verkneifen. Ihr "loses Mundwerk" und eine "fatale Selbstüberschätzung" hätten sie letztlich das Amt gekostet, meinten Parteifreunde.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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